Pflegehausbewohnerin und eine Pflegehelferin gehen in einem Seniorenzentrum einen Gang entlang. (Foto: dpa)

DAK fordert Reform der Pflegeversicherung

Nelly Theobald / Onlinefassung: Kasia Hummel   16.10.2019 | 19:35 Uhr

Seit 1995 gibt es die Pflegeversicherung in Deutschland, seitdem steigen die Kosten. Besonders für Pflegebedürftige im Alter wird das zum Problem. Denn Heimplätze werden immer teurer. Die DAK Gesundheit fordert deshalb deren Reform.

Drei Viertel der von der DAK Gesundheit befragten Menschen haben Angst im Alter - im Pflegefall - ihre kompletten Ersparnisse zu verlieren. Zu Recht, sagt die Krankenkasse - gerade im Saarland, wo der Eigenanteil für Heimbewohner im Bundesländervergleich am zweithöchsten ist. So zahlen Pflegebedürftige in einem saarländischen Heim 2239 Euro im Monat. Im Bundesdurchschnitt sind es 1874 Euro. Darin enthalten ist der Eigenanteil für die Pflege, im Saarland rund 800 Euro.

Video [aktueller bericht, 16.10.2019, Länge: 2:59 Min.]
Veröffentlichung des Pflegereports 2019 der DAK

Allein dieser Anteil werde in den kommenden Jahren enorm ansteigen, so die DAK-Gesundheit. Deshalb schlägt sie vor, die Verteilung der Kosten umzudrehen: Die Pflegeversicherung übernimmt den vorherigen Eigenanteil plus die steigenden Kosten. Der Heimbewohner zahlt einen Fixbetrag von rund 450 Euro im Monat plus die Kosten für Investitionen, Unterkunft und Verpflegung. Das Ganze soll ohne Erhöhung der Pflegeversicherungsbeiträge geschehen.

Pflegegesellschaft sieht Handlungsbedarf

Auch die saarländische Pflegegesellschaft, die Vertretung der Pflegeanbieter, sieht dringenden Handlungsbedarf bei den Eigenanteilen für Heimplätze. Der Vorschlag der DAK Gesundheit federe Kostensteigerungen auf jeden Fall ab. Die Pflegegesellschaft sieht aber noch ganz andere Stellschrauben.

Werde ein kranker pflegebedürftiger Mensch zuhause vom ambulanten Pflegedienst mit medizinischer Verhandlungspflege versorgt, dann werde das Richten der Medikamente vom ambulanten Pflegedienst in voller Höhe bezahlt, erklärt Jürgen Stenger von der Saarländischen Pflegegesellschaft. Ziehe dieser ins Heim, zahle die Krankenkasse nichts mehr. Stattdessen seien die Leistungen der medizinischen Behandlungspflege im Heim im Pflegesatz enthalten, das heißt in letzter Konsequenz zahle es der Bewohner selbst.

Würden diese Kosten auch im Heim übernommen, entstünde eine Entlastung von rund 150 Euro im Monat. Auch das Land könnte helfen: Denn im Pflegeversicherungsgesetz gibt es einen Absatz, der vorsieht, dass das Land oder Landkreise die Investitionskosten bezuschussen sollen. Das könnte eine Ersparnis von bis zu 500 Euro im Monat bedeuten.

Kolling bewertet Vorstoß der DAK positiv

Der saarländische Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling hat die Pläne der Krankenkasse DAK für eine Reform der Pflegeversicherung grundsätzlich begrüßt. Die Finanzierung der Pflegeversicherung müsse wegen der demographischen Entwicklung geändert werden. „Und deshalb müssen wir darüber nachdenken, wie wir den solidarischen Ausgleich hinbekommen zwischen Bundeszuschuss, steuerfinanziert, zwischen Eigenbeteiligung durch die Angehörigen oder den Betroffenen und dem Pflegebeitragssatz.“ Das müsse in den nächsten Wochen diskutiert werden.

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