Das Ministerium für Finanzen und Europa des Saarlandes durch eine Wärmebildkamera betrachtet (Foto: SR/Caroline Uhl)

Landesgebäude oft schlecht gedämmt

Niklas Resch / Caroline Uhl   08.04.2020 | 14:54 Uhr

Viele Landesgebäude im Saarland benötigen überdurchschnittlich viel Energie zum Heizen. Das hat die Auswertung von Daten zu rund 50 Gebäuden durch den Saarländischen Rundfunk ergeben. Experten sind sich einig: Das Saarland hat bei der Wärmedämmung erheblichen Nachholbedarf.

Die Raumwärme macht in Deutschland gut ein Drittel des gesamten Energiebedarfs aus. Wer hier Energie einspart, reduziert Emissionen – und spart obendrein Heizkosten. Hinzu kommt: Ein gut isoliertes Gebäude heizt sich auch in den bevorstehenden warmen Monaten nicht so schnell auf. Denn: Wer im Sommer die Klimaanlage anwerfen muss, der treibt den Stromverbrauch hoch – auch schlecht fürs Klima.

Video [aktueller bericht, 08.04.2020, Länge: 3:11 Min.]
Zustand der energetischen Sanierung der Landesimmobilien

Bei den saarländischen Landesgebäuden ist es mit der Dämmung und damit mit dem Heizenergie sparen aber oft nicht weit her. Die Wärmekennwerte sind laut einer Liste des saarländischen Bauministeriums bei den meisten Gebäuden zu hoch.

Deutlich über dem Soll-Wert

Landesgebäude oft schlecht gedämmt
Audio [SR 3, Caroline Uhl, 08.04.2020, Länge: 03:06 Min.]
Landesgebäude oft schlecht gedämmt

Besonders schlimm: das denkmalgeschützte Finanzamt in St. Ingbert. Laut einer Liste aus dem Bauministerium fallen in dem Gebäude fürs Heizen pro Jahr 174 Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter an. Der Bund gibt an, dass Verwaltungsgebäude wie Finanzämter maximal 85 Kilowattstunden verbrauchen sollten.

Doch nicht nur Ämter, auch die Dienstsitze vieler Landesminister brauchen überdurchschnittlich viel Heizenergie – allen voran das als sanierungsbedürftig bekannte Finanzministerium mit 152 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Der Referenzwert des Bundes für Ministerien liegt bei 70 Kilowattstunden. Auch der Dienstsitz des Ministerpräsidenten in der Staatskanzlei (144 Kilowattstunden pro Quadratmeter) und das Innen- und Sozialministerium (132) haben deutlich höhere Werte. Selbst das Umweltministerium (89) schafft den Referenzwert nicht.

Nur in Gebäuden, die nicht dem Land gehören, werden die Grenzwerte unterschritten:  Das Wirtschaftsministerium wurde über einen privaten Fonds finanziert und ist langfristig an das Ministerium vermietet, hier sind auch noch diverse landeseigene Gesellschaften als Untermieter untergebracht. Das Bildungsministerium hat, da der Pingusson-Bau seit Jahren vor sich hin bröckelt, ein Ausweichquartier in der Alten Post gefunden.

"Eine Schippe drauflegen"

„Ich finde, das Land steht relativ schlecht da mit seinen Gebäuden, ist damit aber keine Ausnahme“, bewertet Peter Heck, Professor für Umweltwirtschaft am Umweltcampus Birkenfeld, die Zahlen. Es sei zwar nicht einfach, Gebäude – manche auch noch unter Denkmalschutz – auf ein vernünftiges Energieniveau zu bringen. „Allerdings haben wir jetzt Klimanotstandsgemeinden, wir haben dramatische Probleme mit dem Klima und den CO2-Emissionen. Da müsste jetzt jedes Bundesland, auch das Saarland, eine Schippe drauflegen“, fordert er.

Das sei schwierig, denn Geld und Personal seien knapp, heißt es aus dem zuständigen Bauministerium. „Das Saarland ist ja ein Haushaltsnotlageland, das heißt, unsere finanziellen Möglichkeiten sind sehr beschränkt gewesen, in den letzten Jahrzehnten schon“, sagt Daniel Kempf, Abteilungsleiter für staatlichen Hochbau im Bauministerium. Das Land habe nicht all das investieren können, was für eine ideale energetische Sanierung notwendig gewesen wäre.

„Da greift natürlich die wirtschaftliche Betrachtung ein bisschen kurz“, entgegnet die stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Barbara Metz. „Wenn die Gebäudehüllen nicht entsprechend energetisch saniert werden, dann werden perspektivisch auch die Energiekosten, die dann natürlich zu tragen sind, steigen.“

Dem Klimaschutz verpflichtet

Und insgesamt sei auch eine Landesregierung den Klimaschutzzielen verpflichtet, die zum Beispiel die EU ihren Mitgliedsstaaten vorgibt. Wenn diese verfehlt werden, drohen Deutschland Strafzahlungen. Für Metz ist klar: Um die Klimaziele zu erreichen, müssen möglichst viele Gebäude saniert werden.

Für Privatbesitzer schafft die Politik seit Jahren mit Förderprogrammen massive Anreize zur energetischen Sanierung. Erst Ende Januar war die Förderung für energetische Gebäudesanierungen noch einmal aufgestockt worden. Daraus erwache auch eine Verpflichtung für die öffentliche Hand, findet Energieexperte Heck. „Da muss man als Land bei seinen eigenen Gebäuden vorangehen, besser sein als der Durchschnitt, um die Bürger zu motivieren, Unternehmen zu motivieren, in ihren Gebäuden auch was zu machen.“

Aber nicht nur im Saarland, auch auf Bundesebene gibt es offensichtlich noch großen Nachholbedarf. Das ergab eine Prüfung der DUH im vergangenen Jahr. Nur vier von zwölf geprüften Bundesministeriumsgebäuden erreichten bei der Wärmedämmung sehr gute Ergebnisse.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 08.04.2020 berichtet.

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