Ein Bored Ape NFT auf einer Anzeigetafel der Wall Street in New York (Foto: IMAGO / ZUMA Wire)

Das steckt hinter NFTs

Maureen Welter   03.04.2022 | 17:58 Uhr

"50.000 Dollar für ein Meme" – mit solchen Schlagzeilen sind NFTs bekannt geworden. Wir erklären, was das mit Kunst zu tun hat und wie ein Saarbrücker Unternehmen damit Rap-Texte zu Geld macht.

Wenn ein Gemälde für Millionen von Dollar versteigert wird, dann erregt das viel Aufsehen und teilweise auch Kopfschütteln. Zehn Millionen Euro für eine Da-Vinci-Zeichnung oder 115 Millionen Euro für ein Gemälde von Picasso wirken horrend viel. Noch seltsamer klingt es, wenn jemand für ein digitales Abbild eines Picassowerkes solche Summen zahlen würde.

Ein Bild, das - einmal im Internet - von jedem heruntergeladen, ausgedruckt und hochgeladen werden kann. Genau das ist möglich mit NFTs – und dennoch geben Menschen wie Justin Bieber Millionen Dollar dafür aus. Oder lassen Saarbrücker Unternehmen Rap-Texte verkaufen, die innerhalb eines Tages das Fünffache wert sind.

"NFTs sind einzigartig"

„Ein NFT ist einfach ein digitales Gut, das individuell identifizierbar und deshalb nicht durch ein anderes austauschbar ist.“ So definiert Karl Wüst, der leitende Wissenschaftler am CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit in Saarbrücken, NFTs.

Obwohl es sich um digitale Güter handelt, sind NFTs einzigartig. Sie können alles sein, was sich digital speichern lässt: Bilder, GIFs, Videos oder auch Texte.

NFT steht für Non-Fungible Token, auf Deutsch nicht austauschbare Marke. Karl Wüst erklärt dies durch den Gegensatz mit Fungible Tokens, also austauschbaren Marken. Ein Beispiel dafür sind Geldscheine: Ob ein Zehn-Euro-Schein gegen einen anderen ausgetauscht wird, verändert nichts daran, wie viel Wert man im Geldbeutel hat. Die Scheine sind austauschbar.

Anders bei NFTs: Kauft man ein NFT, erwirbt man im Grunde nicht ein digitales Bild, sondern den einzigartigen Code, der beweist, dass man die einzige wirkliche Besitzerin des Bildes ist. Tim Weingärtner von der Hochschule Luzern sagte in einem Interview mit seiner Hochschule: „Es handelt sich um Eigentumszertifikate. Diese weisen einem digitalen Kunstwerk eine ID zu, die bestätigt: Dieses Werk gehört mir, es ist das Original. Aber sie sind nicht das Kunstwerk selbst.“

NFT und Kryptowährung

Der Kauf und Verkauf von NFTs findet auf speziellen Plattformen statt. Die größten und bekanntesten sind OpenSea, Rarible oder SuperRare. Meistens haben diese digitalen Auktionshäuser ihren Sitz in den USA.

Die Währungen lauten nicht Euro, Dollar oder Pfund, sondern bezahlt wird mit Kryptogeld. Die bekannteste Währung des digitalen Geldes ist Bitcoin. NFTs werden aber in den meisten Fällen mit der Kryptowährung Ether (ETH) gehandelt. Um ein NFT zu kaufen, muss man zunächst eine digitale Wechselstube besuchen und die nötige Währung erwerben.

Handel mit NFTs aus Saarbrücken

Es gibt aber auch deutsche Plattformen für NFTs. NIFTEE zum Beispiel kommt aus Saarbrücken. Über das Auktionshaus hat der Rapper Kool Savas seinen Songtext von „King of Rap“ als NFT für 30.000 Euro verkauft. Das NFT wurde in nicht mal 24 Stunden an einen anscheinend äußerst großen Fan weiterverkauft – diesmal für 150.000 Euro. Solche schnellen Gewinne durch NFTs sind allerdings eher eine Seltenheit.

Der Kool-Savas-Fan hat mit dem 150.000 Euro teuren Kauf nicht die Rechte an dem Song erworben. Er kann lediglich beweisen, dass er der alleinige Besitzer eines digitalen Zertifikates des Songtextes ist.

Ein Handy zeigt das Portrait von Scooter-Frontmann HP Baxxter, das als NFT versteigert wurde (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene)
Zur Veröffentlichung des Scooter-Albums im April 2021 wurden auch animierte NFT-Porträts von Frontmann H.P. Baxxter verkauft

Ohne Blockchain geht es nicht

Damit der Käufer beweisen kann, dass er der alleinige Besitzer eines NFTs ist, werden alle Transaktionen in einer Blockchain gespeichert. Eine Blockchain ist eine dezentrale Datenbank. Vereinfacht gesagt wird nicht alles auf einem Server gespeichert, sondern in aneinandergereihten Datenblöcken.

