Ein kleines Mädchen sitzt weinend auf dem Fußboden in ihrem Zimmer. (Foto: dpa)

Bislang keine Zunahme von Gewalt gegen Kinder

Lisa Betzholz / Onlinefassung: Thomas Braun   08.04.2020 | 19:25 Uhr

Aufgrund der Folgen der Coronakrise verbringen viele Familien derzeit 24 Stunden am Tag zusammen. Das kann schön sein, steigert aber auch das Risiko häuslicher Gewalt - insbesondere dort, wo die Situation vorher schon problematisch war. Bislang haben die Familien im Saarland die Situation aber offenbar gut im Griff.

So viele Beratungsmöglichkeiten anbieten wie es geht – das versucht man beim Sozialen Dienst im Jugendamt in Saarbrücken. Die Familien sind dankbar für die Angebote. Und bislang sei auch noch kein untypischer Anstieg bei Gefährdungssituationen für Kinder zu beobachten, sagte die Leiterin des Sozialen Dienstes, Beate Brand.

Kinderschutzverbände bieten Notbetreuung (08.04.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 08.04.2020, Länge: 02:42 Min.]
Kinderschutzverbände bieten Notbetreuung (08.04.2020)

Mindestens ein Fall pro Tag vor Ort geprüft

Dennoch sei es ein Trugschluss zu glauben, dass die Teams aus Sozialarbeitern gar nicht ausrücken müssten. Es gebe mindestens einen Fall pro Tag, der vor Ort überprüft werden müsse. Und es gebe schon die Befürchtung, dass es mehr werden könnte, weil die Kinder nicht mehr im Kindergarten oder in der Schule sind und auch die Eltern teilweise nicht mehr arbeiten gehen.

Eine ähnliche Befürchtung hat man auch im Kinderhaus Malstatt. Wo sich pro Tag normalerweise über 20 Kinder aufhalten, gibt es derzeit nur eine Notbetreuung für fünf Kinder - bevorzugt vor allem für die Kinder, bei denen klar sei, dass die Stimmung zuhause kippen könnte. Darüber hinaus versuche man, die betreuten Kinder nach Möglichkeit abzuwechseln.

Lage bislang gut im Griff

Bislang hätten die Eltern die Situation aber gut im Griff, sagte Carsten Freels, Mitarbeiter im Kinderhaus. "Wir sind im ständigen Kontakt mit allen Eltern und Familien, die wir hier so kennen und stellen fest, dass die das relativ gut hinbekommen", so Freels.

Für Freels ist es wichtig, den Kontakt zu den Familien zu halten und ihnen das Gefühl zu geben, da zu sein - etwa durch Telefonate, vereinzelt auch Hausbesuche oder Beratungstermine. Auch Therapien gehen weiter.

Ministerium: Kein erhöhtes Fallaufkommen

Auch das saarländische Sozialministerium kann bislang keinen Anstieg beobachten: "Weder im Bereich der Polizeieinsätze bei häuslicher Gewalt, noch bei den nachgefragten Beratungen ist seit Beginn der Corona-Pandemie ein erhöhtes Fallaufkommen festzustellen", sagte Ministerin Monika Bachmann.

Wer die Befürchtung habe, dass jemand in seinem Umfeld von häuslicher Gewalt betroffen sein könnte, sollte diese Person möglichst diskret und einfühlsam kontaktieren und gegebenenfalls Hilfe anbieten, rät das Ministerium. Bachmann verweist darauf, dass im Fall eines erhöhten Bedarfs an Schutzplätzen für Frauen und Kinder bereits Vorsorge getroffen sei.

Kinderschutzbund: Situation nicht unterschätzen

Der Kinderschutzbund warnt unterdessen davor, die Situation zu unterschätzen. Trotz Telefonkontakt fehle in vielen Familien der verlässliche, direkte Blick nach innen. Und es sei auch sehr schwer, präventiv etwas zu unternehmen, sagte der Vorsitzende des Kinderschutzbund im Saarland, Stefan Behr.

Zudem fürchtet Behr, dass sich die Situation auch schon durch einen Wetterumschwung drastisch verändern könnte. Weil Kindern und Eltern dann möglicherweise ein wichtiges Ventil fehlt.

Über dieses Thema berichtete auch der aktuelle bericht am 08.04.2020 im SR Fernsehen.

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