Corona-Warn-App (Foto: picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Gute Noten für die Corona-Warn-App

mit Informationen von Markus Person und Florian Possinger   16.06.2020 | 19:05 Uhr

Bereits wenige Stunden nach der offiziellen Vorstellung ist die Corona-Warn-App der Bundesregierung alleine aus dem Google-Store mehr als eine Million Mal heruntergeladen worden. Bei Datenschützern und IT-Sicherheitsexperten kommt sie gut weg. Der Homburger Virologe Rissland hofft darauf, dass viele die App installieren.

Die offizielle deutsche Corona-Warn-App kommt schlicht daher. Nach der Installation zeigt sie an, ob die Risiko-Ermittlung aktiviert ist. Außerdem wird darum gebeten, Werbung bei Freunden zur Nutzung der App zu machen.

Viele müssen mitmachen

Corona-Warn-App ist da
Audio [SR 3, Markus Person, 16.06.2020, Länge: 02:51 Min.]
Corona-Warn-App ist da

Dass möglichst viele Menschen die App benutzen, hofft auch der Virologe Jürgen Rissland vom Uniklinikum Homburg. Auf diese Art könne man schneller an Kontakte kommen, Ausbrüche erkennen und diese eindämmen. "Das ist der entscheidende Punkt, was den Sinn der App ausmacht", so Rissland.

Auch die saarländische Regierungsspitze ruft zur Nutzung auf. Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) nannte die App im SR eine "super Methode" - gerade jetzt, da sich wieder mehr Menschen persönlich treffen. Das Corona-Virus sei immer noch da und dürfe nicht unkontrolliert verbreitet werden. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) ergänzte, je mehr mitmachten, desto sicherer und schneller könnten Infektionsketten nachverfolgt werden.

Aber selbst wenn viele Menschen die App installieren, bleibt sie für Virologe Rissland letztlich nur ein Instrument, das die Kontaktermittlung erleichtere. "Sie setzt nicht die anderen Vorgaben außer Kraft", so Rissland. Man sollte weiterhin seine persönlichen Kontakte reduzieren und Abstand halten. 

"Datensparsam und datenschutzfreundlich"

Viel diskutiert wurde im Vorfeld über die Sicherheit der sensiblen Daten. Auch über 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IT-Sicherheitszentrums CISPA standen den Entwicklern beratend zur Seite. Sie sind zufrieden mit dem Ergebnis.

"Die App ist solide, die App ist sicher, die App ist datensparsam und datenschutzfreundlich, all das was wir uns gewünscht haben", sagte Ninja Marnau vom CISPA. Ihr Kollege Nils-Ole Tippenhauer ergänzt, dass die Kontaktdaten nicht zentral auf einen Server geladen würden, sondern Kontakte über eine Identifikationsnummer lokal berechnet würden.

Heißt: Durch die App und die aktivierte Funkverbindung Bluetooth tauschen die Smartphones untereinander eine Nummer aus, wenn sie sich nah beieinander befinden. Wird eine Person positiv auf Corona getestet und teilt dies über die App mit - werden automatisch alle Personen mit der App benachrichtigt, deren Smartphone den Schlüssel des Infizierten gespeichert hat. Wer infiziert ist, bleibt dabei anonym.

Keine Bewegungsprofile gespeichert

Auch dass die App Bluetooth statt wie andere Corona-Apps GPS-Tracking verwendet, hat einen Vorteil. Denn bei der GPS-Nutzung müsste die App "ein Bewegungsprofil von mir hochladen zu dem Server, was genau angibt, zu welchem Zeitpunkt ich an welchem Standort war und dieses Bewegungsprofil müsste dann abgeglichen werden mit dem Bewegungsprofil der anderen Nutzer", erklärt Tippenhauer. Und das wäre ein erheblicher Eingriff in die Privatsphäre.

Auch die saarländische Datenschutzbeauftragte Monika Grethel hat keine Bedenken gegen die Corona-Warn-App. Viele Anregungen der Datenschützer seien berücksichtigt worden und die jetzige Version mache einen vernünftigen Eindruck, sagte sie dem SR. Allerdings hätte sie sich gewünscht, dass die Freiwilligkeit der Verwendung in einem Gesetz festgeschrieben worden wäre.

Über dieses Thema wurde in der Region am Nachmittag am 16.06.2020 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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