Eine Frau mit gesenktem Kopf telefoniert am Schreibtisch und fasst sich an die Stirn.  (Foto: picture alliance / photothek | Thomas Trutschel)

Offenbar schlechtes Arbeitsklima in vielen Saar-Betrieben

mit Informationen von Jan Henrich   02.09.2022 | 15:29 Uhr

Viele Betriebs- und Personalräte im Saarland beklagen ein schlechtes Betriebsklima. Sie wünschen sich zudem mehr Mitbestimmung - auch in strategischen Fragen. Eine zu dünne Personaldecke wird vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen bemängelt.

Die Arbeitskammer hat am Freitag die Ergebnisse ihres Betriebsbarometers vorgestellt - einer alle zwei Jahre stattfindenden Befragung von Arbeitnehmervertretungen im Saarland. "Gerade das Gesundheits- und Sozialwesen ist stärker als die anderen Branchen von Personalmangel und Arbeitsverdichtung betroffen", fasst der Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer, Thomas Otto, ein zentrales Ergebnis der Befragung zusammen. "Es ist höchste Zeit, wenigstens die Personalsituation in diesem Arbeitsbereich massiv zu verbessern."

Herausforderungen durch Pandemie gewachsen

Aber nicht nur im Gesundheitsbereich, sondern insgesamt seien mit Blick auf die Corona-Pandemie die Herausforderungen gewachsen und die betrieblichen Bedingungen problematisch. Insgesamt 78 Prozent der befragten Arbeitnehmervertretungen beurteilen Arbeitsintensivierung und -verdichtung als tendenziell hoch. Auch werde die Fähigkeit der Unternehmen, Fachkräfte zu gewinnen oder zu halten, als überwiegend schlecht eingestuft.

Etwas mehr als die Hälfte der befragten Gremien wertete das Arbeitsklima in ihren Betrieb als "eher schlecht" oder sogar "schlecht".

Bessere Zusammenarbeit zwischen Gremien und Arbeitgebern

Verbessert habe sich hingegen die Zusammenarbeit zwischen Gremien und Arbeitgebern. Betriebs- und Dienstvereinbarungen würden meist eingehalten und umgesetzt, so Jörg Caspar, Vorstandsvorsitzender der Arbeitskammer des Saarlandes.

Allerdings wünschen sich 82 Prozent der Arbeitnehmervertretungen eine Stärkung der Mitbestimmungsrechte - insbesondere wenn es darum geht, in strategischen Fragen der Unternehmen eingebunden zu werden.

198 Gremien an Umfrage beteiligt

Im Rahmen des Betriebsbarometers der Arbeitskammer werden alle zwei Jahre Betriebs- und Personalräte im Saarland zu den Themen Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung befragt. Insgesamt hatten sich in diesem Jahr 198 Arbeitnehmervertretungen beteiligt. Sie vertreten knapp ein Drittel der 386.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Saarland. Die Befragung fand bereits im Februar statt, also noch vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 02.09.2023.

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