Eine Ärztin verpackt einen Abstrich von einem möglicherweise Infizierten in eine Plastiktüte.  (Foto: picture alliance/Daniel Reinhardt/dpa)

Corona-Übertragung durch die Luft

Thomas Braun   14.05.2020 | 10:49 Uhr

Von Woche zu Woche, die die Coronapandemie andauert, lernen Wissenschaftler und Mediziner weltweit und in Deutschland mehr über das Virus. Mittlerweile weiß man mehr über die Ausbreitung durch die Luft, typische Symptome oder auch symptomlose und trotzdem ansteckende Verläufe. Ein Überblick.

Nach wie vor geht das Robert-Koch-Institut (RKI) von der Tröpfcheninfektion als Hauptübertragungsweg aus - also der Ansteckung durch kleine Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen einer infizierten Person entstehen. Das geht aus dem fortlaufend aktualisierten Sars-Cov-2-Steckbrief des Instituts hervor. Um gerade diese Ansteckungsgefahr zu minimieren, gilt im Saarland seit einigen Wochen eine Maskenpflicht in bestimmten öffentlichen Bereichen.

Zumindest nicht ausschließen will das RKI auch die Kontaktübertragung durch kontaminierte Oberflächen - insbesondere im direkten Umfeld eines Infizierten.

Übertragung durch Aerosole in der Luft

Vergleichsweise neu ist die Erkenntnis, dass die Übertragung durch Aerosole ebenfalls eine Rolle spielt. Aerosole sind winzig kleine Tröpfchen, die etwa beim Sprechen oder Husten entstehen und sich längere Zeit in der Luft halten. Auch wenn eine abschließende Beurteilung derzeit noch schwierig sei, "weisen die bisherigen Untersuchungen insgesamt darauf hin, dass Sars-CoV-2-Viren über Aerosole auch im gesellschaftlichen Umgang in besonderen Situationen übertragen werden können", formuliert es das RKI noch vorsichtig.

Etwas deutlicher äußert sich der Berliner Virologe Christian Drosten. Er geht von einer "bedeutenden Aerosol-Übertragungskomponente" aus. Auf Basis der bisherigen Studien und eigener Beobachtungen schätzt er deren Anteil an allen Infektionen sogar auf fast die Hälfte, wie er im aktuellen NDR-Podcast sagte.

Ansteckendste Phase bevor Symptome auftreten

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Fragen und Antworten zum Corona-Virus
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Erschwert wird die Eindämmung der Pandemie dadurch, dass viele Infizierte bereits hochansteckend sind, bevor sie überhaupt von ihrer Infektion wissen - falls sie überhaupt jemals Krankheitssymptome entwickeln. Das RKI geht davon aus, dass diese sogenannten präsymptomatischen und asymptomatischen Fälle eine große Rolle bei der Verbreitung des Coronavirus spielen.

Laut RKI liegt die höchste Infektiosität am Tag vor Symptombeginn. Und viele Menschen entwickeln erst gar keine Symptome. In der Heinsberg-Studie des Bonner Virologen Hendrick Streeck und seinem Team lag der Anteil der symptomlosen Infizierten bei 22 Prozent. Eine weitere Studie, auf die das RKI verweist, kommt zu dem Ergebnis, dass in einer kleinen italienischen Gemeinde 43 Prozent aller positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen keine Symptome zeigte.

Inkubationszeit im Mittel bei sechs Tagen

Wenn es doch zu einem Krankheitsausbruch kommt, liegt die Inkubationszeit zwischen Ansteckung und Beginn der Erkrankung im Mittel bei fünf bis sechs Tagen, wobei die Spannweite von einem bis zu 14 Tagen reicht. Wie lange ein Covid-19-Erkrankter ansteckend ist, sei momentan "nicht sicher anzugeben", so das RKI. Aufgrund dieser bis zu zwei Wochen langen Inkubationszeit lässt sich auch erst mit Verzögerung feststellen, welche Auswirkungen die Lockerungen haben, die jetzt nach und nach beschlossen werden.

Kinder stecken sich wohl seltener an - können dann aber ansteckend sein

Unklar ist auch noch, welche Rolle Kinder bei der Ausbreitung der Coronapandemie spielen. "In der Zusammenschau der bisher erhobenen Daten scheinen Kinder etwas weniger empfänglich für eine Sars-CoV-2-Infektion zu sein", heißt es beim RKI. Allerdings gebe es auch erste Studien zur Viruslast bei Kindern, die keinen wesentlichen Unterschied zu Erwachsenen erbracht hätten.

Das bedeutet: Vermutlich stecken sich Kinder nicht so häufig an - sollte es aber dennoch geschehen, sind sie offenbar genauso ansteckend wie Erwachsene. Meist verläuft die Erkrankung bei ihnen harmlos oder sogar komplett symptomlos.

Coronavirus löst auch Herzkrankheiten aus

Neue Erkenntnisse gibt es auch zu den schweren Krankheitsverläufen, die über eine reine Lungenerkrankung hinaus gehen. Zunehmend werde über verschiedene Herz-Kreislauf-Komplikationen und Folgeerkrankungen berichtet, also zum Beispiel Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen oder Thrombosen, heißt es in dem RKI-Steckbrief.

Die häufigsten Krankheitsanzeichen bei den eher milden Verläufen sind Husten, Fieber und Halsschmerzen und gerade in Europa auch häufig zeitweilige Geruchs- und Geschmacksstörungen.

Neun potenzielle Impfstoffe in klinischen Studien

Wann ein Impfstoff zur Verfügung steht, ist derzeit noch unklar. Ende April wurden neun Impfstoff-Kandidaten in klinischen Studien untersucht, weitere Entwickler hätten den Beginn von Studien der ersten klinischen Phase für Mai/Juni angekündigt.

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