Das Ford-Werk in Saarlouis (Foto: Imago/Becker Bredel)

Entscheidung bei Ford steht bevor

Yvonne Schleinhege / Onlinefassung: Anne Staut   20.06.2022 | 21:42 Uhr

In dieser Woche soll sich entscheiden, wie es mit dem Ford Werk in Saarlouis weitergeht. Seit einigen Monaten läuft ein Bieterverfahren zwischen dem Werk im Saarland und dem Ford Standort im spanischen Valencia. Am Mittwoch ist in Saarlouis eine Betriebsversammlung angesetzt - bis dahin gibt es noch Gespräche mit der Landesregierung. 

Hat Ford Saarlouis eine Zukunft, oder nicht? Und wie sieht diese aus? Spätestens am Mittwoch oder Donnerstag soll es auf diese Frage endlich eine Antwort geben. Seit Monaten läuft das Duell zwischen dem Werk in Saarlouis und in Valencia, um den Bau eines neuen E-Auto-Modells.

Ende Januar hatten beide Standorte ein Zukunftskonzept vorgelegt. Bis Mitte 2025 wird in Saarlouis noch der Ford Focus gebaut. Wie es danach weitergeht, war bislang offen.

Saarlouis oder Valencia? Entscheidung bei Ford steht bevor
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi (c) SR, 20.06.2022, Länge: 03:46 Min.]
Saarlouis oder Valencia? Entscheidung bei Ford steht bevor

Verkündung am Mittwoch?

Für Mittwochmittag (12:15 Uhr) hat der Betriebsrat in Saarlouis zu einer Betriebsversammlung auf dem Werksgelände eingeladen.

Erwartet wird dabei ein Bericht der Geschäftsführung, der auch Klarheit darüber bringen soll, wie es in Saarlouis nach 2025 weitergeht. Nach SR-Informationen werden am Mittwochmorgen die Gremien bei Ford intern über die Planungen des Konzerns informiert.  

Landesregierung zuletzt optimistischer

Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) zeigte sich zuletzt optimistisch, dass sich Ford im internen Bieterverfahren für das Werk in Saarlouis entscheiden könnte. „Nach allem, was wir wissen, liegen wir mit dem Standort wirtschaftlich klar vorne.“

In einer fairen Entscheidung und in einem offenen Rennen zwischen zwei Standorten habe der Standort beste Voraussetzungen, am Ende hier die Nase vorne zu haben, so der Minister im SR-Interview am vergangenen Montag.

Gespräche zu Wochenbeginn 

In den vergangenen Tagen haben nach SR-Informationen noch zwei Gespräche mit hochrangigen Ford-Vertretern im Saarland stattgefunden – zwei weitere sollen noch zu Wochenbeginn folgen.

Das Saarland habe zusammen mit der Bundesregierung, aber auch der Bundesagentur für Arbeit und gemeinsam mit der Belegschaft ein Paket auf den Tisch gelegt, das rechtlich haltbar sei - das aber bis an die Grenzen des für das Land wirtschaftlich vertretbaren gehe, um den Standort auch für die Zukunft dauerhaft sichern zu können, so Wirtschaftsminister Barke.

Nach einem Bericht der Saarbrücker Zeitung ist die Landesregierung offenbar bereit das Ford-Werk in Saarlouis mit 500 Millionen Euro zu subventionieren. Um das Geld aufzubringen, müsste die Landesregierung allerdings auf die Rücklagen im Sondervermögen "Zukunftsinitiative" zurückgreifen, die vor allem für Investitionen etwa im Baubereich vorgesehen sind. Die Landesregierung wollte diese Summe gegenüber dem SR nicht bestätigen.

Zukunft auch ohne Ford?

„Wir sind auch gerüstet für den Fall, dass sich Ford anders entscheidet“, so Wirtschaftsminister Barke am vergangenen Dienstag. Wenn das Ford Werk in Saarlouis nicht den Zuschlag für den Bau eines neuen E-Auto-Modells bekommen sollte, wären aber tatsächlich einige andere Optionen durchaus denkbar. Möglich wäre etwa, dass Ford - eventuell auch mit anderen Partnern - andere Produkte am Standort entwickeln könnte.

