Eingangstür einer Kindertagesstätte (Foto: dpa/Rainer Jensen)

Im Saarland fehlen 1300 Erzieher

  26.09.2019 | 06:30 Uhr

Im Saarland fehlen nach Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung 1350 Erzieher. Die Personalschlüssel seien immer noch nicht kindgerecht - auch wenn die Zahl des pädagogischen Personals in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Kita-Fachkräfte im Saarland um mehr als 50 Prozent gestiegen - aufgrund des zeitgleich stark vorangetriebenen Kita- und Krippenausbaus hat sich das Betreuungsverhältnis aber kaum verbessert. 2018 kamen auf einen Erzieher oder eine Erzieherin rechnerisch 9,7 Kinder, im Krippenbereich waren es 3,8 Kinder. Damit liegt das Saarland im Kindergartenbereich etwa im Bundesschnitt, im Krippenbereich sogar deutlich besser.

Video [aktueller bericht, 26.09.2019, Länge: 3:39 Min.]
Zu wenige Erzieher im Saarland

Studie: Das Saarland braucht mehr Erzieher
Audio [SR 1, Julia Lehmann, 26.09.2019, Länge: 03:49 Min.]
Studie: Das Saarland braucht mehr Erzieher

Von den Empfehlungen der Bertelsmann-Stiftung ist das Saarland aber immer noch weit entfernt - zumal das reale Betreuungsverhältnis durch Ausfallzeiten, Urlaub oder Elterngespräche deutlich schlechter ausfällt. Für eine kindgerechte Betreuung sollte nach Ansicht der Stiftungsexperten eine pädagogische Fachkraft im Krippenbereich maximal drei, in Kindergartengruppen maximal 7,5 Kinder betreuen - dafür wären alleine im Saarland 1350 zusätzliche Fachkräfte nötig.

Viele Kitas greifen zu Notmaßnahmen

Das Problem ist aber: Selbst vorhandene Stellen können schon längst nicht mehr überall besetzt werden, wie eine SR-Umfrage unter Kita-Trägern im Frühjahr ergab. Viele Kitas mussten bereits Notmaßnahmen ergreifen und zum Beispiel Gruppen zusammenlegen oder Öffnungszeiten kürzen.

Kollegengespräch: "Die Erzieher sind ganz schön überlastet, auch wegen veränderter Aufgaben"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Dorothee Scharner/Julia Lehmann, 26.09.2019, Länge: 03:37 Min.]
Kollegengespräch: "Die Erzieher sind ganz schön überlastet, auch wegen veränderter Aufgaben"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Saarland erklärte mit Blick auf die Bertelsmann-Studie, sozialpädagogische Fachkräfte könnten nur gewonnen werden, wenn sich die Arbeitsbedingungen verbesserten und attraktiver würden.

Die Linksfraktion im Saarländischen Landtag bezeichnete die Probleme der Kitas mit fehlendem Personal als "Weckruf". Die Arbeitsbedingungen für die Erzieherinnen und Erzieher im Saarland müssten verbessert werden. „Sinnvoll wäre es, einen größeren Teil der Bundesmittel aus dem sogenannten ‚Gute-Kita-Gesetz‘ für Qualitätsverbesserungen in den saarländischen Kitas einzusetzen, also für mehr Personal, mehr Zeit für die Beschäftigten zur Vor- und Nachbereitung und kleinere Gruppen", sagte die bildungspolitische Sprecherin Barbara Spaniol. Auch die Arbeitskammer forderte das Land auf, mehr in die Betreuungsqualität und in bessere Arbeitsbedingungen in den Kitas investieren.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 26.09.2019 berichtet.

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