Mehrere Ferkel liegen im Stroh (Foto: pixabay/aitoff)

Ferkelkastration: Kritik an Fristverlängerung

  04.10.2018 | 12:01 Uhr

Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD) kritisiert die geplante Verlängerung der Übergangsfrist für Ferkelkastrationen ohne Betäubung. Anlässlich des heutigen Welttierschutztages forderte der Deutsche Tierschutzbund grundlegende Reformen in der landwirtschaftlichen Schweinehaltung.

Die Koalition hatte am Montagabend beschlossen, eine Initiative im Bundestag auf den Weg zu bringen, um das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln um zwei Jahre zu verschieben. Eigentlich sollte dieser Praxis zum 1. Januar 2019 ein Ende gesetzt werden. Jost bezeichnete die Fristverlängerung als „verhängnisvolle Fehlentscheidung und eine Brüskierung der Mehrheit der im Bundesrat vertretenen Länder“. Diese hatten vor wenigen Wochen eine Fristverlängerung abgelehnt.

Druck vom Bauernverband

Der Bauernverband hatte laut tagessschau.de angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter dringend für eine Verschiebung geworben und darauf verwiesen, dass es keine praktikablen Alternativverfahren gebe. Dem widerspricht der saarländische Umweltminister: „Es stehen längst ausgereifte Alternativen zur betäubungslosen Kastration männlicher Ferkel zur Verfügung. Ich wüsste nicht, was in den kommenden beiden Jahren noch erforscht werden soll bei dem Thema“, teilte Jost mit.

Der Bundesrat hat die Möglichkeit, Einspruch gegen das Gesetz einzulegen und darüber im Vermittlungsausschuss verhandeln zu lassen. Die endgültige Entscheidung liegt allerdings beim Bundestag.

Tierschutzbund nennt Verlängerung "rechtlich nicht haltbar"

Der Deutsche Tierschutzbund nannte eine eventuelle Verschiebung des Verbots "rechtlich nicht haltbar". Die Kastrationspraxis sei allerdings nicht der einzige Missstand in der Schweinehaltung. Auch das Stutzen der Ringelschwänze und die Fixierung der Sauen in engen Kastenständen widersprächen geltendem Recht. Der Tierschutzbund beruft sich dabei auf Artikel 20a im Grundgesetz, der Tierschutz als Staatsziel ausweist.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 04.10.2018 berichtet.

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