1998 in der SPD (v.l.): Hans-Georg Wagner, Lothar Fischer, Elke Ferner, Jutta Müller und Ottmar Schreiner (Foto: dpa)

Auch nach 20 Jahren: Kein Verständnis für Rücktritt

Axel Wagner / mit Informationen von Nadine Thielen   11.03.2019 | 08:05 Uhr

Heute ist es genau 20 Jahre her: Am 11. März 1999 trat Oskar Lafontaine mit einem Paukenschlag als Bundesfinanzminister und SPD-Chef zurück und sorgte damit für eine ziemliche Überraschung. Auch die saarländische Bundestagsabgeordnete Elke Ferner (SPD) war geschockt.

Interview mit Elke Ferner zu 20 Jahre Rücktritt Lafontaine
Audio [SR 3, (c) Nadine Thielen, 10.03.2019, Länge: 05:35 Min.]
Interview mit Elke Ferner zu 20 Jahre Rücktritt Lafontaine

„Mich hat das kalt während eines Außentermins in der Nähe von Birkenfeld erwischt“, erinnert sich Ferner, die derzeit in New York ist, im Telefon-Interview mit dem SR. Eine Mitarbeiterin aus Berlin habe sie angerufen und von dem Rücktritt berichtet. Ferner war damals Staatssekretärin im Verkehrsministerium. „Niemand wusste etwas. Wir saßen alle ganz gemütlich beim Mittagessen zusammen. Am Nachmittag kam dann die Meldung, dass er von allen seinen Ämtern zurücktritt, und wir waren einigermaßen geschockt darüber.“

So richtig verziehen hat Ferner Lafontaine den Rücktritt immer noch nicht. „Ich hatte ein gewisses Verständnis dafür, dass es zwischen Schröder und ihm nicht funktioniert hat. Aber auf der anderen Seite kann man nicht einfach einer Partei den Vorsitz vor die Füße kippen, den man sich in einer Kampfkandidatur erobert hat.“ Das, so Ferner, sei etwas, das ihm viele bis heute nicht verzeihen.

Video [aktueller bericht, 11.03.2019, Länge: 3:35 Min.]
SR-Chefredakteur Norbert Klein zum Lafontaine-Rücktritt

Streitthema Agenda 2010

Vor 20 Jahren: Der Rückzug von Oskar Lafontaine
"Ein Tag, den man einfach nicht vergisst"

Ob Gerhard Schröders Agenda 2010 gekommen wäre, wenn Lafontaine nicht zurückgetreten wäre? Immerhin war das einer der Auslöser für den Rücktritt. Für Ferner ist das schwer zu sagen. Die Agenda 2010 habe die Partei zu viel Vertrauen gekostet, insbesondere die Regelungen zur Grundsicherung bei Arbeitslosigkeit, Hartz IV. „Das hat natürlich viel Vertrauen zerstört. Deshalb glaube ich, dass jetzt das, was der Parteivorstand an neuer Konzeption vorgelegt hat, in die richtige Richtung geht.“ Diejenigen, so Ferner, die lange gearbeitet haben, sollten nicht mit jenen gleichgestellt werden, die „im Extremfall noch nie gearbeitet haben“.

Lafontaine selbst hatte seinen Rücktritt mit dem neoliberalen Zeitgeist von damals begründet. Im Interview der Woche mit SR 2 KulturRadio sagte er, er habe aber bis heute Zweifel, ob der Rücktritt die richtige Entscheidung gewesen sei.

Über dieses Thema hat auch SR 3 Guten Morgen am 11.03.2019 berichtet.

Artikel mit anderen teilen