Ausgefüllte Steuererklärung auf einem Schreibtisch (Foto: Oliver Berg/dpa)

Dramatische Personalsituation in den Finanzämtern

  16.10.2019 | 17:43 Uhr

Die Deutsche Steuergewerkschaft hat eine dramatische Personalsituation in den Finanzämtern beklagt. Der Vorsitzende der Organisation, Thomas Eigenthaler, sagte im ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus", in den letzten Jahren seien rund 20 Prozent der Stellen in den Finanzämtern und angeschlossenen Behörden abgebaut worden. Das sei "ein wahnsinnig schwerer Aderlass".

Durch Altersabgänge gebe es aktuell in Deutschland zusätzlich neben den abgebauten Stellen über 6000 offene Stellen, die man besetzen könnte, beschreibt Eigenthaler die Situation. Es gebe aber kein Personal dafür. "Wir werden diese jungen Leute auch kaum am Arbeitsmarkt kriegen. Wir steuern auf eine wirkliche Finanzamtskrise zu."

Video [aktueller bericht, 16.10.2019, Länge: 4:24 Min.]
Zu wenig Steuerfahnder in Deutschland

Aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums an die Partei "Die Linke" geht hervor, dass im Jahr 2009 „nur“ 3500 Stellen nicht besetzt waren. Bis Ende des Jahres 2018 gab es dann in den Finanzämtern und dem Bundeszentralamt für Steuern insgesamt schon 5860 offene Stellen. Die Hauptlast davon tragen die Finanzämter.

Mehreinnahmen stark gesunken

Das hat auch Auswirkungen auf Betriebsprüfer und Steuerfahnder. Zwar ist deren Personalzahl insgesamt konstant geblieben. Aber immer weniger Steuerpflichtige mit sehr hohen Einkommen werden geprüft und die Zahl der durch Betriebsprüfungen entstandenen Mehreinnahmen ist von knapp 21 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf 13,9 Milliarden Euro im Jahr 2018 stark gesunken.

"Wir dürfen es im Sinne der Steuergerechtigkeit nicht länger hinnehmen, dass bei den kleinen Leuten jeder Euro umgedreht wird – die großen Finanzhaie aber davonkommen", sagte Fabio De Masi, finanzpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Bundestag.

Plusminus vom SR

Das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus kam am 16. Oktober vom Saarländischen Rundfunk aus Saarbrücken.

Heute - 21.45 Uhr, das Erste
Plusminus
Das Wirtschafts-Magazin Plusminus vom SR hat am 16. Oktober folgende Themen: Kampf um den Super-Apfel, Angst vor Zwangseinweisungen und der Euro-6-Diesel. Außerdem: Warum gibt es immer noch zu wenige Steuerfahnder? Hier finden Sie alle Informationen zur Sendung.

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