Ein Spielzeugauto in den Räumen einer Kita. Im Hintergrund ein Kind mit Erzieherin. (Foto: picture alliance/Frisco Gentsch/dpa Bildfunk)

Weiterhin viele Fragen zum Kita-Start

Carolin Dylla   04.06.2020 | 18:14 Uhr

Am Montag startet in den saarländischen Kitas der eingeschränkte Regelbetrieb. Grundsätzlich heißt das: Eltern erhalten ihren Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zurück. Ob aber jedes Kind schon am Montag wieder in die Kita kann, ist fraglich. Am Donnerstag hat der Bildungsausschuss des Landtags das Thema noch einmal diskutiert.

Für die meisten Kinder wird damit ab Montag der Kita-Besuch wieder möglich sein, betont das saarländische Bildungsministerium. „Dabei wird es wegen des Infektionsschutzes zunächst weiter Einschränkungen im Betrieb geben“, sagte Bildungs-Staatssekretär Jan Benedyczuk nach der Ausschuss-Sitzung. Dazu haben das Sozial- und das Bildungsministerium für die Kitas eine sogenannte „Rahmenbetriebserlaubnis“ erarbeitet. Die werde gerade final zwischen Sozialministerium, dem Bildungsministerium, dem Landesjugendamt und den Trägern abgestimmt.

Alleinerziehende erwartet Infos zur Kita-Öffnung
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 05.06.2020, Länge: 03:08 Min.]
Alleinerziehende erwartet Infos zur Kita-Öffnung

Bekommen die Kitas mehr Personal?

Wie ist der Stand beim Kita-Start?
Audio [SR 3, Carolin Dylla, 05.06.2020, Länge: 03:27 Min.]
Wie ist der Stand beim Kita-Start?

Alles ganz schön kompliziert, so das recht nüchterne Fazit des Ausschuss-Vorsitzenden Frank Wagner (CDU) nach der Sitzung. Aus seiner Sicht ist momentan die zentrale Frage, wie die Kitas jetzt an mehr Personal kommen, um auch unter strengen Hygienevorschriften wieder möglichst viele Kinder betreuen zu können. „Für die Übergangszeit der Pandemie brauchen wir befristet zusätzliches Personal“, sagte Wagner dem SR. Dafür müssten die Träger Personalkostenzuschüsse aus dem Landeshaushalt erhalten. Konkrete Angaben dazu habe es im Ausschuss heute aber noch nicht gegeben.

Sowohl Wagner als auch die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Barbara Spaniol, finden es problematisch, dass die Landesregierung keine Übersicht habe, wie viele Mitarbeiter in den Kitas aktuell ausfallen, weil sie zu den durch das Coronavirus besonders gefährdeten Gruppen zählen.

Allerdings: Das Land ist nicht Arbeitgeber, diese Zahlen erheben die Träger. Wagner und Spaniol pochen hier auf eine engere Zusammenarbeit und mehr Austausch. Spaniol fordert zudem ein Corona-Testkonzept für die Beschäftigten in den Kitas – ähnlich wie in den Senioren- und Pflegeheimen. Und: Auch wenn am Montag der eingeschränkte Regelbetrieb wieder starten soll, gebe es bisher keine klaren, einheitlichen Kriterien, nach denen die Kita-Plätze in dieser Phase vergeben werden sollen, bemängeln die beiden Abgeordneten.

Trotz dieser Kritik sei es richtig, jetzt mit dem eingeschränkten Regelbetrieb zu starten, findet die SPD-Abgeordnete Martina Holzner: "Dieser Schritt fordert allen Beteiligten große Anstrengungen ab. Aber dazu gibt es keine Alternative, die wir unseren Kindern und den Familien gegenüber verantworten könnten."

Strikte Gruppentrennung stellt Kitas vor Probleme

Vor allem ein Punkt aus dem 16-seitigen Hygiene-Leitfaden für den eingeschränkten Regelbetrieb, den das Sozialministerium erarbeitet hat, stellt Kita-Träger und Einrichtungen vor extreme Herausforderungen: Die Gruppen dürfen für den eingeschränkten Regelbetrieb zwar einmalig neu zusammengesetzt, danach aber nicht mehr gemischt werden. Außerdem sollen diese Gruppen feste Betreuungspersonen haben, die ausschließlich für ihre Gruppe zuständig sind. Das aber stellt die Kitas vor Probleme, denn wenn Erzieherinnen und Erzieher keine Kinder aus unterschiedlichen Gruppen betreuen dürfen – dann ist das für viele Einrichtungen personell nicht zu machen.

Einige Kitas können dieses Problem auffangen. In Schwalbach zum Beispiel können ab Montag alle Kinder wieder in die drei kommunalen Kitas kommen, sagte Bürgermeister Hans-Joachim Neumeyer (CDU) dem SR. Das klappt aber nur, weil die Öffnungszeiten leicht verkürzt wurden.

Individuelle Konzepte müssen her

Eins ist klar: Jede Kita wird selbst schauen müssen, wie sie die Vorgaben umsetzt – mit dem Personal und den räumlichen Ressourcen, die sie eben hat. „Klar ist, dass wir die Umsetzung gemäß den örtlichen Bedingungen individuell und kritisch prüfen müssen“, schreibt die Katholische Kita gGmbH, der größte Träger im Land.

Das werden bis Montag wohl aber nicht alle Kitas schaffen. Auch wenn der Rechtsanspruch auf Betreuung ab Montag prinzipiell wieder greift, müssen sich viele Eltern wohl weiter auf Einschränkungen einstellen.

Grüne beklagen „Kommunikations-Desaster“

Dabei bräuchten die Eltern endlich Planungssicherheit für die kommende Woche, um Familie und Beruf vereinbaren zu können, mahnt Grünen-Landeschef Markus Tressel. Der Start in den eingeschränkten Kita-Regelbetrieb gerate hingegen zum „Kommunikations-Desaster“: „Offenbar haben es Bildungsministerin Streichert-Clivot und Familienministerin Bachmann versäumt, möglichst exakte Kriterien für die Normalisierung des Kita-Betriebs zu erarbeiten." Eine klare Strategie für einen Normalbetrieb der Kindertagesstätten sei jetzt notwendig.

Die FDP forderte erneut eine vollständige Kita-Öffnung, wo es die Personallage zulässt. Dazu müsse die Landesregierung ein eigenes Hygienekonzept für Kinderbetreuungseinrichtungen sowie ein umfassendes Testkonzept für Erzieher aufsetzen.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja