Ein Mitarbeiter steht auf dem Gelände eines Gasspeichers auf einer Absorber-Anlage (Foto: picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

Erdgasspeicher in Frankenthal zu 100 Prozent gefüllt

  10.09.2022 | 09:03 Uhr

Der größte unterirdische Gasspeicher von Rheinland-Pfalz in Frankenthal ist vollständig gefüllt. Das reicht laut dem saarländischen Betreiber Enovos Storage aus, um 50.000 Haushalte ein Jahr lang zu versorgen.

Der unterirdische Erdgasspeicher in Frankenthal, betrieben von Enovos Storage in Saarbrücken, hat das Ziel der Bundesregierung bereits Anfang September übertroffen. Danach sollten die Gasspeicher in Deutschland am 1. September zu 75 Prozent, am 1. Oktober zu 85 und am 1. November zu 95 Prozent gefüllt sein. "Unser Speicher in Frankenthal hat schon jetzt die 100-Prozent-Marke erreicht", sagt der Geschäftsführer von Enovos Storage, Markus Bastian, auf SR-Anfrage.

50.000 Haushalte können versorgt werden

88 Millionen Kubikmeter Erdgas fasst der Speicher, der damit der größte Gasspeicher Rheinland-Pfalz ist, der auch das Saarland mitversorgt. Insgesamt könnte er 50.000 Haushalte ein Jahr lang versorgen, sagt Bastian. "Im bundesweiten Vergleich handelt es sich aber dennoch um einen eher kleinen Speicher." Er liegt mehrere hundert Meter tief unter der Erde und umfasst eine Fläche von etwa 2,5 Kilometer auf 1,5 Kilometer.

Der größte Erdgasspeicher befindet sich im niedersächsichen Rehden – er hat nach Angaben des Betreibers eine Kapazität von knapp vier Millarden Kubikmetern und kann so rund zwei Millionen Einfamilienhäuser ein Jahr lang versorgen.

Das eingespeicherte Gas in Frankenthal komme aktuell überwiegend aus Norwegen und habe einen etwas höheren Brennwert als das in der Vergangenheit aus Russland eingespeicherte Gas, so Bastian. Das Geschäft sei saisonal: Das Gas wird für die Kunden ab Anfang April ein- und ab Ende Oktober bis in den März ausgespeichert. "Einen Füllstand von 100 Prozent erreichen wir unter normalen Umständen erst gegen Ende September." Die Kunden hätten in diesem Jahr also schon früher und schneller Gas eingespeichert.

Aquiferspeicher in Frankenthal

Bei Gasspeichern unterscheidet man laut Bastian zwischen drei verschiedenen Typen: den Kavernen-, Poren- und Aquiferspeichern. Beim unterirdischen Erdgasspeicher in Frankenthal, den man nun seit über 40 Jahren im nördlichen Oberrheintalgraben betreibe, handele es sich um einen Aquiferspeicher, erklärt Bastian. Aquifere sind wasserführende Sandsteinformationen in der Tiefe.

Für die Errichtung eines solchen Speichers habe man damals ideale Voraussetzungen gefunden: einerseits die großflächige Ablagerung von mächtigen, hochporösen, mit Wasser gefüllten Sanden, andererseits darüber liegende Ablagerungen mit ausreichend mächtigen, gas- und wasserundurchlässigen Deckschichten aus Tonen und Mergel.

Mit 110 bar in Speichersand gepresst

Vereinfacht könne man sich den Speicher vorstellen wie eine Schokolinse, sagt Bastian: Das Gas werde mit Hilfe von zwölf Bohrungen mit bis zu 110 bar in den Speichersand gepresst. "Das hat zur Folge, dass das Wasser durch das Erdgas aus den Poren verdrängt wird." Umhüllt ist das Gas dann – wie die Schokolade in der Linse – von den undurchlässigen Deckschichten, die verhindern, dass es entweichen kann.

Beim Ausspeichern verdrängt dann das unter natürlichem hydrostatischen Druck stehende Wasser das Gas aus den Porenräume des Speichers und drückt es zur Übertageanlage. Im Speicher nimmt das Gas dabei Feuchtigkeit auf. Es muss daher vor dem Einspeisen ins Leitungsnetz erst wieder getrocknet werden. Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit stehe auch bald schon wieder dieser Prozess an, so Bastian – bis es Anfang April wieder ans Einspeisen geht.

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