Eine Frau läuft mit Einkaufstüten über einen Platz. (Foto: dpa/Tim Brakemeier)

Einzelhandel weiter im freien Fall

Kai Forst   12.05.2020 | 16:20 Uhr

Auch nach der schrittweisen Wiedereröffnung der Geschäfte in der Corona-Krise leidet der saarländische Einzelhandel weiter massiv unter Umsatzeinbrüchen. Man verzeichne derzeit noch immer Verluste von bis zu 50 Prozent, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Saar, Fabian Schulz, dem SR.

Derzeit komme bei den Menschen durch die Corona-Krise keine Kauflaune auf, so Schulz. Doch gerade beim Einkaufen und Bummeln sei die Stimmung ein wesentlicher Faktor, um den Handel anzukurbeln. Auch die derzeit noch geltenden Grenzkontrollen täten ihr Übriges, weil dadurch der Einkaufstourismus wegfalle. "Das Fehlen der französischen und luxemburgischen Kunden macht sich ganz stark bemerkbar", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Saar.

Auswirkungen auf den Einzelhandel in der Grenzregion
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 13.05.2020, Länge: 02:31 Min.]
Auswirkungen auf den Einzelhandel in der Grenzregion

"Zur Normalität zurückfinden"

Einzelhandelsverband: "Es fehlen Kauflaune und die Kunden aus Frankreich und Luxemburg"
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 12.05.2020, Länge: 03:31 Min.]
Einzelhandelsverband: "Es fehlen Kauflaune und die Kunden aus Frankreich und Luxemburg"

"Wir müssen nun schnell wieder zur Normalität zurückfinden, natürlich mit Einhaltung entsprechender Hygienvorschriften", forderte Schulz. Bislang habe die Corona-Krise nicht nur zu dramatischen Umsatzeinbrüchen, sondern auch schon zu zahlreichen Geschäftsaufgaben geführt. "Wir reden hier natürlich von Geschäften, die schon vor der Krise in Schieflage waren. Aber auch von Betrieben, die aufgrund der aktuellen Situation ihren Ruhestand einfach ein paar Jahre vorziehen."

Schulz fordert Rettungsfonds

Um den Handelsunternehmen in dieser schwierigen Phase zu helfen, forderte Schulz einen staatlichen Rettungsfonds. Zudem müsse die Attraktivität für künftige Neugründungen deutlich erhöht werden. "Die Bürokratie muss ganz eindeutig abgebaut werden. Außerdem sollte man über Steuererleichterungen nachdenken, um Anreize zu schaffen", sagte Schulz.

Rehlinger will Begrenzung der Kundenzahl lockern

Aus Sicht von Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) hängt der Umsatzeinbruch auch mit den Grenzkontrollen zusammen. "Mit dem Ende der Ausgangsbeschränkungen in Frankreich sollte es eigentlich auch wieder möglich sein unter Auflagen und ohne lange Staus bei uns einzukaufen", sagte Rehlinger. Sie sprach sich zudem dafür aus, die Begrenzung der maximal zulässigen Kundenzahl pro Quadratmeter zu lockern wie es in Niedersachsen, NRW und Rheinland-Pfalz bereits der Fall sei.

Frühjahrskonjunktur
Fast die Hälfte der Handwerksbetriebe mit Umsatzminus
Auch die saarländischen Handwerksunternehmen spüren die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Das ist das Ergebnis der Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer unter 1400 saarländischen Betrieben.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 12.05.2020 berichtet.

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