Server im Internet-Knotenpunkt der Firma Decix in Frankfurt (Foto: Boris Roessler/dpa)

Mehr Datenverkehr wegen Coronakrise

Axel Wagner   23.03.2020 | 16:51 Uhr

Die Coronakrise sorgt auch im Netz für zusätzliche Belastungen. Viele Beschäftigte arbeiten von zuhause aus, im Home Office, außerdem verzeichnen die Videostreaming-Dienste Zuwachs.

Netflix, Youtube und Amazon Prime hatten Mitte vergangener Woche bereits verkündet, auf Bitten der EU-Kommission die Datenraten für ihr Streaming-Angebot zu reduzieren, damit das Netz nicht überlastet wird. Denn durch die Tatsache, dass viele Menschen derzeit zuhause sind oder im Home Office arbeiten, entsteht viel zusätzlicher Datenverkehr. Der dürfte kommende Woche noch weiter zunehmen, denn am Dienstag startet Disney in Deutschland seinen lange erwarteten Streamingdienst „Disney+“ - allerdings auch das mit reduzierter Datenrate.

Vodafone beobachtet Situation

Das Saarlouiser Internetunternehmen Inexio verzeichnet in der Corona-Krise einen deutlich steigenden Datenverbrauch. In der vergangenen Woche seien rund 40 Prozent mehr Daten verbraucht worden. Die Tendenz sei weiter steigend, heißt es auf SR-Anfrage. Die Netze seien allerdings stabil.

Ähnliches berichten auch die Deutsche Telekom und Vodafone. Dort sieht man aber die Situation bis jetzt gelassen. „Die Netze der Telekom laufen stabil“, sagte Pressesprecher Andre Hofmann auf Anfrage dem SR. Es gebe aktuell keine Einschränkungen. Dennoch begrüße man die Initiative von EU-Kommissar Thierry Breton und die Ankündigung der Contentprovider zur Reduzierung der Netzlast.

Bei Vodafone ist die Datennutzung seit Mittwoch angestiegen. Konzernsprecher Volker Petendorf sagte dem SR, die Netze könnten jedoch ein Vielfaches der bislang verzeichneten Last aufnehmen. Wichtig für datenintensive Dienste wie Videostreaming seien Knotenpunkte, die den Verkehr durchleiten, wie etwa der Decix in Frankfurt. Diese „Peering Points“ beobachte man sehr genau und stimme sich mit anderen Netzbetreibern und weiteren Unternehmen ab, um einer Trafficsteigerung zeitnah begegnen zu können.

Derzeit keine Einschränkungen

„Basierend auf den bisherigen Entwicklungen und Maßnahmen sehen wir in der jetzigen Situation keine Veranlassung, bestimmte Dienste zu depriorisieren“, so Petendorf. Unter einer Priorisierung verstehen Internetprovider, dass bestimmte Daten (z. B. Videostreaming oder Computerspiele) bevorzugt durchgeleitet werden, während andere Dienste nur mit Verzögerung übertragen werden.

In der Vergangenheit hatte es um diese Priorisierung vermehrt Diskussionen gegeben, nachdem in den USA die Regeln zur Netzneutralität, also der Gleichbehandlung aller Daten aufgehoben worden waren.

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