Stadtmitte am Fluss: Die Fotomontage von 2005 zeigt die damaligen Pläne der Stadt Saarbrücken, die Stadtautobahn entlang der Saar in einen Tunnel unter eimem neu zu errichtenden Park zu verlegen (Foto: dpa/Stadt Saarbrücken)

Kommt der Autobahn-Tunnel doch noch?

mit Informationen von Karin Mayer   02.01.2019 | 16:28 Uhr

Eigentlich galt die Diskussion schon als beendet. Doch jetzt hat ein Vorstoß der Industrie- und Handelskammer (IHK) der Idee vom Tunnel über der Saarbrücker Stadtautobahn neues Leben eingehaucht. Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine findet den Vorschlag gut, FDP-Chef Oliver Luksic möchte lieber einen Autobahn-Ring um die Stadt.

Interview: "Stadtmitte am Fluss ist ein Projekt, das direkt mehrere Vorteile hat"
Audio [SR 3, Renate Wanninger sprach mit Heino Klingen, 02.01.2019, Länge: 04:03 Min.]
Interview: "Stadtmitte am Fluss ist ein Projekt, das direkt mehrere Vorteile hat"

Nicht weniger als "die wichtigste Investition zur Zukunftssicherung des Landes" sieht Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der IHK Saar, in dem Projekt. Ein Tunnel über der Saarbrücker Stadtautobahn würde die Konjunktur stärken, Arbeitsplätze sichern und die Hauptstadt deutlich attraktiver machen, sagte er im Gespräch mit dem SR. Von der Strahlkraft des Projekts könne das ganze Land profitieren.

Und dieser Impuls sei auch bitter nötig, denn aktuell sieht Klingen die Lage im Saarland durchaus kritisch. "Wenn wir es nicht schaffen, das Abwandern junger Leute und die Finanzierungslücke zu anderen Ländern zu schließen, dann befinden wir uns in einer Abwärtsspirale, die wir dann kaum noch stoppen können. Deshalb müssen wir mit solchen Leitinvestitionen ein Zeichen setzen."

Kosten könnten deutlich steigen

Video [aktueller bericht, 02.01.2019, Länge: 3:05 Min.]
Debatte um Autobahn-Tunnel Saarbrücken

Doch woher soll das Geld für die Großinvestition kommen? Letzten Schätzungen zufolge lagen die Kosten für den Tunnelbau bei mehr als 400 Millionen Euro. Und das ist nun auch schon einige Jahre her. Seitdem haben die Preise im Baubereich noch einmal deutlich angezogen. Deshalb werde der veranschlagte Betrag "nicht zu halten sein", prophezeit Klingen. Allerdings habe sich die Situation seit damals grundlegend geändert. Im Bund gebe es inzwischen seit mehreren Jahren Haushaltsüberschüsse, Geld sei also da. Auch mit der EU müsste man die Finanzierung noch einmal neu diskutieren.

Unterstützung erhält die IHK von ungewohnter Seite. Der Fraktionsvorsitzende der Saar-Linken, Oskar Lafontaine, findet die Idee gut. "Der Industrie- und Handelskammer ist zuzustimmen: Das Projekt Stadtmitte am Fluss in Saarbrücken mit der Untertunnelung der Stadtautobahn sollte endlich in Angriff genommen werden." Um das Vorhaben zu realisieren, seien wie bei der Finanzierung anderer großer Infrastrukturprojekte Bundeshilfen erforderlich. Lafontaine sieht dabei die saarländischen Spitzenpolitiker aus den Regierungsparteien in der Pflicht.

"Thema ist in Brüssel und Berlin mausetot"

Video [aktueller bericht, 02.01.2019, Länge: 3:05 Min.]
Interview zum Autobahn-Tunnel mit Oliver Luksic

Oliver Luksic ist zwar verkehrspolitischer Sprecher der FDP im Bundestag, sitzt dort allerdings nur in der Opporsition. Zudem hält er nicht viel von der Tunnellösung. „Beim Tunnel wurden bereits Millionen Steuergelder für Planung in den Sand gesetzt. Dieses Thema ist in Brüssel und Berlin mausetot, Stadt und Land haben auch wenig Mittel." Luksic fordert stattdessen einen neuen Saarbrücker Autobahn-Ring. Der würde die Innenstadt entlasten. Auch Maßnahmen wie mehr Lärmschutz rund um den Staden, eine Aufwertung des Osthafens und eine bessere Anbindung der Uni an die Saarbahn seien städtebaulich sinnvoll und realistischer als ein kostenmäßig unkalkulierbares Tunnelprojekt.

Der Saarbrücker CDU-Oberbürgermeisterkandidat Uwe Conradt hält es für möglich, die Stadt durch eine „schön gestaltete Lärmschutzwand leiser zu machen“. Das alte Tunnel-Projekt werde so niemals realisiert, da es viel zu kurz geplant worden sei. Es müsse aber auch darum gehen, dass die Menschen an einigen Stellen auf die Saarbahn umsteigen. Gerade was das Thema Park-and-Ride-Parkplätze angehe, habe man ein „extremes Defizit – genauso wie beim Ausbau der Saarbahn.“


Im Interview: Prof. Reinhard Wilhelm
"Sie sollen sich das Phantomprojekt da abschminken"

Über dieses Thema wurde auch in aktuell vom 02.01.2019 berichtet.

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