Bläsehaus St. Ingbert (Foto: SR)

Streit um Wohnanlage der Ferdinand-Bläse-Stiftung

Thomas Gerber / Onlinefassung: Anne Staut   11.10.2021 | 18:26 Uhr

Die nach dem verstorbenen St. Ingberter Geschäftsmann benannte Ferdinand-Bläse-Stiftung ist offenbar in finanzielle Schieflage geraten. Deshalb soll nun eine Seniorenwohnanlage der Stiftung verkauft werden. Die Stiftung will den ehemaligen Stiftungsvorstand Hans Wagner in Regress nehmen, der hat unterdessen Strafanzeige erstattet.

Beim Bau des sogenannten Bläse-Hauses gab es "bauplanerische Verfehlungen und eine zu hoch kalkulierte Miete", teilte der Rechtsanwalt der Ferdinand-Bläse-Stiftung auf SR-Anfrage mit. Das Gebäude in der Kaiserstraße sei ursprünglich mit 1,2 Millionen Euro kalkuliert worden, habe dann aber rund 3,6 Millionen gekostet.

Video [aktueller bericht, 12.10.2021, Länge: 2:57 Min.]
Streit um Bläse-Stiftung in St. Ingbert

Ein unabhängiges Gutachten, so der Rechtsanwalt, sei inzwischen zu dem Ergebnis gekommen, dass das Gebäude tatsächlich lediglich einen Verkehrswert von etwa 1,2 Millionen Euro habe. Die derzeit erzielten Mieteinnahmen reichten nicht aus, um das Gebäude dauerhaft zu bewirtschaften und zu erhalten.

Stiftung stellt Regressforderungen

Seit der Amtszeit des früheren OB Hans Wagner (parteilos), der als Verwaltungschef automatisch Stiftungsvorstand war, stünden einige der elf seniorengerechten Wohnungen leer. Bei der Übergabe der Dienstgeschäfte von Wagner auf seinen Nachfolger Ulli Meyer (CDU) habe es bei der Stiftung zudem einen erheblichen Liquiditätsengpass gegeben. So seien unter anderem Mietkautionen zur Begleichung von laufenden Kosten verwendet worden.

Zur finanziellen Schieflage bei der Ferdinand-Bläse-Stiftung
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 12.10.2021, Länge: 03:50 Min.]
Zur finanziellen Schieflage bei der Ferdinand-Bläse-Stiftung

Meyer hat bereits einen Käufer für das Gebäude an der Hand. Ein Investor sei bereit, etwas mehr als den Verkehrswert von 1,2 Millionen zu zahlen.

Die Stiftung, so ihr Anwalt weiter, erwarte nun von Wagner als ehemaligem Stiftungsvorstand eine Entschuldigung für das "finanzielle Desaster". Zudem sei die Stiftung rechtlich gehalten, von Wagner Regress zu fordern. Das komplette ehemalige Stiftungsvermögen von rund 3,5 Millionen Euro stecke zwischenzeitlich in einer Immobilie, deren Wert lediglich bei rund einem Drittel dieser Summe liege.

Wagner verweist auf Quadratmeterpreise

Wagner wies die Vorwürfe gegenüber dem SR zurück. Bei dem entstandenen Gebäude handele es sich um eine hochwertige Seniorenanlage. Die elf Wohnungen seien sämtlich behindertengerecht ausgestattet und verfügten über modernste Technik mit Fußbodenheizung, Wärmepumpe und Solaranlage.

Die in dem Wert-Gutachten zugrunde gelegten Quadratmeterpreise von circa 2100 Euro seien viel zu gering. In St. Ingbert seien Quadratmeterpreise von 4000 Euro durchaus üblich.

Ex-OB erstattet Strafanzeige

Der aktuelle Vorstand wolle das Bläse-Haus nun offenbar weit unter Wert an einen Investor verkaufen. Wagner äußerte den Verdacht der Untreue. Um Schaden von der Stiftung abzuwenden, habe er deshalb die Stiftungsaufsicht im Innenministerium und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 11.10.2021 berichtet.

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