Spatenstich bei Kettler (Foto: Karin Mayer/SR)

Kettler investiert 75 Millionen Euro in St. Ingbert

Karin Mayer   10.05.2021 | 17:05 Uhr

Immer mehr Menschen kaufen sich E-Bikes - auf den Boom reagiert auch das Unternehmen Kettler und erweitert die Produktion. In St. Ingbert entstehen ein neues Werk und neue Arbeitsplätze. Insgesamt sollen 75 Millionen Euro investiert werden.

Kettler baut auf dem Kleber Nord Areal eine Montagehalle und ein vollautomatisches Hochregallager. Bis Ende 2022 sollen die Produktionslinien dort stehen, kündigte Werksleiter Jürgen Löchel an.

Video [aktueller bericht, 10.05.2021, Länge: 3:11 Min.]
Neues Kettler-Werk in St. Ingbert

Dort sollen 350 Mitarbeiter arbeiten. Diese Mitarbeiterzahl soll 2023 erreicht werden. Die Bauarbeiten haben schon begonnen.

Das Werk in Rilchingen-Hanweiler bleibt erhalten. Insgesamt soll die Zahl der Beschäftigten auf 500 steigen.

2015 kurz vor der Schließung

Es ist ein besonderer Erfolg für das Kettler-Werk im Saarland und für die Beschäftigten. Vor sechs Jahren stand das Unternehmen noch auf der Kippe, der Radhersteller war insolvent. Damals habe man eher über Schließung als über Verkauf gesprochen, erinnert sich die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Anna Mohaupt. Viele hatten Zukunftsängste.

In letzter Minute hatte der Fachhandelsverband ZEG das Unternehmen übernommen. Der sicherte 70 Jobs zu und versprach mehr Produktion. Heute ist klar: ZEG hat mehr als Wort gehalten. Aktuell hat das Werk 170 Mitarbeiter, die überwiegend E-Bikes fertigen. Außer Kettler-Räder stellen sie auch die Marken Pegasus, Herkules, Flyer, Rotwild und Bulls her.

Fachkräfte gesucht

Kettler stellt ein und braucht Fachkräfte - Fahrradmechaniker und – mechatroniker sind aber schwer zu finden. Zum ersten Mal bildet das Unternehmen nun selbst aus.

In der Fahrradmontage arbeiten auch viele Angelernte. Sie kamen teilweise über Leiharbeitsfirmen ins Unternehmen. Zum Beispiel war die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Anna Mohaupt drei Jahre lang über Zeitarbeit im Kettler-Werk beschäftigt. Die Hälfte der Belegschaft kommt aus Frankreich.

Zwar betont Sascha Thönnes von Kettler, die meisten Mitarbeiter würden direkt im Unternehmen eingestellt. Das Unternehmen arbeitet aber auch mit zwei Verleihfimen zusammen, bestätigt, Werkleiter Jürgen Löchel: Erst nach zwölf bzw. neun Monaten Leiharbeit stellt das Unternehmen die Mitarbeiter selbst ein. Für den Werkleiter eine Art verlängerte Probezeit. Außerdem ist Kettler derzeit nicht tarifgebunden. Zwar lehnt das Unternehmen sich nach eigenen Angaben an den Metalltarif an. Die Löhne sind aber deutlich niedriger.

Hauptproblem Lieferkette

Rahmen und Gabeln kommen aus Asien. Das Hauptproblem im Moment ist die Teileversorgung aus Asien, so Löchel. Damit sei Kettler nicht allein. Alle Radhersteller leiden derzeit unter Engpässen und Lieferproblemen.

Dass das Kettlerwerk wachsen soll, steht laut Löchel seit Langem fest. Die Erweiterung am Standort war geplant, der Neubau sollte auf dem eigenen Grundstück entstehen. „Die Planung war fix und fertig. Das Bestandsgebäude sollte in zwei Schritten abgerissen werden. Dann wurden Bodenproben entnommen und es bestand der Verdacht, dass sich Altlasten in den Böden befinden.“

Danach hat die ZEG beschlossen, ein neues Grundstück zu suchen.


Mehr im Podcast: Das zählt. MenschWirtschaft.

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Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 10.05.2021 berichtet.


10.05.2021, 14.24 Uhr

Hinweis der Redaktion: Wir hatten zunächst eine Investitionssumme von 50 Millionen Euro berichtet. Beim Spatenstich vor Ort teilte Kettler mit, sogar 75 Millionen Euro zu investieren.

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