Firmenschild des Unternehmens Cablex in Nohfelden (Foto: SR)

Gekündigte Mitarbeiter ziehen vor Gericht

Kai Forst   19.09.2018 | 14:49 Uhr

Ein Großteil der rund 100 Mitarbeiter der früheren Firma Eifler hat rechtliche Schritte gegen ihre Kündigungen eingeleitet. Das bestätigten die Anwälte der Beschäftigten dem SR. Demnach zweifle man nach der Übernahme durch den slowenischen Konzern Cablex an der Rechtswirksamkeit der Kündigungen. Insbesondere werfen Ungereimtheiten auf verschiedenen Firmenschreiben Fragen auf.

Nicht nur die Mitarbeiter des Kabelherstellers aus Nohfelden-Eckelhausen sind skeptisch. Auch die Anwälte der Beschäftigten blicken mit Zweifel auf die Kündigungsschreiben, die ihre Mandanten Ende August erhalten haben. Denn dort ist von dem neuen Firmeninhaber, der slowenischen Cablex-Gruppe, nichts zu lesen. Vielmehr erscheint der frühere Unternehmens-Chef und Firmengründer Dieter Eifler als Verantwortlicher auf der am 28. August ausgestellten Kündigung, die dem SR vorliegt.

"Eifler wird sich entwickeln"

Allerdings war zu diesem Zeitpunkt bereits längst eine Übernahme der Dieter Eifler GmbH & Co. KG erfolgt. In einem Schreiben vom 12. April, das dem SR ebenfalls vorliegt, erklärte Cablex-Boss Boris Debelak , „das wettbewerbsfähige Unternehmen Dieter Eifler aus Deutschland zu übernehmen.“ Zudem teilte er der Belegschaft mit, mit der Produktion von Kabelbäumen künftig stärker in die Automobilindustrie einzusteigen. „Die Firma Eifler wird unter dem Dach der Cablex-Gruppe noch weiter funktionieren und sich entwickeln“, heißt es weiter. In der Folge wurden Firmenschilder und Logos am Standort vollständig ausgetauscht. Auch auf den Verdienstnachweisen erschien von nun an Cablex. Auf den Kontoauszügen bei Lohnüberweisungen wiederum fand sich nur die Eifler GmbH.

Kündigungsschutzverfahren am Arbeitsgericht

Die Anwälte der Mitarbeiter zweifeln nun aufgrund dieser Ungereimtheiten die Rechtmäßigkeit der Kündigungen an. „Es stellt sich die Frage, ob es einen Betriebsübergang gab. Wenn ja: War die Dieter Eifler GmbH und Co. KG überhaupt berechtigt zu kündigen?“, so Patrick Hillen, einer der Anwälte. Zudem sei es das Ziel, dass die Fortzahlung der Löhne auch tatsächlich bis zum Ende der Kündigungsfrist zugesichert werde. Das hatte Cablex zwar jüngst zugesagt. Doch, so Hillen, seien Zweifel angebracht.

Die Klagefrist gegen die Kündigungen sei am Dienstag abgelaufen, schon bald soll es zu einem ersten Gütetermin beim Arbeitsgericht kommen. Allerdings gehe man nicht davon aus, dass es zu einer gütlichen Einigung kommen werde. Ein Rechtsstreit ist also wahrscheinlich.

Finanzsituation: Wer hat Recht?

Dann wird auch möglichweise die Frage geklärt, wie es bei der Übernahme im April tatsächlich um die finanzielle Situation des Unternehmens bestellt war. Kürzlich hatte Cablex-Finanzchef Mitja Florjanic noch erklärt, mit Eifler eine marode Firma übernommen zu haben. Deshalb sei eine Betriebsschließung nicht zu vermeiden. Diese Aussage steht allerdings im Widerspruch zu der Firmenmitteilung im April, in der man Eifler als wettbewerbsfähiges Unternehmen bezeichnete. Zudem bestritt der alte Firmenchef Dieter Eifler in einem Zeitungsbericht finanzielle Probleme. Es habe seit der Gründung keine Zahlungsunfähigkeit gegeben. Alle fälligen Zahlungen seien stets pünktlich erbracht worden.

Politik & Wirtschaft
Kabelhersteller aus Nohfelden macht dicht
Der Kabelhersteller Cablex DE schließt nach SR-Informationen noch in diesem Jahr seinen Standort in Nohfelden-Eckelhausen. Das 1964 gegründete Unternehmen, das in den vergangenen Jahrzehnten unter dem Namen Dieter Eifler GmbH und Co. KG firmierte, war erst im April durch die slowenische Cablex-Group übernommen worden.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 20.09.2018 berichtet.

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