EU-Chefunterhändler Michel Barnier und Sabine Weyand  (Foto: picture alliance/AP Photo/Virginia Mayo)

Die saarländische Architektin des Brexit-Deals

Christian Leistenschneider   18.11.2018 | 08:36 Uhr

Nach schwierigen Verhandlungen haben sich die EU und Großbritannien vergangene Woche auf einen Brexit-Vertrag geeinigt. Die meisten Beobachter sehen das knapp 600-seitige Dokument vor allem als großen Erfolg der europäischen Verhandler. Eine entscheidende Rolle spielte dabei eine Saarländerin.

Die im Saarland geborene und aufgewachsene Sabine Weyand (Jahrgang 1964) gilt als die eigentliche Architektin des Brexit-Vertrages. Als Vize-Chefunterhändlerin ist sie die rechte Hand von Michel Barnier.

Weyands politisches Leben begann in der Schülerunion der CDU, wo sie auch Kontakt zu Peter Altmaier knüpfte. In Freiburg und Cambridge studierte sie Politikwissenschaft, Wirtschaft und Anglistik, ihren Doktor machte sie an der Uni Tübingen. 1994 trat Weyand in den Dienst der EU ein. Dort bewährte sie sich als detailversessene und hochkompetente Beamtin, unter anderem koordinierte sie G7/G8-Gipfel und arbeitete an Handelsabkommen. 

Die besten und klügsten Köpfe der EU

Im September 2016 wurde sie dann zur Vize-Chefunterhändlerin der Kommission für die Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich berufen. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte dazu: „Die neue Task Force setzt sich aus den besten und klügsten Köpfen der Kommission zusammen" - und Weyand war dabei an vorderster Front.

Mit persönlichen Angaben ist Weyand sehr zurückhaltend. Ihr offizieller EU-Lebenslauf verzeichnet lediglich nüchtern ihre akademischen und beruflichen Stationen. Für Interviews steht sie während der Zeit der Brexit-Verhandlungen nicht zur Verfügung.

Wirbel um Äußerung

Diese Woche kam die sonst so öffentlichkeitsscheue Weyand allerdings doch zu einer gewissen Prominenz. In den englischen Medien wurde verbreitet, gegenüber den 27 Botschaftern der Europäischen Union habe sie am Dienstagabend erklärt: „Das Königreich muss seine Regeln (an Brüssel) anpassen, aber die EU behält die gesamte Kontrolle.“ Das wäre das genaue Gegenteil des Versprechens der Brexiteers: Take back control.

Auch Oppositionsführer Jeremy Corbyn von der Labour-Partei nahm das Zitat in der Parlamentsdebatte zum Deal auf und fragte Regierungschefin May provokativ: Ist das nicht eine faire Beschreibung des Deals?

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