Die meisten NFT-Plattformen arbeiten mit Ethereum. Das ist eine dezentrale Software-Plattform auf Basis der Blockchain-Technologie. Hier ergibt sich die Verbindung zur Kryptowährung Ether. Denn das ist die Kryptowährung von Etherum. Und das ist auch der Grund, warum NFTs vornehmlich mit Ether gehandelt werden.

NFTs als Klimasünder?

Das Problem mit Ethereum: Die Blockchain verbraucht auf Grund ihrer Programmierung viel Rechenkapazitäten und damit viel Strom.

Wüst betont: „Wenn man ein NFT erstellt, oder allgemein eine Transaktion im Ethereum-Netzwerk ausführt, führt das nicht direkt zu einem höheren Energieverbrauch, da der Rechenaufwand nicht direkt von der Anzahl Transaktionen oder deren Komplexität abhängt.“ Das eigentliche Problem liegt laut Wüst bei der Kryptowährung Ether.

Je mehr Menschen Ether besitzen, desto wertvoller wird diese Währung. Man kann Ether kaufen bzw. eintauschen. Kryptogeld wie Ether kann aber auch durch so genanntes Mining gewonnen werden. Analog kann man sich das wie Gold schürfen vorstellen. Anstatt aber Flusswasser zu sieben, muss die Währung von Computern „errechnet“ werden, was viel Strom verbraucht.

Je höher der Preis von Ether ist, desto mehr lohnt sich dieses energieaufwendige Mining. Und NFTs können diesen Preis mit in die Höhe treiben, weil man in der Regel Ether braucht, um mit NFTs zu handeln. „Innerhalb vom letzten Jahr hat sich die Rechenkapazität im Ethereum-Netzwerk etwa verdreifacht, wodurch auch der Energieverbrauch stark gestiegen ist“, sagt Wüst.

Der Algorithmus von Ethereum arbeitet aktuell noch mit sehr hoher Rechenleistung. Es gibt aber bereits Möglichkeiten, sparsamer zu arbeiten und damit weniger Strom zu verbrauchen. Wüst weist darauf hin, dass der Wechsel zur energieärmeren Technik in den vergangenen drei Jahren konkreter geworden ist. „Sobald das passiert, werden Ethereum-NFTs dadurch tatsächlich klimaschonender, da das ganze Ethereum-Netzwerk klimaschonender wird.“

Und wozu das Ganze?

In erster Linie werden NFTs als Spekulationsobjekte verstanden. Es besteht die theoretische Möglichkeit, sein NFT weiterzuverkaufen und damit Geld zu verdienen. Allerdings braucht es dafür einen spendablen Sammler (wie bei dem NFT von Kool Savas) oder eine weitere Spekulantin.

Es ist genauso möglich, dass man keinen Gewinn macht oder sein NFT gar nicht verkaufen kann. Mit NFTs sollte also nur spekuliert werden, wenn man das Geld dafür übrig hat und es finanziell verkraften kann, falls das Geld am Ende weg ist.

Vielleicht weil NFTs so risikoreich und oft teuer sind, ist ihr Hauptnutzen im Alltag wohl die Lust zum Angeben. So nennt es auch die New York Times, die schreibt: Man erwirbt mit dem Kauf von NFTs „Angeberrechte“.

Künstler direkt unterstützen

Für Künstlerinnen und Künstler können NFTs Vorteile bieten - zum Beispiel bei der Steigerung ihres Marktwertes. Angenommen, ein Künstler malt ein Bild und verkauft es für 100 Euro. Später steigert sich sein Marktwert und dasselbe Bild kann für 1000 Euro weiterverkauft werden. Daran kann der Künstler jedoch nicht mehr mitverdienen.

Bei einem zugehörigen NFT könnte aber zum Beispiel in den Code geschrieben werden, dass bei jedem Weiterkauf 15 Prozent des Erlöses an den Künstler gehen. Ob Kool Savas das bei seinem NFT damals auch so gemacht hat, ist nicht bekannt.

Der Nachteil: Um ein NFT verkaufen zu können, muss ein Künstler in der Regel erst mal in Vorkasse gehen. Bei einem Selbstversuch vom Bayerischen Rundfunk wurden wegen Verifikationen und Transaktionsgebühren zunächst 120 Euro fällig. Somit hätte das NFT für 120 Euro verkauft werden müssen, um zumindest bei null rauszukommen.

Es gibt natürlich Künstler, die viel Geld mit ihren NFTs machen konnten. Meistens sind die aber schon vorher bekannt, wie beim Rapper Kool Savas. Wer neu auf dem Kunstmarkt ist, wird wahrscheinlich auch auf dem NFT-Markt nicht das schnelle große Geld verdienen können.

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