Eine Ärztin verpackt einen Abstrich von einem möglicherweise Infizierten in eine Plastiktüte.  (Foto: picture alliance/Daniel Reinhardt/dpa)

Corona-Übertragungsrate im Saarland stark gestiegen

Thomas Braun   15.10.2020 | 10:45 Uhr

Der Reproduktionswert des Coronavirus ist nach Berechnungen von Wissenschaftlern der Saar-Uni auf 2 gestiegen - der bundesweit höchste Wert. Hält der Trend an, könnten die Zahlen von Krankenhaus- und Intensivpatienten schon in zwei bis vier Wochen den Stand von April erreichen.

Corona-Reproduktionswert im Saarland am höchsten
Audio [SR 3, Nelly Theobald, 15.10.2020, Länge: 00:50 Min.]
Corona-Reproduktionswert im Saarland am höchsten

Anfang Oktober ist die Zahl der Neuinfektionen im Saarland sprunghaft angestiegen. Der nun errechnete R-Wert von 2 bedeutet, dass ein Infizierter im Schnitt zwei weitere Personen ansteckt. Hält der aktuelle Trend an, dann könnte es schon in zwei bis drei Wochen täglich über 1000 neue Infektionsfälle im Saarland geben, erklärt Professor Thorsten Lehr von der Klinischen Pharmazie an der Universität des Saarlandes mit Bezug auf eine aktuelle Modellrechnungen, die die Saar-Forscher entwickelt haben.

Deutlich mehr Krankenhauspatienten erwartet

Das würde sich auch auf die Belegungszahlen in den Kliniken auswirken. Hier gab es in den vergangenen Tagen bereits einen leichten Anstieg - mit derzeit 24 Patienten ist die absolute Zahl allerdings noch vergleichsweise gering. Aber schon in den kommenden zwei bis vier Wochen könnten wieder Werte wie in der Hochphase der ersten Welle erreicht werden.

Fächerübergreifendes Projekt

Prof. Thorsten Lehr: "Es könnte einen deutlichen Anstieg in der Krankenhausbelegung geben"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 15.10.2020, Länge: 05:04 Min.]
Prof. Thorsten Lehr: "Es könnte einen deutlichen Anstieg in der Krankenhausbelegung geben"

In dem Projekt CoSim haben Professor Lehr und sein Team gemeinsam mit Vertretern der Homburger Virologie und der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie an der Uniklinik einen Simulator entwickelt, der auf Basis der bisherigen Entwicklung verschiedene Szenarien für die Zukunft entwickelt.

Für ihre Berechnungen nutzen die saarländischen Forscher als Grundlage ein klassisches SEIR-Modell, das in der mathematischen Epidemiologie die Ausbreitung von Infektionen innerhalb einer Bevölkerung beschreibt.

  • "S" steht dabei für "susceptible" (engl. anfällig), also jemand, der noch nicht infiziert ist.
  • "E" bedeutet "exposed" - angesteckt, aber noch nicht als infiziert erkannt.
  • "I" ist dann auch als infiziert erkannt.
  • "R" bedeutet "recovered" (erholt) oder resistent.

Zusätzlich wurde das saarländische Modell noch um eine Krankenhauskomponente erweitert, die die bestätigten Fälle aufschlüsselt in ambulante, stationäre oder intensivmedizinische Behandlungsfälle und Beatmungsfälle. Nach Angaben der Wissenschaftler unterscheidet sich die Berechnung des R-Wertes nach dem saarländischen Modell deutlich von der des RKI - und anderen, weil größere Datenmengen in die Berechnung mit einfließen würden.

Online-Simulator für verschiedende Szenarien

Unter covid-simulator.com haben die Wissenschaftler einen Online-Simulator zur Verfügung gestellt, mit dem Nutzer verschiedene Szenarien selbst simulieren können. Auf der Seite findet sich auch der ausführliche Bericht der Projektgruppe, der wöchentlich aktualisiert wird.

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