Symbolbild: Karstadt übernimmt Kaufhaus (Foto: Harald Tittel/dpa)

Gemeinsamer Tarifvertrag bei Karstadt Kaufhof

Karin Mayer   20.12.2019 | 16:07 Uhr

Für die Beschäftigten von Galeria Karstadt Kaufhof gilt künftig ein einheitlicher Tarifvertrag. Darauf haben sich das Unternehmen und die Gewerkschaft Verdi nach Angaben der Konzernleitung geeinigt.

Sanierungstarifvertrag bei Karstadt Kaufhof
Audio [SR 3, Karin Mayer, 20.12.2019, Länge: 00:43 Min.]
Sanierungstarifvertrag bei Karstadt Kaufhof

Es ist der Befreiungsschlag für die Kaufhof-Beschäftigten: sie müssen doch nicht für weniger Geld arbeiten. Stattdessen steigen die Einkommen der Karstadt-Mitarbeiter, für die seit vielen Jahren ein Sanierungstarifvertrag gilt. Allerding müssen die Kaufhof-Beschäftigten auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten.

Erfolgreicher Streik

Der Betriebsratsvorsitzende von Kaufhof in Neunkirchen, Bernd Schweig, zeigte sich erleichtert über die Lösung. Der Streik der Kaufhof-Beschäftigten in der vergangenen Woche habe am Verhandlungstisch geholfen.

Alex Sauer von Verdi Rheinland-Pfalz/Saarland sagte dem SR, der Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld sei dennoch bitter für die rund 250 Kaufhof-Beschäftigten im Saarland. Zumindest sei es gelungen, Einschnitte beim monatlichen Einkommen zu verhindern.

Der Tarifvertrag für Kaufhof und Karstadt Warenhaus gilt für fünf Jahre (Ende der Laufzeit: 31. Dezember 2024) und sieht laut Verdi im Detail vor:

  • Eine Standortsicherung für alle Filialen einschließlich der Doppel- und Mehrfachstandorte bis Ende 2024

  • Eine Beschäftigungssicherung, das heißt den Ausschluss betriebsbedingter Beendigungskündigungen, bis Ende 2024

  • Eine Investitionszusage von insgesamt mindestens 700 Millionen Euro bis September 2020

  • Keine Entnahme von Lizenzgebühren oder Gewinnen aus den Unternehmen bis Ende 2024

  • Leitende Angestellte leisten einen Beitrag zur Sanierung in Höhe von durchschnittlich rund 11 Prozent des Einkommens

  • Für die Jahre 2020 bis 2024 verzichten die Beschäftigten auf die tariflichen Sonderzahlungen ("Urlaubs- und Weihnachtsgeld")

  • Ab dem 1. Januar 2020 werden die Entgelte der Beschäftigten von Kaufhof und Karstadt Warenhaus auf 97 Prozent des Flächentarifniveaus angehoben. Das bedeutet: Für Kaufhofbeschäftigte, die derzeit drei Prozent unter dem Flächentarifniveau entlohnt werden, gibt es keine monatlichen Entgeltkürzungen. Beschäftigte von Karstadt Warenhaus erhalten im neuen Jahr eine Entgeltsteigerung von rund 12,65 Prozent

  • Eine verbindliche und vollständige Rückkehr in die Flächentarifverträge des Einzelhandels ab dem 1. Januar 2025

  • In den Jahren 2021 bis 2024 werden die in der Fläche jeweils ausgehandelten Entgeltsteigerungen verbindlich und vollständig ohne zeitliche Verzögerung ausbezahlt. Die Tarifsteigerung für das Jahr 2020 von 1,8 Prozent wird zeitverzögert weitergegeben

  • Zusätzlich werden ab 2021 weitere Tarifsteigerungen sowie Anhebungen der Sonderzahlungen nach wirtschaftlicher Lage von einer paritätisch besetzten Kommission aus Arbeitgebern und Gewerkschaften vereinbart.

  • Alle Auszubildenden erhalten bereits ab dem nächsten Jahr 100 Prozent des Flächentarifniveaus.

  • Beschäftigte und gewerkschaftliche Interessenvertreter werden umfangreich an der strategischen Unternehmensentwicklung beteiligt, etwa bei Fragen der Sortimentspolitik, Modernisierung von Filialen oder dem Umbau zum Omni-Channel-Händler

  • Die Fremdvergabe von Flächen ("Concession") unterliegt der Mitbestimmung.

  • Der Arbeitgeber verpflichtet sich zu einer Mindestbesetzung in den Filialen, Details dazu werden mit dem GBR geregelt.

  • Der Arbeitgeber hat sich verbindlich zum Abschluss eines Tarifvertrags "Gute und gesunde Arbeit" verpflichtet. Die Verhandlungen beginnen in 2020

  • Verdi-Mitglieder erhalten eine Vorteilsregelung in Form eines jährlichen Einkaufsgutscheins in Höhe von jeweils 270 Euro

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 20.12.2019 berichtet.

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