Windräder und Wohnhäuser mit Solaranlagen (Foto: picture alliance / Jochen Tack | Jochen Tack)

Wie viel Potenzial für Erneuerbare Energien steckt im Saarland?

  04.04.2022 | 20:59 Uhr

Durch den Ukraine-Krieg ist der Druck noch einmal gewachsen, Deutschland in Energiefragen unabhängiger zu machen. Der Schlüssel sind langfristig die Erneuerbaren Energien. Energieexperte Prof. Uwe Leprich sieht hier noch Potenzial im Saarland - wenn die Rahmenbedingungen passen.

Im Saarland sind im Jahr 2020 rund 20 Prozent des verbrauchten Stroms durch Erneuerbare Energien erzeugt worden. Diese Anteil soll in den kommenden Jahren deutlich steigen. Langfristig müsse sogar das Ziel sein, die Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu beziehen, sagte SPD-Fraktionschef Ulrich Commerçon am Montag mit Blick auf die derzeitige Diskussion über einen Lieferstopp von russischem Gas.

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100 Prozent erneuerbar wirklich realistisch?

Zwar gebe es durchaus Potenzialstudien, nach denen zumindest rechnerisch eine Stromerzeugung rein aus Erneuerbaren Energien möglich wäre - für realistisch umsetzbar hält der Saarbrücker Energieexperte, HTW-Professor Uwe Leprich, das allerdings nicht.

Man dürfe die Ansprüche nicht zu hoch schrauben. Derzeit sei etwa im Gespräch, 50 Prozent der im Saarland verbrauchten Energie auch hier zu erzeugen. "Das ist schon sehr, sehr anspruchsvoll", sagte Leprich am Montag im SR-Interview "Das würde letztlich mindestens eine Verdopplung der Windanlagen bedeuten und etwa eine Vervierfachung der Photovoltaik."

Viel Potenzial bei Photovoltaik-Ausbau

Gerade im Bereich der Photovoltaik sieht er aber noch großes Potenzial. "Wir haben eine Menge Freiflächen, Industriebrachen, auf denen man auf jeden Fall Anlagen installieren kann." Aber auch auf Feldern gebe es Möglichkeiten, insbesondere wenn die Anlagen so hoch gebaut würden, dass die darunterliegende Fläche zum Beispiel noch als Weideland genutzt werden kann.

Daneben müssten die Dächer bestückt werden - insbesondere auch auf öffentlichen Gebäuden und im Gewerbe.

Video [aktueller bericht, 04.04.2022, Länge: 2:30 Min.]
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Beim Windausbau sind Rahmenbedingungen entscheidend

Auch bei der Windenergie sieht Leprich noch Luft nach oben - relativ viel hänge hier aber an den Rahmenbedingungen, die der Bund vorgebe. Je nach Rahmenbedingungen sei eine Verdopplung oder sogar Verdreifachung der derzeitigen Kapazitäten möglich. "Aber irgendwann ist dann auch mal Schluss. Wir sind kein besonderes Windland hier im Saarland."

Leprich: Vorerst kein Verzicht auf russisches Gas möglich

Aber selbst wenn der Ausbau von Wind- und Solaranlagen jetzt schneller vorangetrieben wird, ist das Saarland aus Leprichs Sicht vorerst weiterhin auf russisches Erdgas angewiesen. Es mache rund 50 Prozent des deutschen Bedarfs aus, jede zweite Heizung sei eine Erdgas-Heizung. "Wir können nicht von heute auf morgen auf russisches Gas verzichten, ohne Teile der Industrie stillzulegen."

Man könne zwar versuchen, sukzessive Teile zu ersetzen. "Aber die Alternativen sind ja Flüssiggas aus Katar. Oder das schmutzige Fracking-Gas aus den USA." Es müsse zwar durchaus das Ziel sein, russisches Gas zu ersetzen - aber dafür müsse man sich auch Zeit nehmen. Sonst werde das zu großen Verwerfungen führen.

Über dieses Thema berichtete der aktuelle bericht am 04.04.2022 im SR Fernsehen.

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