Campus-Center der Universität des Saarlandes (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Saar-Uni bedauert dubiose Online-Werbung

mit Informationen von Florian Possinger   17.02.2020 | 20:13 Uhr

Finanzieller Druck und mangelhafte Kontrollen sind laut Saar-Uni die Ursachen für das Auftauchen dubioser Werbung auf der offiziellen Webseite der Hochschule. Inzwischen habe man die Zusammenarbeit mit der zuständigen Agentur beendet. Die Staatskanzlei prüft, ob die Anzeigen unter anderem für Online-Casinos illegal waren.

Seit 2013 arbeitete die Saar-Uni mit einer externen Agentur zusammen, um Werbeflächen auf dem Campus und im Internet auf der Uni-Webseite besser zu vermarkten. Diese Agentur war auch für den Inhalt der beworbenen Seiten zuständig. Die Links führten unter anderem zu Webseiten für Online-Glückspiel, für Studienkredite oder sie warben für Spekulationen mit der Internetwährung Bitcoin.

Video [aktueller bericht, 17.02.2020, Länge: 3:07 Min.]
Saar-Uni wirbt für Online-Glücksspiel

Rund 120.000 Euro habe die Universität durch die Zusammenarbeit eingenommen. Mit dem Geld sei ausschließlich Werbung für die Hochschule gemacht worden, sagt Thilo Offergeld, Leiter des Präsidialbüros der Saar-Uni. "Es ist ja bekannt, dass die Universität in den letzten Jahren massiv unter Sparmaßnahmen gelitten hat. Wir haben einfach alle Möglichkeiten suchen müssen, um Finanzquellen zu erschließen. Dazu gehört auch Online-Marketing."

Kommentar: "Da hat sich die Uni ordentlich verzockt"
Audio [SR 2, Patrick Wiermer, 18.02.2020, Länge: 02:43 Min.]
Kommentar: "Da hat sich die Uni ordentlich verzockt"

In der Zusammenarbeit mit der Agentur seien Fehler passiert. "Aus heutiger Sicht müssen wir sagen, dass wir uns zu sehr darauf verlassen haben, dass unser externer Werbepartner uns seriöse und unseren Ansprüchen entsprechende Kunden vermittelt", sagt Offergeld. "Wir haben zwar geprüft, was dort an Angeboten reingekommen ist. Aber Personalwechsel und Lücken, die wir bedauern, haben dazu geführt, dass die Kontrolle nicht ausreichend gewährleistet war."

Keine externe Werbung bei HTW und HBK

Inzwischen hat die Universität die Zusammenarbeit mit der Agentur beendet. Angeblich geschah das nicht erst, nachdem das Spiegel-Jugendmagazin Bento auf die dubiose Werbung aufmerksam machte, sondern schon in den vergangenen Monaten. Die kritischen Werbeinhalte sollen bei der Neugestaltung der Uni-Website aufgefallen sein.

Die Saar-Uni und ihre zweifelhaften Geschäfte mit Online-Werbung
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 17.02.2020, Länge: 03:30 Min.]
Die Saar-Uni und ihre zweifelhaften Geschäfte mit Online-Werbung

Die Staatskanzlei, die für die saarländischen Hochschulen zuständig ist, hat sich am Montag über die Vorgänge aufklären lassen. Der zuständige Staatssekretär Henrik Eitel hält es für sehr bedenklich, dass für Glücksspiel geworben wurde. Nun müsse geprüft werden, ob es möglicherweise sogar illegale Werbung gewesen sei. "Es muss auch genau hingeschaut werden, welche Informationen eine öffentliche Stelle an Studierende weitergibt", sagte Eitel.

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft und die Hochschule der Bildenden Künste haben übrigens grundsätzlich von externer Werbung auf eigenen Webseiten Abstand genommen. Ein Beispiel, dem die Universität des Saarlandes in Zukunft wohl folgen wird.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja