Heizpilz (Foto: Pixabay/Harald_Landsrath)

Diskussion um Heizpilze nimmt erneut Fahrt auf

  03.10.2020 | 12:09 Uhr

In der Politik mehren sich die Stimmen, Gastronomen während der Coronapandemie das Aufstellen von Heizpilzen zu erlauben. Jetzt hat sich auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter offen für den Vorschlag gezeigt und bekommt dafür Lob von der saarländischen Wirtschaftsministerin.

Das Außengeschäft auf den Terrassen hat vielen Gastronomen im Corona-Sommer das wirtschaftliche Überleben gesichert. Um auch jetzt in der kälteren Jahreszeit auf diese Einnahmequelle setzen zu können, plädiert der Gaststättenverband Dehoga im Saarland seit längerem dafür, dass in einigen Kommunen geltende Heizpilzverbot zeitweilig auszusetzen.

Unterstützung bekommt der Verband jetzt von unerwarteter Seite. Am Rande einer Videokonferenz sagte der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, dass man bei dieser Frage "nicht päpstlicher als der Papst" sein dürfe, berichtet welt.de. Er sei kein Fan von Heizpilzen, zeigt sich Ausnahmen gegenüber aber offen. "Wir leben in Pandemiezeiten, und die wirtschaftliche Lage ist angespannt", so Hofreiter. "Bevor alle pleitegehen, sollen sie in Gottes Namen Heizpilze aufstellen."

Rehlinger: Respekt für Hofreiters pragmatische Haltung

Die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) lobte die Einstellung Hofreiters. "Verantwortung bedeutet, in der Krise pragmatisch das Überleben von Unternehmen zu ermöglichen. Dafür muss man manchmal über den eigenen Schatten springen", sagte Rehlinger am Samstag. "Deshalb habe ich großen Respekt vor Anton Hofreiter, dass er sich in dieser Frage nicht so ideologisch zeigt, wie andere."

Arbeitsagentur und Umweltbundesamt für zeitweilige Ausnahme

Zuvor hatte sich bereits der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, ausdrücklich für den Einsatz von Heizpilzen in der Gastronomie ausgesprochen. "Wenn die Gastwirte mit Heizpilzen ihre Gäste noch einen Monat länger an der frischen Luft bewirten können, wäre das sicherlich ein Gewinn", sagte Scheele zu "Bild".

Auch der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, hat keine Einwände gegen einen vorübergehenden Betrieb elektrischer Heizstrahler. "Für eine Übergangszeit - etwa bis es einen Corona-Impfstoff für die breite Bevölkerung gibt - ist der Einsatz von Heizpilzen vertretbar", sagte Messner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir müssen abwägen: Gehen wir in die Lokale und vergrößern das Risiko einer Ansteckung? Oder bleiben wir länger draußen, als wir das normalerweise könnten, und nehmen die elektrischen Heizstrahler?"

Grundsätzlich sehe das Umweltbundesamt solche Heizpilze allerdings kritisch, betonte Messner. "Ein handelsüblicher Heizpilz verursacht in acht Stunden Betrieb dieselbe Menge CO2 wie ein Benzinauto auf einer Strecke von 145 Kilometern. Daher sollten wir uns grundsätzlich aus dieser Technologie verabschieden." 

Saarbrücken: Zelte statt Heizpilze

Viele Kommunen, die in der Regel für die Erlaubnis zur Aufstellung zuständig sind, haben die Geräte daher ganz oder teilweise verboten. In Saarbrücken hat sich der Stadtrat Mitte September gegen eine von der SPD ins Spiel gebrachte Aufweichung des bestehenden Verbotes ausgesprochen. Derzeit wird in der Landeshauptstadt allerdings ein Konzept erarbeitet, dass Gastwirten das Aufstellen von beheizten Zelten ermöglichen soll.

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