Eine Mitarbeiterin testet Laborproben. (Foto: Marijan Murat/dpa)

Wie valide sind die Corona-Zahlen im Saarland?

Thomas Braun   02.04.2020 | 12:05 Uhr

Die Zahl der bestätigten Coronafälle ist im Saarland in den vergangenen beiden Tagen sprunghaft angestiegen - die Ursache noch unklar. Die SPD-Fraktion im Landtag mahnt eine verlässliche Datenbasis als Grundlage für politische Entscheidungen an.

112 neue Corona-Fälle am Mittwoch, einen Tag zuvor sogar 161: Das waren die bislang höchsten Anstiege an bestätigten Neu-Infektionen mit dem Coronavirus im Saarland. Unklar ist aber, ob sich die Verbreitung des Virus tatsächlich beschleunigt hat - oder ob nur der Rückstand bei den Auswertungen der Tests aufgeholt wurde.

Wieder zeitnahe Testergebnisse

Dauerte es vergangene Woche nach Angaben des saarländischen Hausärzteverbandes noch bis zu zehn Tage, bis ein Testergebnis vorlag, melden die Labore aktuell wieder Entspannung, sagte der Vorstandvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland, Gunter Hauptmann, am Mittwoch im SR Fernsehen. Die meisten Proben sollen nun wieder binnen ein oder zwei Tagen ausgewertet werden können.

Kein Trend bei täglichen Fallzahlen ablesbar

Generell zeigen sich bei der Entwicklung der Fallzahlen im Saarland starke Schwankungen. Mal liegt der Anstieg im Vergleich zum Vortag bei 50 Fällen, mal bei 30, mal bei 70 - oder wie zuletzt bei über 100 bestätigten Neu-Infektionen. Ein Trend ist noch nicht ersichtlich.

Für den gesundheitspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Magnus Jung, ist das ein Problem. "Valide Daten sind die Voraussetzung für vernünftige Entscheidungen der Politik in der Krise", sagte Jung. "Leider müssen wir feststellen, dass wir auch im Saarland weit davon entfernt sind, solche Daten zu haben." Zum grundsätzlichen Problem der Dunkelziffer kämen im Saarland "vermeidbare Verzögerungen bei der Auswertung der Tests" hinzu. "Da müssen wir schnell besser werden."

Auf jeden Fall sollte in der Statistik einem Fall auch der Tag der Untersuchung zugeordnet werden. "Nur so können wir beurteilen, ob die im Saarland ergriffenen Maßnahmen wirklich wirken", so Jung. Außerdem regte er an, ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen eine repräsentative Stichprobe in der Bevölkerung zu nehmen, um die tatsächliche Verbreitung des Virus besser abschätzen zu können.

Fallzahlen bislang deutlich unter früheren Annahmen

Auch wenn die Zahlen derzeit im Saarland noch stark schwanken - der Anstieg ist bislang nicht so stark ausgefallen, wie zunächst befürchtet. Noch vor zwölf Tagen waren die Behörden im Saarland von mehreren Tausend Infizierten ausgegangen. Aktuell sind 1073 Fälle bestätigt - also deutlich weniger. 141 Corona-Infizierte müssen aktuell im Krankenhaus behandelt werden. 15 mit dem Coronavirus infizierte Personen sind seit Beginn der Pandemie im Saarland verstorben.

Vor vier Wochen war der erste Coronafall im Saarland bekannt geworden. Zunächst wurden nur die Infektionsketten nachverfolgt und mögliche Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt. Eine Woche später folgte dann der erste einschneidende Schritt mit dem Verbot von Großveranstaltungen, kurz darauf die allgemeine Schulschließung. Knapp eine Woche später verkündete die Landesregierung eine strenge Ausgangsbeschränkung, die nun noch mindestens bis zum Ende der Osterferien gelten soll.

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