Lafontaine im Landtag am 8.01.2021 (Foto: SR)

Fake News-Debatte im Landtag wegen Impfstoff

Melina Miller   08.01.2021 | 13:30 Uhr

Bei der Sondersitzung des saarländischen Landtags ist es nach Äußerungen von Oskar Lafontaine zu einer Diskussion über Fake News gekommen. Lafontaine hatte behauptet, Biontech-Chef Şahin wolle sich selbst nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. Für diese nachweislich falsche Aussage erntete der Linkenfraktionsvorsitzende Kritik von SPD und CDU.

Der Linkenfraktionsvorsitzende Oskar Lafontaine hat mit einer fälschlichen Aussage über den Biontech-Chef am Freitagmorgen für Aufsehen im saarländischen Landtag gesorgt. Für die Behauptung, der Impfstoff-Entwickler Ugur Şahin wolle sich selbst nicht impfen lassen, erntete Lafontaine scharfe Kritik.

Der Linkspolitiker bezog sich mit seiner Aussage auf ein Interview Şahins in der Sendung ARD-Extra. Korrekterweise hatte Şahin dort allerdings gesagt, er wolle sich und seine Mitarbeiter impfen lassen, sobald die "rechtlichen Grundlagen" gegeben seien. "Ich möchte mich natürlich liebend gerne impfen lassen", so Şahin wörtlich in dem Interview, das auch der SWR veröffentlichte.

Impfbereitschaft mehrfach betont

Auch in anderen Interviews hatte Şahin bereits seine Haltung zur eigenen Impfung zum Ausdruck gebracht. So sagte er am 10. Dezember zu RTL: "Wir warten zunächst ab, welche Gruppierungen eine Impfung bekommen können, und werden uns daran orientieren. Falls wir eine Möglichkeit haben, auch Mitarbeiter zu impfen, weil sie systemrelevante Arbeit leisten, würden wir das natürlich sehr schnell und sehr gerne tun."

Ähnliches sagte er auch der "Sächsischen Zeitung", dem österreichischen Kurier, NTV oder der Bild. Dennoch hatten Tausende Facebook-User seit Mitte Dezember das falsche Zitat geteilt.

Heftige Kritik seitens CDU und SPD

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Funk verurteilte die Aussage Lafontaines scharf: Mit der Verbreitung von Falschnachrichten betreibe dieser "Angstmacherei". Ein Faktencheck habe deutlich gezeigt, dass Şahin diese Aussagen so nicht getroffen hätte. Lafontaine beschädige die Vertrauenswürdigkeit des Impfstoffs mit seiner Behauptung, indem er den Eindruck vermittle, "dass derjenige, der den Impfstoff erfunden hat, sich nicht impfen lässt, weil er unsicher ist", so Funk weiter.

Dem schloss sich auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Commerçon an: Fake News dieser Art seien gefährlich. Sogar "noch gefährlicher als das Coronavirus, das bei Weitem gefährlich genug ist", so Commerçon. Das könne man sich nicht erlauben.

Auf Lafontaines Einwurf, warum sich der Biontech-Chef nicht einfach selbst impfe, entgegnete Commerçon: "Diese Debatte wollen wir nicht führen." Dann gehe es um Privilegien. Şahin halte sich an die festgelegte Priorisierung, wann sich wer impfen lassen könne.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja