Eine Frau macht einen Corona Selbsttest (Foto: picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Corona-Herbstwelle im Saarland in vollem Gang

  06.10.2022 | 16:46 Uhr

Im Saarland ist die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen stark gestiegen. Mit 950 hat das Land den höchsten Wert im Bundesvergleich. Saar-Gesundheitsminister Jung sieht vorerst aber keine Notwendigkeit, die Maßnahmen zu verschärfen.

Das Robert Koch-Institut hat am Donnerstag für das Saarland 3458 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt hierzulande bei 950, ist bundesweit weiterhin die höchste und hat sich innerhalb von zwei Wochen mehr als verdoppelt - am 22. September lag sie noch bei 449,4.

Jung schätzt Zahlen deutlich höher

Der saarländische Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) schätzt die Zahl der Corona-Fälle im Saarland sogar noch deutlich höher. „Wir können davon ausgehen, dass die Zahl der Positiven im Saarland deutlich höher ist und dass die Inzidenz in Wirklichkeit schon lange einen vierstelligen Bereich erreicht hat“, so der SPD-Politiker.

Video [aktueller bericht, 06.10.2022, Länge: 1:57 Min.]
Saar-Kliniken kämpfen mit Inflation und steigenden Corona-Patienten

Denn in der offiziellen Statistik würden nur diejenigen erfasst, die einen positiven PCR-Test hätten. „Wir wissen, dass sehr viele Menschen, die zu Hause einen positiven Schnelltest haben, sich zwar in Quarantäne begeben, wie es sein soll, aber keinen PCR-Test mehr machen“, so Jung im SR-Interview.

Starker Anstieg bei Patientenzahlen

Ein wichtiges Indiz für den tatsächlichen Pandemieverlauf ist für Jung die Zahl der Corona-Patienten. 446 Patientinnen und Patienten mit einer Corona-Infektion werden derzeit in saarländischen Krankenhäusern stationär behandelt. Das ist der zweithöchste Wert seit Beginn der Corona-Pandemie, die Zahlen sind in den vergangenen Wochen stark angestiegen.

Unklar ist, bei wie vielen eine Covid-Erkrankung der tatsächliche Einlieferungsbefund ist - und bei wie vielen nur eine Nebenprognose. Daten hierzu liegen dem Gesundheitsministerium nur noch sehr lückenhaft vor.

Jung sieht keinen Handlungsbedarf

Die Saarländische Krankenhausgesellschaft warnt vor einer Eskalation der Lage und verweist darauf, dass bereits wieder planbare Operationen verschoben werden müssen. Das verschärft die sowieso schon sehr kritische finanzielle Lage der Kliniken noch mehr.

Minister Jung sieht allerdings noch keinen akuten Handlungsbedarf. Die Zahl der Corona-Positiven auf den Intensivstationen liege noch in einem relativ niedrigen Bereich und die Zahl derjenigen, die in den letzten Tagen beatmet werden mussten in einem einstelligen Bereich – „also in einem Bereich, der deutlich unter dem liegt, was wir in den vergangenen Zeiten als Spitzenbelastung hatten“, erklärt der Gesundheitsminister.

Gesundheitsminister Jung zur Corona Lage im Saarland
Audio [SR 3, Simin Sadeghi, 06.10.2022, Länge: 04:54 Min.]
Gesundheitsminister Jung zur Corona Lage im Saarland

Vorerst keine schärferen Regeln

Die gerade erst in Kraft getretenen Regeln will Jung dementsprechend vorerst nicht verschärfen. „Wir beobachten die Situation täglich, die Experten kommen im Saarland wöchentlich zusammen und stehen im engen Austausch mit dem Gesundheitsministerium. Derzeit sehen wir allerdings noch keine Notwendigkeit, weitere Maßnahmen zu beschließen.“

Über dieses Thema berichtete die Region am Mittag auf SR 3 Saarlandwelle am 06.10.2022.

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