Junge Frau mit Mundschutz schaut auf ihr Smartphone (Foto: picture alliance/Kay Nietfeld/dpa)

DFKI-Chef befürwortet Corona-Tracing-App

mit Informationen von Karin Mayer   11.04.2020 | 09:41 Uhr

Die Corona-Krise hat eine Debatte über Handy-Apps zur Standortabfrage ausgelöst. Bundesregierung und Gesundheitsbehörden wollen die Daten nutzen, um Infektionsketten nachverfolgen zu können. Der Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, Antonio Krüger, hält die Einführung solcher Apps für sinnvoll.

Im SR Interview der Woche sagte Krüger, die Anwendung müsse aber völlig anonym auf Bluetooth-Basis arbeiten. Bewegungsprofile über GPS-Daten lehne er ab.

Weniger einschneidend als Maskenpflicht

Wegen der Corona-Erkrankungen werde es weiter Einschränkungen geben. Er erwarte beispielsweise, dass eine Maskenpflicht komme. Eine Tracing-App erscheine ihm da weniger einschneidend als eine Maske, die man ständig tragen müsse.

Michael Littger von der Organisation "Deutschland sicher im Netz" fordert, dass die Verbraucher über die Corona-Apps aufgeklärt werden. Nötig sei eine gesellschaftliche Debatte, ob diese Dimension der Erfassung von Daten wirklich gewollt sei. Der Nutzen der Apps müsse noch besser erklärt werden.

Kooperation von Apple und Google

Unterdessen haben die beiden US-Technikriesen Apple und Google angekündigt, bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie zusammenzuarbeiten. Beide Konzerne wollen die Betriebssysteme in ihren Smartphones so anpassen, dass Apps unter anderem von Gesundheitsbehörden zur Nachverfolgung von Infektionen zusammenarbeiten. Um den Datenschutz zu gewährleisten, sollen die Kontaktdaten auf den Smartphones der Anwender gespeichert werden, nicht aber auf einem zentralen Computer. Erst wenn jemand positiv getestet werde, sollen diese Informationen zentral gespeichert werden, sofern der Betroffene zustimme.

Eine erste vom europaweiten Forschungsprojekt PEPP-PT entwickelte App könnte bereits kommende Woche zur Verfügung stehen. Bereits online ist eine andere App des RKI, mit der Vitaldaten der Nutzer - etwa Temperatur und Herzfrequenz - über Fitnessarmbänder gesammelt werden.


Das komplette Interview mit DFKI-Chef Krüger

Digitalisierungsschub durch Corona?
Audio [SR 2, Karin Mayer, 11.04.2020, Länge: 13:40 Min.]
Digitalisierungsschub durch Corona?
Prof. Antonio Krüger, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) glaubt, das der Trend zum Home-Office auch nach der Corona-Krise aus Kostengründen bleiben wird. Voraussetzung sei, dass die Produktivität nicht unter der Tele-Arbeit leide, so Krüger im Interview der Woche mit SR-Wirtschaftsredakteurin Karin Mayer.

Über dieses Thema berichtete die SR 3-Rundschau am 11.04.2020.

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