Ein Vorhängeschloss (Foto: picture alliance / ZB | Volkmar Heinz)

Lehr drängt erneut auf Lockdown für alle

  10.12.2021 | 08:54 Uhr

Der Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr fordert einen Lockdown für Geimpfte und Ungeimpfte. Aus seiner Sicht ist die Pandemie-Lage nur so in den Griff zu bekommen. Sorgen bereitet ihm und anderen Experten die Omikron-Variante, die schon bald in Deutschland dominieren könnte.

"Nicht mehr auf Sicht fahren, sondern das Radar anschalten" - aus Sicht des Corona-Experten Professor Thorsten Lehr ist das jetzt dringend geboten. "Es ist wichtig, dass wir jetzt einen Lockdown für alle, für Geimpfte und Ungeimpfte durchsetzen, damit wir zum einen die Fallzahlen senken, damit wir die Krankenhäuser entlasten und damit wir uns einen Vorsprung gegenüber Omikron verschaffen", sagte Lehr am Donnerstag im SR-Interview.

Schnelle Verdopplungszeit der Omikron-Variante

Momentan habe die Omikron-Variante zwar noch keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen, dass werde sich aber schon in wenigen Wochen ändern. "Bei der Verdopplungszeit von zwei bis vier Tagen bei Omikron gehen wir davon aus, dass es in Deutschland gegen Ende des Jahres dominant sein wird", so Lehr.

Auch der Berliner Virologe Christian Drosten zeigt sich mit Blick auf Daten aus Südafrika, Dänemark und England besorgt. Omikron verbreite sich deutlich schneller als das, was wir von der Delta-Variante gewohnt seien, sagte er am Donnerstag in den tagesthemen.

Daten zur Krankheitsschwere noch schwer zu deuten

Unklar ist noch, wie die Daten zu Krankheitsschwere zu deuten seien - und was das Übertragen auf die deutsche Bevölkerung bedeuten könnte. Genau wie Lehr plädiert Drosten dafür, jetzt schnell Entscheidungen zu treffen, denn das Virus vermehre sich schnell. Im Saarland ist am Donnerstag zum ersten Mal die neue Virusvariante festgestellt worden, bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika.

Doch nicht nur mit Blick auf die Omikron-Variante mahnt Pharmazie-Professor Lehr schärfere Maßnahmen an. "Das Problem, das wir jetzt noch haben, ist Delta." Die aktuellen Maßnahmen genügen laut Lehr nicht, um die Fallzahlen ausreichend abzusenken.

Peak in den Kliniken um die Weihnachtszeit

Da sich schwere Krankheitsverläufe immer mit etwas Verzögerung einstellen, wird das aktuelle Infektionsgeschehen erst zeitverzögert in den Kliniken ankommen. "Auf den Intensivstationen werden wir einen Peak erleben, der sich ungefähr um die Weihnachtszeit abspielen wird", sagt Lehr mit Blick auf die Gesamtsituation in Deutschland.

Es sei wichtig, jetzt zu handeln. "Auch wenn wir im Nachhinein vielleicht feststellen sollten, dass wir übertrieben gehandelt haben, ist jetzt Vorsicht besser als Nachsicht", so Lehr.

Der Ministerrat im Saarland hat auf seiner Sitzung am Donnerstag zunächst aber keine weitere Beschränkungen ins Auge gefasst. Allerdings wurden die angekündigten Lockerungen bei der 2Gplus-Regelung auf geboosterte Personen beschränkt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 10.12.2021 berichtet.

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