Ein Elektroauto beim Aufladen (Foto: picture alliance/Hendrik Schmidt/zb/dpa)

E-Auto als Stromlieferant für den Haushalt?

Karin Mayer / Onlinefassung: Rebecca Kaiser   29.07.2020 | 08:05 Uhr

Wer eine Photovoltaikanlage aufs Dach baut, denkt häufig auch über einen Stromspeicher nach. Da diese aber recht teuer sind, haben die ersten Anbieter die Autobatterie des Elektroautos als Alternative im Visier. Nun haben der Haustechnikanbieter Hager und Audi ein entsprechendes Forschungsprojekt dazu abgeschlossen.

Das Auto steht in der Einfahrt und wird geladen, der Strom dafür kommt von der Sonne und einer Photovoltaikanlage. Ist die Batterie geladen, kann sie aber nicht nur für das Fahren verwendet werden. In der Zukunft könnte sie auch den Haushalt mit Energie versorgen. Das heißt, die Waschmaschine oder der Kühlschrank im Haus bekommen den Strom aus der Autobatterie.

Die E-Auto-Batterie als Stromspeicher für die Photovoltaik-Anlage
Audio [SR 3, Karin Mayer, 28.07.2020, Länge: 03:02 Min.]
Die E-Auto-Batterie als Stromspeicher für die Photovoltaik-Anlage

An dieser Zukunftstechnologie hat Ulrich Reiner aus dem Innovationsmanagement der Firma Hager mitgearbeitet. Laut Ulrich Reiner verfügt dieses Projekt über großes Potential. Das E-Auto könne demnach einen Haushalt eine Woche lang mit Strom versorgen. „Wir können über den Verbund Fahrzeug, Elektrotankstelle und Hausspeicher optimal das Haussystem mit erneuerbarer Energie versorgen.“ Das bezeichnet man als bidirektionales Laden und ist komplizierter als man denkt.

Batterien haben enorme Kapazitäten

Außer Hager und Audi haben auch der Speicher-Spezialist E3/DC und ein amerikanisches Partnerunternehmen mitgearbeitet. Gemeinsam haben sie einen Prototyp entwickelt. Eine der wichtigen Fragen bei der Arbeit an der Technologie ist: Welchen Schaden nimmt die Autobatterie durch häufigeres Be- und Entladen? Denn sie ist die teuerste Komponente des Elektroautos. Der E-Mobility-Experte Ulrich Reiner von Hager verweist auf das große Potential der Batterie: „Die Lebensdauer der Fahrzeugbatterie ist größer als die des Fahrzeugs.“

Tatsächlich gibt es bereits Überlegungen, gebrauchte E-Autobatterien als Stromspeicher zu nutzen, etwa um überschüssigen Strom aus Wind- oder Sonnenenergie im Netz zu speichern. Der Ansatz aus Blieskastel ist ein anderer: „In unserem Projekt nutzen wir die Fahrzeugbatterie praktisch während dem ‚First Live‘. Das heißt: Im Energieverbund für die Rückspeisung für das ‚Vehicle to home‘ wird es keine Nachteile bei der Batterielebensdauer geben.“

Nur wenige Haushalte haben die nötigen Voraussetzungen

Die Voraussetzungen dafür sind vielfältig - benötigt werden eine Elektrotankstelle am Haus, eine Photovolatikanlage auf dem Dach und ein Elektroauto. Außerdem muss eine besondere Haustechnik vorhanden sein. Bisher gibt es also kaum Haushalte, die das nutzen können. „Generell ist für uns die Energiewende ein sehr wichtiges Thema. Wir sind als Hager Group dabei, Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Und unter diesem Schirm ist auch das Projekt einzuordnen“, so Reiner.

Völlig aus der Luft gegriffen ist die Idee trotzdem nicht. Der Autohersteller Mitsubishi hat die Technik in Japan schon auf den Markt gebracht. Die Lösung dafür gibt es nun auch aus Blieskastel. Wann und ob daraus ein Produkt wird, ist offen, sagt Ulrich Reiner: „Jedes Elektrofahrzeug könnte in Zukunft auch Strom für den Haushalt liefern. Auch kleinere Fahrzeuge können heute schon über eine Gleichstrom-Ladestation geladen werden.“

So könnten sie zukünftig auch entladen werden. Dem müssten aber erst die Fahrzeughersteller zustimmen. Für den Hausbesitzer hätte diese Lösung mehrere Vorteile, so könnte er die Energiekosten senken und wäre gleichzeitig unabhängiger vom Stromnetz.

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