Ein mobiler Luftfilter steht im Klassenraum (Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert)

Kommunen diskutieren Einsatz von Luftfiltern in Energiekrise

Thomas Braun   05.10.2022 | 10:08 Uhr

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, sind während der Pandemie mehr als 4000 Luftreiniger für saarländische Schulen angeschafft worden. In der Energiekrise steht ihr Einsatz aber in Frage. Wie gehen die Kommunen damit um?

Regelmäßig lüften war in den vergangenen beiden Jahren das Gebot der Stunde. Zudem haben viele Städte und Gemeinden mit Unterstützung des Landes mehr als 4000 Luftreinigungsgeräte für Schulen und Kitas angeschafft.

Doch deren weiterer Einsatz steht vor dem Hintergrund der Energiekrise in Frage. Das Umweltbundesamt (UBA) etwa hat kürzlich dazu aufgerufen, die Nutzung mobiler Luftfilter in Schulen auf das Nötigste zu beschränken.

Einsatz aufs Nötigste begrenzen

"Im Zuge der Energieeinspardiskussion ist zu beachten, dass mobile Luftreiniger beim Betreiben nicht unerhebliche Mengen an Strom verbrauchen und auch von daher der Einsatz auf hygienisch notwendige Situationen begrenzt bleiben sollte", sagte Heinz-Jörn Moriske, Direktor im Umweltbundesamt, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Eine mögliche Senkung der Raumtemperatur auf 19 Grad zu Energiesparzwecken dürfe nicht dazu führen, dass das für die Dauer der Corona-Pandemie vom Amt empfohlene Lüftungsverhalten geändert oder gar minimiert werde, sagte der Experte für Lufthygiene in Innenräumen.

"Ein vermehrter Einsatz mobiler Luftreiniger anstelle des Lüftens bei geringerer Raumtemperatur bietet keinen Ersatz, da Luftreiniger keine Schadstoffe inklusive Kohlendioxid aus dem Innenraum abführen und nicht zum Lüftungserfolg beitragen." Das UBA rät dazu, alle zwanzig Minuten zu lüften.

Viele Kommunen für Weiterbetrieb von Luftfiltern

In vielen saarländischen Schulen werden die Luftfilter wohl dennoch weiter betrieben. Das Bildungsministerium verweist auf SR-Anfrage auf den aktuellen Musterhygieneplan.

Darin heißt es unter anderem, dass die Maßnahmen zur Energieeinsparung in Schulen, die derzeit von den Schulträgern entwickelt würden, "unter Auslotung von Energieeinsparpotentialen (...) bestmöglich mit den weiterhin erforderlichen infektionsschützenden Lüftungsstrategien in Einklang gebracht werden" müssten.

Mehrere Städte und Gemeinden planen, die Luftfilter weiter zu betreiben – in anderen ist noch nicht abschließend entschieden, wie eine SR-Umfrage bei den größeren Städten im Saarland zeigt.

Zahlreiche Klassenräume schon ausgestattet
Warum das Saarland nur wenig Bundesförderung für Luftfilter abgerufen hat
Bei den abgerufenen Fördermitteln des Bundes für mobile Luftfilter in Schulen und Kitas liegt das Saarland abgeschlagen auf dem letzten Platz. Für das Innenministerium kommt das nicht überraschend. Das Land habe bereits frühzeitig eigene Maßnahmen zur Pandemieeindämmung ergriffen.

Gesundheit der Lehrkräfte und Schüler oberste Priorität

In der Landeshauptstadt zum Beispiel betrachtet man die Luftreinigungsgeräte "weiterhin als ein sinnvolles Instrument, um den Infektionen in unseren Schulen entgegenzuwirken". Die Geräte würden mit halber Leistung betrieben, was bei einem achtstündigen Betrieb täglich einen Verbrauch von rund einer Kilowattstunde pro Gerät bedeute.

Auch in Dillingen, Merzig und St. Wendel sollen die Geräte während den Schulstunden weiter betrieben werden. Ebenso in St. Ingbert. Höchstes Schutzziel sei die Gesundheit aller Kinder und Lehrkräfte sowie die Eindämmung der Pandemie, teilte die Stadt mit.

Auch in Neunkirchen sind die Geräte weiter im Einsatz – wie lange das der Fall sein wird, ist aber noch unklar. "Dies hängt sowohl vom weiteren Verlauf der Pandemie als auch von verordneten Energiesparmaßnahmen ab", heißt es von der Stadtverwaltung.

Finale Entscheidung bei einigen Kommunen noch offen

In Saarlouis wird noch diskutiert, ob die Luftreiniger den Winter über eingesetzt werden. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Diskussion um Einsatz von Luftfiltern an Schulen
Audio [SR 3, Moderation: Simin Sadeghi, 05.10.2022, Länge: 03:40 Min.]
Diskussion um Einsatz von Luftfiltern an Schulen

Auch in Blieskastel will man sich noch nicht festlegen. "Aspekte der Energie-Einsparungen sind bei der Nutzung der Luftfiltergeräte sicherlich nicht außer Acht zu lassen, ein Entscheidung für oder gegen eine Nutzung im Herbst kann aber erst zu einem späteren Zeitpunkt und in Abwägung zwischen vorherrschendem Infektionsgeschehen und der Energieeffizienz im jeweiligen Gebäude erfolgen", teilte die Stadt mit.

GEW fordert Einsatz der Luftfiltergeräte

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Saarland fordert alle Träger von Schulen und Kitas auf, die Luftfiltergeräte in Betrieb zu halten. Der Gesundheitsschutz der Kolleginnen und Kollegen, Kindern und Jugendlichen dürfe nicht an den Kosten scheitern, sagte der Landesvorsitzende Max Hewer.

„Im Winter wird es ohnehin schwierig zu lüften und gleichzeitig nicht die Temperatur in den Räumen absinken zu lassen.“ Die Geräte jetzt insgesamt in Frage zu stellen, komme zur Unzeit, so Hewer.

Die Bildungsgewerkschaft sieht die Luftfiltergeräte auch als notwendige Maßnahme, um den hohen Krankenständen und damit der Verschärfung des Personalmangels entgegenzuwirken.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 05.10.2022 berichtet.

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