Campus-Center der Universität des Saarlandes (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Saar-Uni kassierte für Glücksspiel-Werbung

  15.02.2020 | 18:02 Uhr

Die Universität des Saarlandes hat auf ihrer offiziellen Internetseite für Online-Casinos und andere dubiose Webseiten geworben und dafür hohe Geldsummen kassiert. Einen entsprechenden Medienbericht bestätigte die Universität dem SR. Die Staatskanzlei prüft die Vorgänge derzeit.

Saar-Uni durch Werbe-Inhalte finanziert
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 15.02.2020, Länge: 00:49 Min.]
Saar-Uni durch Werbe-Inhalte finanziert

In einem „Uni-Ratgeber“ auf ihrer Internetseite soll die Saar-Uni nach einem Bericht des „Spiegel“-Jugendmagazins „Bento“ unter anderem zu Glücksspielseiten, Sportwetten, Kredit-Angeboten und Bitcoin-Spekulationen gelockt haben. Insgesamt 118 Artikel eines externen Partners habe das Angebot umfasst – überwiegend suchmaschinenoptimierte Texte mit fragwürdigen Inhalten.

Lückenhafte Qualitätskontrolle

Nach der Recherche des Magazins nahm die Universität den Ratgeber komplett aus dem Netz. Eine Sprecherin sagte am Samstag dem SR, man bedauere die Glücksspiel-Werbung auf der Uni-Seite. Die Qualitätskontrolle bei der Zusammenarbeit mit einem externen Werbepartner sei lückenhaft gewesen.

Nach Angaben der Universität konnten die Werbeangebote nicht über die Navigation auf den für Studierende relevanten Seiten angeklickt werden, sondern waren nur über sehr spezifische Suchbegriffe auffindbar.

Einnahmen im fünfstelligen Bereich

Die Uni nutzt nach eigener Auskunft „in moderatem Umfang“ konventionelle und Online-Werbung, um zusätzliche Einnahmen zu generieren, etwa bei Veranstaltungen. Außerdem gebe es viele Anfragen von Unternehmen, die an Studenten und Absolventen interessiert seien.

Dafür arbeite man seit zehn Jahren exklusiv mit einer externen Agentur zusammen. Werbung für Parteien, religiöse, rassistische oder sexistische Inhalte, Tabak, harte Alkoholika und auch Glücksspiel sei ausgeschlossen. Die Einnahmen aus der Online-Werbung bewegten sich nach Uni-Angaben pro Jahr „im mittleren fünfstelligen Bereich“ und wurden für Personal und Projekte im Studienmarketing eingesetzt. Aufgrund der jetzt bekannt gewordenen Angebote habe man die Zusammenarbeit mit dem Werbepartner sofort beendet.

SPD und CDU fordern Aufklärung

Die SPD-Fraktion im Landtag fordert Aufklärung. "Der gesamte Vorgang erzeugt bei mir Kopfschütteln", sagte der Abgeordnete Jürgen Renner. "Werbung der Universität des Saarlandes für Zockerbuden im Netz widerspricht jeglichen Bemühungen der Landesregierung zur Prävention und Früherkennung von Spielsucht."

Im Wissenschaftsausschuss will Renner nun klären lassen, ob solche Werbepraktiken rechtlich überhaupt zulässig sind und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen. "Im Zweifelsfall braucht es hier eine Klarstellung im saarländischen Hochschulgesetz, um dies zu unterbinden", so Renner.

Jutta Schmitt-Lang (CDU) sagte, Jugendschutz müsse gerade auf einer solchen Seite oberste Priorität haben. „Im Bereich Glücksspiel sind Verlockung und Suchtpotential besonders groß, illegale Werbung dafür in vielen Bereichen ein großes Problem.“ Die Universität müsse hier schnell Klarheit schaffen.

Staatskanzlei will mögliche Rechtsverstöße prüfen

Die für Wissenschaft zuständige Staatskanzlei teilte am Samstag mit, dass man die Vorgänge "sehr ernst" nehme. Die Gestaltung der Webseiten liege zwar alleine in der Verantwortung der Uni, "sollte es allerdings tatsächlich zu Rechtsverstößen, insbesondere aufgrund von illegaler Glücksspielwerbung gekommen sein, werden wir die erforderlichen Maßnahmen im Rahmen unserer Rechtsaufsicht vornehmen". Man sei bereits in Gesprächen mit der Uni-Leitung, die kurzfristig "ausführliche Informationen über die Hintergründe" zusicherte.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 15.02.2020.

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