Abgase aus einem Auspuffrohr (Foto: dpa/Ina Fassbender)

So viele Diesel-Klagen wie noch nie

Barbara Spitzer   05.01.2021 | 14:18 Uhr

Der Skandal um Schummelsoftware zum Manipulieren von Abgaswerten ist für die Hersteller noch lange nicht Geschichte: Die Zahl der Schadensersatzklagen hat mit über 800 im Saarland im vergangenen Jahr einen Rekordwert erreicht.

Vor fünf Jahren war aufgeflogen, dass Autohersteller die Abgaswerte bei bestimmten Dieselmotoren per Software geschönt hatten, um Grenzwerte zu umgehen. Zahlreiche Käufer wollten das nicht hinnehmen. Zum Jahresende 2020 war in etwa die Hälfte von rund 55.000 Einzelklagen gegen VW mit einem Vergleich beigelegt.

Dennoch hat es im Saarland im vergangenen Jahr mehr Klagen wegen Schummelsoftware gegeben als seit Beginn des Skandals: 830 solcher Klagen gingen am Landgericht Saarbrücken ein. Der bisherige Spitzenwert stammt mit 750 aus dem Jahr 2018.

Grund dafür könnte sein, dass Verbraucher neben VW nun auch andere Hersteller auf Schadensersatz verklagten, wie etwa Porsche, Audi und Daimler. Der Bundesgerichtshof hatte im Mai in einem wegweisenden Urteil entschieden, dass Käufer von Autos mit illegaler Abgastechnik ihren Wagen zurückgeben und das Geld dafür einfordern können – abzüglich einer Nutzungsentschädigung für gefahrene Kilometer.

Verjährung droht

Allerdings müssen VW-Fahrer, die ihre Klage erst nach 2018 eingereicht haben, damit rechnen, dass sie wegen Verjährung leer ausgehen. Bei Autos anderer Hersteller stehen die Chancen dagegen besser. Im März hatte das Landgericht einem Porschefahrer wegen sittenwidriger Schädigung durch die Schummelsoftware Schadensersatz in Höhe von rund 50.000 Euro zugesprochen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 05.01.2021 berichtet.

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