Frauen verdienen nach wie vor deutlich weniger als Männer (Foto: Axel Heimken/dpa)

Frauen sind für ihre Jobs häufig überqualifiziert

A.Wagner/S.Schick mit Informationen von Karin Mayer und Magnus Neuschwander   18.03.2019 | 10:25 Uhr

Frauen im Vollzeitjob verdienen im Saarland rund 20 Prozent weniger als Männer. Zu diesem Ergebnis kommen das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und die Arbeitskammer. Das Paradoxe: Obwohl Frauen heute besser gebildet und häufiger erwerbstätig sind, haben sie in Deutschland immer noch nicht das Einkommensniveau, das Männer in den 1970er Jahren hatten.

Eine mögliche Erklärung liefert eine Landzeitstudie der Bertelsmann-Stiftung. Demnach arbeiteten 2012 knapp 61 Prozent der Akademikerinnen arbeiteten in Jobs, für die sie formal überqualifiziert waren. Ein weiteres Ergebnis: Frauen hinken der Einkommensentwicklung rund 40 Jahre hinterher: 2013 hatten sie immer noch nicht das Niveau erreicht, das Männer in den 1970er-Jahren hatten. Und das, obwohl der Anteil von Hochschulabsolventinnen seit damals von zwei auf 17 Prozent gestiegen ist. Auch hat sich die Zahl erwerbstätiger Frauen seit den 70ern verdoppelt.

Video [aktueller bericht, 18.03.2019, ab Minute: 14:27]
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Frauen im Saarland verdienen 19,3 Prozent weniger

Über die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen
Audio [SR 2, Katrin Aue / Johanna Streicher, 18.03.2019, Länge: 02:02 Min.]
Über die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kommt in einer aktuellen Studie zum Ergebnis, dass Frauen im Saarland in Vollzeitjobs rund 19,3 Prozent weniger verdienen als Männer. Die höchsten Einkommensunterschiede hat das IAB in der Forschung und im Gesundheitswesen festgestellt, die niedrigsten im Gastgewerbe. Am geringsten ist der Lohnunterschied in Merzig-Wadern mit knapp 16 Prozent, am höchsten ist er in Saarlouis mit 22,4 Prozent.

Das IAB verweist darauf, dass Frauen im Beruf häufig auf Kinder und Familie Rücksicht nehmen. Bei Beförderungen werden sie dann nicht berücksichtigt, so die Forscher. Deshalb sei es wichtig, Kinderbetreuung auszubauen, damit Frauen sich beruflich besser entwickeln können. Das IAB hat nur Einkommen von Männern und Frauen in Vollzeitjobs verglichen. Hätte die Studie auch Teilzeitarbeit berücksichtigt, wäre der Einkommensunterschied höher ausgefallen.

Arbeitskammer: Lohngefälle noch höher

Die saarländischen Parteien und die Arbeitskammer fordern, die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern zu beheben. Arbeitskammer-Geschäftsführerin Beatrice Zeiger sagt, Frauen würden nicht nur häufiger ihr Arbeitsleben unterbrechen – etwa bei Geburten – sondern sie ergreifen oft auch Berufe, die schlechter bezahlt sind. Die Arbeitskammer fordert, etwa Jobs in der Erziehung und Pflege beim Lohn deutlich aufzuwerten. Nach Ansicht der Arbeitskammer verdienen saarländische Frauen im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer.

Wie steht es um die Gender Pay Gap im Saarland? - Interview mit Dr. Gabriele Wydra-Somaggio
Audio [SR 2, Roland Kunz, 18.03.2019, Länge: 05:10 Min.]
Wie steht es um die Gender Pay Gap im Saarland? - Interview mit Dr. Gabriele Wydra-Somaggio

Auch die saarländische Arbeitsministerin Anke Rehlinger fordert Politik, Gesellschaft und Unternehmen auf, gegen den Lohnunterschied aktiv zu werden. Auch wenn zum Beispiel schon jetzt Gründerinnen gefördert würden, bleibe "ein weiter Weg". Die Frauen Union Saar sprach sich dafür aus, mehr Frauen in Parteien und Parlamente sowie Führungspositionen zu bringen, etwa durch stärkere Förderung. Die Saar-Grünen forderten ein Gesetz zur Lohngerechtigkeit – mit wirksamen Maßnahmen und auch Strafen bei Nichteinhaltung.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 18.03.2019 berichtet.

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