Entgeltgleichheit. Mann und Frau halten unterschiedlich große Papiertüten gefüllt mit Geldscheinen in den Händen.  (Foto: Imago Images/Ute Grabowsky/photothek.net)

Frauen im Saarland verdienen 23 Prozent weniger

Pauline Jacob   17.03.2020 | 12:54 Uhr

Ungefähr ein Fünftel weniger als Männer verdienen Frauen in Deutschland, im Saarland sogar fast ein Viertel. Darauf macht der „Equal Pay Day“ an diesem Dienstag aufmerksam. Eine stärkere Tarifbindung könnte für mehr Gerechtigkeit sorgen, fordert die DGB-Saar-Geschäftsführerin Bettina Altesleben zum „Tag der gleichen Bezahlung“.

Frauen im Saarland verdienen 23 Prozent weniger
Audio [SR 1, Lena Schmidtke, 17.03.2020, Länge: 01:49 Min.]
Frauen im Saarland verdienen 23 Prozent weniger

77 Tage sind vom 1. Januar bis zum 17. März 2020 vergangen. So lange arbeiten Frauen in Deutschland umgerechnet noch, bis sie auf das Vorjahresgehalt der Männer kommen. Denn sie verdienen bundesweit ungefähr 21 Prozent weniger als Männer. Die Gehaltslücke im Saarland liegt mit 23 Prozent sogar knapp über dem Bundesdurchschnitt, zeigt eine Auswertung der Arbeitskammer des Saarlandes von 2018. Der „Equal Pay Day“ an diesem Dienstag soll das Bewusstsein über das Ungleichgewicht in der Arbeitswelt schärfen.

Gleiche Berufserfahrung, weniger Gehalt

Gut bezahlte, technische Berufe seien noch immer von Männern dominiert, sagt Bettina Altesleben, die Geschäftsführerin der DGB Saar. „Aber auch wenn Frauen den gleichen Beruf wählen und den gleichen Erfahrungsschatz gesammelt haben, hinkt ihr Gehalt dem der Männer oft deutlich hinterher“. Die Landeschefin der Grünen, Tina Schöpfer, appelliert daher an die Landesregierung, sich für ein Entgeltgleichheitsgesetz bei der Bundesregierung einzusetzen. Das Entgelttransparenzgesetz von 2017 habe „keinerlei Verbesserung gebracht“.

Ungleich verteilte Löhne wirken sich auch auf die Rente aus. „Wir müssen weiter für einen Abbau des geschlechtsspezifischen Lohngefälles kämpfen, um die eigenständige Existenzsicherung von Frauen zu ermöglichen und Altersarmut zu vermeiden.“, forderte die saarländische Frauenministerin Monika Bachmann.

Um ein geschlechtsunabhängiges Gehalt für alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Unternehmen zu erreichen, fordert Altesleben mehr Tarifbindung: „Dort, wo Tarifverträge gelten, ist die Lücke um zehn Prozent kleiner.“ Ein weiterer Pluspunkt sei, dass bei vielen Verträgen die Löhne mit wachsender Berufserfahrung stiegen.

Fachkräftemangel in typischen Frauenberufen

Die Gewerkschafterin betont zudem die Wichtigkeit der sogenannten SAGE-Berufe (Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege, Erziehung und Bildung), die einen hohen Frauenanteil aufweisen. Hier sei der Fachkräftemangel Ergebnis von zu niedriger Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen. „Wir können nur hoffen, dass sich das jetzt nicht rächt“, sagte Altesleben vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie.

Überwiegend Frauen seien im Berufsleben jetzt besonders gefordert, denn diese dominierten die Arbeit im Gesundheitswesen und im Einzelhandel, so äußerte sich Petra Berg, parlamentarische Geschäftsführerin der SPD Saarland. Damit wachse auch ihr Ansteckungsrisiko mit dem Coronvirus. „Diese Krise muss Anlass sein für ein Umdenken, welche Berufsgruppen wirklich systemrelevant sind. Das muss sich auch in der Bezahlung widerspiegeln.“

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