Ein Mann sitzt zuhause an einem Esstisch. Er schreibt mit einem Stift auf ein Blatt Papier neben einem Laptop. Ein Mann sitzt zuhause an einem Esstisch. Er schreibt mit einem Stift auf ein Blatt Papier neben einem Laptop.  (Foto: picture alliance/dpa | Finn Winkler)

Saar-Arbeitgeberverbände befürworten gekippte Homeoffice-Pflicht

  31.08.2022 | 17:02 Uhr

Eigentlich sollten die Corona-Regeln für Unternehmen ab Herbst deutlich strenger werden. Aber die ursprünglichen Pläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) wurden abgeschwächt. Eine Homeoffice-Pflicht gibt es nicht mehr – zur Freude der saarländischen Arbeitgeber- und Unternehmensverbände.

Freiwilligkeit statt Pflicht: Ab dem 1. Oktober sollen Unternehmen in Deutschland nur noch prüfen, ob sie ihren Beschäftigten Homeoffice oder Corona-Tests anbieten können. Das hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen. Ursprünglich wollte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), dass ab Herbst wieder eine Homeoffice-Pflicht gilt. Zudem war eine Pflicht für das Angebot von zwei Tests pro Woche für alle, die in Präsenz arbeiten, vorgesehen.

Die Arbeitgeber hatten jedoch an die Regierung appelliert, auf die Wiedereinführung von Pflichten zu verzichten. "Dort, wo die Arbeit von daheim möglich ist, wird sie auch künftig angeboten werden. Eines Anschubs durch den Verordnungsgeber bedarf es dazu nicht", hieß es in einer Stellungnahme des Arbeitgeberverbandes BDA.

Die neue Verordnung ermögliche es den Betrieben nun, die Maßnahmen flexibel an das Infektionsgeschehen anzupassen, sagte Heil am Mittwoch. "So werden Ansteckungen im Betrieb verhindert und Arbeits- und Produktionsausfälle vermieden."

Lob von Saar-Arbeitgeberverbänden

Auch die Arbeitgeber- und Unternehmensverbände im Saarland befürworten die Änderungen. "Eine Homeoffice-Pflicht hätte einen unnötigen Eingriff in die unternehmerische Freiheit bedeutet", sagte demnach der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Frank Thomé. Homeoffice gehöre für viele Unternehmen ohnehin längst zum betrieblichen Alltag.

"Unternehmen und Beschäftigte haben zumeist praktikable Lösungen gefunden, die zu den individuellen Bedürfnissen im Betrieb passen", so Thomé weiter. Um Corona-Infektionen am Arbeitsplatz zu verhindern, hätten die Unternehmen bereits zu Beginn der Pandemie Hygienekonzepte entwickelt und umgesetzt. "Es wird vermutlich sinnvoll sein, diese je nach Corona-Lage aktuell anzupassen, dabei sind verschiedene Maßnahmen denkbar."

Wichtig sei, dass die Unternehmen selbst entscheiden, welche das im Einzelnen sind. "Vor Ort kann am besten beurteilt werden, welches Vorgehen in der konkreten Situation geeignet und effizient ist.“ 

Homeoffice-Pflicht "unnötig"

Ähnlich äußerte sich der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU) und des Verbands der Metall- und Elektroindustrie ME Saar, Martin Schlechter. "Auch mit dem Rückgang der konkreten Bedrohung durch Corona hat der Großteil der Unternehmen an Regelungen zu mobilem Arbeiten – da wo möglich – festgehalten."

Eine Homeoffice-Pflicht sei nicht nur unnötig, sie greife auch in das Recht des Arbeitgebers ein, Arbeitsort und Arbeitszeit festzulegen. "Überlassen wir es den Unternehmen und den Beschäftigten weiterhin gute Lösungen zu finden, die zu den individuellen Situationen in den jeweiligen Betrieben passen."

Gestaltungsfreiheit bei Hygienekonzepten

Für Herbst und Winter ist zu erwarten, dass die Infektionszahlen deutlich steigen. Daher müssen auch im Arbeitsleben Schutzmaßnahmen getroffen werden. Die Betriebe müssen zwar wieder Hygienekonzepte umsetzen, sind in der Gestaltung aber ziemlich frei. Die neue Verordnung soll vom 1. Oktober bis 7. April 2023 gelten.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 31.08.2022 berichtet.

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