Mann trägt Einkaufstaschen in Shoppingmeile  (Foto: picture alliance/dpa)

Einzelhandel hat die Faxen dicke

Martin Honnigfort / Onlinefassung: Kai Forst   15.12.2018 | 08:56 Uhr

Weihnachtszeit ist Einkaufszeit: In den Fußgängerzonen drängen sich die Menschen. Doch viele sammeln hier lediglich Informationen, um die Ware dann von zu Hause aus im Internet zu bestellen. Einigen saarländischen Einzelhändlern reicht es jetzt.

Max Schoenberg, Saarbrücker Schuhhändler (Foto: SR)
Max Schoenberg, Saarbrücker Schuhhändler

Max Schoenberg hat die Nase voll. Der renommierte Saarbrücker Schuhhändler hat kein Verständnis dafür, dass Kunden immer häufiger in seinen Laden kommen, um Schuhmodelle und Preise auszuspionieren. Deshalb hat er Schilder mit der Aufschrift „Foto-Verbot“ aufgestellt. „Das gilt für unseren ganzen Laden. Wenn Sie sich bei uns bedienen lassen oder bei uns fotografieren, nur um dieses Produkt im Internet zu finden, dann ist das Beratungsklau. Außerdem ist das nicht die Anerkennung, die wir uns als Händler wünschen”, sagt Schoenberg.

"Das ist Erpressung"
Axel Ulmcke (Foto: SR)
Elektro-Händler Axel Ulmcke

Auch der Elektro-Fachhandel, der spezielle Marken oder aufwendige Beratung anbietet, hat mit diesen Problemen zu kämpfen. Zum Beispiel Elektro Ulmcke in Homburg: „Nachdem man geklärt hat, was für den Kunden das Richtige ist, und was seinen Wünschen entspricht, geht der gute Mann oder die Frau vor die Tür und kommt mit dem Handy in der Hand mit einer Seite wieder rein und sagt: `Ja, ich würde es kaufen, aber nur zu dem Kurs. Und das ist eigentlich Erpressung“, findet Firmenchef Axel Ulmcke.  Er glaubt, dass solche Kunden mit ihrem Verhalten nicht nur den Händler schädigen, sondern auch negative Entwicklungen in der Infrastruktur der Städte verursachen. „Wenn hier kein Umdenken stattfindet, wird es langfristig dazu führen, dass die Innenstädte veröden. Das heißt, es wird Leerstände geben, die ersetzt werden durch irgendwelche Ein-Euro-Läden.“

Statt Katalog jetzt Internet

Anprobieren im Laden – kaufen im Internet. Ein Käuferverhalten, das inzwischen für immer mehr Händler existenzbedrohend wird. In der Öffentlichkeit aber wird über das Problem nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen - aus Sorge, dass noch mehr Kunden zu Onlineanbietern wechseln könnten.

WimS: Einzelhandel geht gegen Online-Shopper vor (13.12.2018)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 13.12.2018, Länge: 04:49 Min.]
WimS: Einzelhandel geht gegen Online-Shopper vor (13.12.2018)

Im Lederfachgeschäft Spahn in Saarbrücken sieht man das alles nicht so dramatisch. Inhaber Michael Genth ist auch Sprecher der Saarbrücker Kaufmannschaft und er sieht bei der Internetkonkurrenz bislang noch relativ „überschaubare“ Absatzzahlen. „Es ist so, dass wir heute einen Marktanteil haben insgesamt vom Handelsumsatz, der liegt bei 13 Prozent. Das heißt 87 Prozent der Menschen oder 87 Prozent der Ausgaben finden immer noch ganz normal in den Geschäften statt. Und wenn man das einsortiert, ist das durchaus langfristig gesehen noch kein hoher Wert. Es handelt sich ja um Versandhandel. Nur mit Hilfe eines anderen Mediums, statt Katalog haben wir jetzt ein Internet“, sagt Genth.

Künftig Beratungsgebühr?

Und trotzdem: Viele Kollegen berichten, dass sie die Internetkonkurrenz bereits deutlich spüren. Wie etwa Foto-Fachhändler Andreas Gressung in Saarbrücken. Er will sich jetzt ein Beispiel an den Holländern nehmen. Dort verlangen einige Ladenhändler für eine aufwendige Kundenberatung bereits eine „Beratungsgebühr“, die beim Kauf zurückerstattet wird. „Ein Modell, über das wir auch bei uns nachdenken müssten – und zwar branchenübergreifend. Das heißt generell: Der Handel müsste noch näher zusammenzurücken und dann irgendwelche Aktionen und Dinge möglich machen“, sagt Gressung. Kompetente Beratung – die bekomme der Kunde nämlich nur im Geschäft. Das ist die Botschaft und die müsse der Einzelhandel deutlich machen, wenn er dem Internethandel Paroli bieten will. Davon ist man hier im Laden überzeugt.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Wir im Saarland - Das Magazin" am 13.12.2018 um 18.50 berichtet.

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