Coronavirus Illustration (Foto: Pixabay / mattthewafflecat)

Darum gelten im privaten Bereich andere Corona-Regeln

  15.10.2020 | 12:11 Uhr

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, werden derzeit vor allem für den privaten Bereich strengere Beschränkungen erlassen. Für viele Saarländer sind diese Regeln manchmal schwer nachvollziehbar. Die Landesregierung hat die wichtigsten Maßnahmen nun noch einmal ausführlich begründet.

Mehrere Kreise im Saarland gelten derzeit als Corona-Risikogebiete. Um die Virusverbreitung weiter einzudämmen, wurden strengere Kontaktbeschränkungen und eine Sperrstunde eingeführt. Dass dabei zum Beispiel zwischen Privatfeiern im Restaurant und in den eigenen vier Wänden unterschieden wird, ist für viele unverständlich.

Ganz oft tauchen in den sozialen Netzwerken plakative Fragen auf, wie: "Ist das Virus privat?" oder "Ist das Virus erst nach 24.00 Uhr aktiv?". Diese und noch mehr Fragen haben wir gesammelt und an die Landesregierung gerichtet, die nun ausführlich Stellung dazu genommen hat.


Warum gelten im Privaten strengere Kontaktbeschränkungen als für das Arbeitsumfeld?

"Ein Großteil der Infektionen tritt im Zusammenhang mit privaten Feiern auf", erklärt Regierungssprecher Alexander Zeyer auf SR-Anfrage. Im beruflichen Kontext, in dem es praktisch flächendeckend Hygienekonzepte gebe, seien hingegen kaum Neuinfektionen zu erkennen. Zudem hielten die Menschen im privaten Bereich oft weniger Abstand zueinander und es gebe eine geringere soziale Kontrolle als im beruflichen Umfeld.

Warum gelten für private Feiern zuhause andere Personenbeschränkungen als bei Feiern im öffentlichen Raum?

Für öffentliche Räume gebe es Hygienekonzepte und Beschränkungen der zulässigen Personenzahl je nach Raumgröße, erklärt Zeyer. Zudem hielten die Menschen bei Feiern im öffentlichen Raum meist eine größere physische Distanz ein als bei privaten Feiern. Zeyer betont allerdings, dass selbst eine Feier im erlaubten Rahmen nie risikofrei sei.

Was soll eine Sperrstunde bewirken?

Je später der Abend und je mehr Alkohol geflossen ist, desto eher werden Abstands- und Hygieneregeln vergessen - Regierungssprecher Zeyer beschreibt es als die "Dynamik und Entwicklungen, die Feierlichkeiten häufig mit fortschreitender Stunde nehmen". Mit der Sperrstunde soll dieser Dynamik ein Riegel vorgeschoben werden.

Warum werden private Treffen beschränkt, während in Schulklassen mehr als 20 Personen über Stunden zusammensitzen?

An den Schulen gebe es sehr umfangreiche Hygienekonzepte, die unter anderem Vorgaben zur Belüftung, Abstandsregeln, feste Gruppen und eine Maskenpflicht in bestimmten Situationen vorsehen, so Zeyer. Und aus Sicht der Landesregierung wirken diese Maßnahmen bislang. "Trotz einiger Quarantänemaßnahmen an Schulen sehen wir in diesem Bereich nur wenige Übertragungen", sagt Zeyer. Der Großteil der Infektionen trete in Zusammenhang mit privaten Feiern auf.

Sollten nicht zunächst bestehende Regelungen - etwa die Abstandsregelung in Geschäften - strenger kontrolliert werden, bevor neue Beschränkungen erlassen werden?

Regierungssprecher Zeyer verweist darauf, dass im öffentlichen Bereich bereits Kontrollen stattfinden würden. Zudem gelte in Ladenlokalen die Maskenpflicht, der Aufenthalt dort sei meist zeitlich begrenzt. Selbst wenn der Sicherheitsabstand kurzfristig unterschritten werde, sei das daher "verhältnismäßig wenig gefährlich".

Stichwort Maskenpflicht: Warum wurde diese Regelung eingeführt, wenn doch zunächst immer betont wurde, dass Masken nichts bringen?

Im Verlauf der Pandemie habe man neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen, auch in Bezug auf Masken. "Es hat sich gezeigt, dass die einfache Maßnahme des Tragens einer Alltagsmaske eine hervorragende Schutzwirkung entfaltet", sagt Zeyer. Insbesondere als Fremdschutz, weshalb das Maskentragen auch nicht jedem selbst freigestellt werden könne.

Warum werden als Grenzwerte nur die Infektionszahlen genommen? Und nicht zum Beispiel die Belegungszahlen der Kliniken?

"Es braucht einen klar definierten Wert, damit die Maßnahmen auch nachvollziehbar und transparent sind", sagt Zeyer. Bei den Neuinfektionsraten sei dies der Fall - auch wenn es hier bereits einen zeitlichen Versatz gebe, da Infektionen erst einige Tage später entdeckt würden. "Dies ist bereits eine Herausforderung, da die Zahlen dem Geschehen immer ein paar Tage hinterher hängen."

Die Krankenhausaufnahme erfolge in einem noch größeren zeitlichen Abstand, wie man beispielsweise gerade im Saarland erlebe. "Trotz steigender Fallzahlen waren diese Zahlen noch lange stabil und steigen jetzt erst an", so Zeyer. Dieser zeitliche Verzug mache ein rechtzeitiges Handeln alleine auf Basis der Krankenhauszahlen sehr schwer.

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