Ford-Europa-Chef Rowley hatte Anfang Mai in einem Schreiben an die Belegschaft angekündigt, dass man aktiv nach zukünftigen Möglichkeiten für den Standort sucht, der nicht ausgewählt werde. Details blieben allerdings unklar. Auch das Werk an sich, sprich die Immobilie, aber auch die Mitarbeiter haben einen industriellen Wert. Dieser könnte auch für andere Industrie-Unternehmen interessant sein. 

Duell zwischen Saarlouis und Valencia

Losgelöst vom Ausgang: Auf die Entscheidung in dieser Woche haben die Beschäftigten in Saarlouis, und natürlich auch in Valencia, seit Monaten gewartet. Für sie war es ein zermürbendes Verfahren. Der Ford-Konzern hatte beide Standorte in einem sogenannten Bieterverfahren gegeneinander antreten lassen.

Ende Januar mussten Saarlouis und Valencia dem Management ihre Zukunftskonzepte vorlegen. Darin geht es wohl um Lohnzugeständnisse und Kosteneinsparungen, Effizienzsteigerungen, Investitionen aber auch um Subventionsmöglichkeiten der politischen Seite.

Details aus dem saarländischen Papier sind bisher allerdings nicht nach außen gedrungen. Das Werk im spanischen Valencia hat aktuell ca. 6000 Mitarbeiter. Egal welches der beiden Werke nun den Zuschlag für den Bau eines neuen E-Autos bekommt, Ford hat bereits deutlich gemacht, dass das entsprechende Werk nicht in seiner derzeitigen Größe weiter bestehen wird.

Schwierige Monate und Jahre 

Das Ford-Werk in Saarlouis hat aktuell rund 4600 Beschäftigte, hinzu kommen die rund 1500 Beschäftigten in den Zuliefererbetrieben. Ihre Jobs hängen am Ford-Werk. Neben der Ungewissheit über die Zukunft ihres Werkes und der fehlenden Modellzusage, liegen hinter Ford Saarlouis schwierige Monate und Jahre.

2019 wurde in Saarlouis die Nachtschicht und damit über 1600 Jobs gestrichen. Mit Beginn der Corona-Pandemie stand das Werk teils wochenlang wegen fehlender Halbleiter still - die Beschäftigten sind teils seit über zwei Jahren in Kurzarbeit. Einige hundert Jobs sind in dieser Zeit ebenfalls weggefallen.

Anfang Juni wurde bekannt, dass die Produktion in Saarlouis nochmal um 15 Prozent gesenkt werden soll. Der Betriebsrat geht davon aus, dass nach den Werksferien im Sommer in Saarlouis etwa 800 Mitarbeiter zu viel sein werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind allerdings derzeit ausgeschlossen, da es eine Standortvereinbarung bis 2025 gibt.

Doch wie es danach weitergeht, ist seit fast zwei Jahren offen. Am Mittwoch wird nun eine Entscheidung erwartet.

Hintergrund:

50 Jahre Ford im Saarland

Ford gehört zu den wichtigsten und größten Arbeitgebern im Saarland. Die Ansiedlungsentscheidung von Ford Ende der 60er Jahre war ein Meilenstein für die Saar-Wirtschaft. Mit dem beginnenden Ende des Steinkohlebergbaus begann mit der Ansiedlung von Ford auch der Wandel des Saarlandes hin zu einer Automobilregion.

Offiziell eingeweiht wurde das Ford-Werk am 11. Juni 1970 bei einem Festakt mit der Unterzeichnung der Gründungsurkunde durch Henry Ford II, dem Enkel des Firmengründers.

Am 16. Januar 1970 rollte im Ford-Werk Saarlouis das erste Auto vom Band – ein Ford-Escort. Zeitweise waren in Saarlouis über 6500 Mitarbeiter zuzüglich Leiharbeitnehmer beschäftigt. Bis heute sind in Saarlouis mehr als 15 Millionen Ford-Modelle vom Band gelaufen.

Wichtige Zäsur in der Geschichte des Werkes war die „Wachablösung“ des Ford Escort durch den Ford Focus im Juli 1998 – auch wegen einem Entgegenkommen des Landes. Damals hatte das Saarland in Abstimmung mit Ford einen 100.000 m² großen Zulieferer-Park gebaut und insgesamt 100 Millionen Euro investiert.

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