Ein Impfpass liegt auf einer negativen Covid-Test-Bescheinigung (Foto: Sebastian Knöbber/SR)

90 Prozent der neuen Coronafälle betreffen Ungeimpfte

Thomas Braun   03.09.2021 | 14:33 Uhr

Das Coronavirus verbreitet sich aktuell vor allem unter Personen, die noch keinen Impfschutz haben. Wie aus Daten des Regionalverbandes hervorgeht, waren im August über 90 Prozent der positiv getesteten Personen nicht oder nicht vollständig geimpft.

Im August hat der Regionalverband Saarbrücken insgesamt 1001 neue Corona-Fälle verzeichnet. 98 Personen davon - also 9,8 Prozent - waren vollständig geimpft. 93 Personen hatten noch keine abgeschlossene Impfserie.

Von den 98 Personen, die sich trotz vollständiger Impfung mit dem Coronavirus infizierten, hatte ein Viertel gar keine Symptome. Bei den anderen entwickelten sich überwiegend leichte Erkältungssymptome. Zwei der geimpften Personen mussten für eine stationäre Behandlung ins Krankenhaus.

Ähnliche Entwicklung in anderen Bundesländern

Die Entwicklung im Regionalverband deckt sich - zumindest von der Größenordnung her - mit den Erfahrungen in anderen Bundesländern. Bayern zum Beispiel gab am 1. September für Ungeimpfte eine Sieben-Tage-Inzidenz von 158,75 an, bei Geimpften lag die Inzidenz zum gleichen Zeitpunkt bei 11,27.

Für Schleswig-Holstein veröffentlichte die dortige Meldestelle laut NDR Ende August Werte von 104,2 für Ungeimpfte und 8,8 für geimpfte Personen.

Saarland veröffentlicht keine getrennten Inzidenzen

Das saarländische Gesundheitsministerium veröffentlicht derzeit keine Inzidenzen getrennt nach Impfstatus. Das Ministerium verweist darauf, dass die Zahlen einer statistischen Unschärfe unterliegen, da die Fallmeldungen der Gesundheitsämter nach Wohnorten gegliedert werden, die Impfdaten des RKI aber nach Impfstellen. Darin können auch Personen enthalten sein, die zwar im Saarland geimpft wurden, aber nicht hier leben.

14.000 Impfdurchbrüche bundesweit im August

Bundesweit verzeichnete das Robert-Koch-Institut in den vier Augustwochen rund 14.000 wahrscheinliche Impfdurchbrüche - also eine symptomatische Erkrankung trotz vollständigen Impfschutz. Bei den 12- bis 17-Jährigen machten die Impfdurchbrüche 1,1 Prozent aller Coronafälle in diesem Zeitraum aus, wie aus dem wöchentlichen Lagebericht des RKI hervorgeht.

Bei den über 60-Jährigen lag die Quote bei etwa 40 Prozent. In dieser Altersgruppe, in der die große Mehrheit geimpft ist, gab es allerdings insgesamt nur vergleichsweise wenige Fälle.

Hohe Impfeffektivität in allen Altersgruppen

Insgesamt geht das RKI anhand der aktuellen Daten davon aus, dass eine Impfung unter den 18- bis 59-Jährigen zu 84 Prozent vor einer Erkrankung schützt, zu 95 Prozent vor einer Hospitalisierung und zu 100 Prozent vor einem tödlichen Verlauf.

Bei den über 60-Jährigen liegt die geschätzte Impfeffektivität nur leicht darunter. Das RKI verweist allerdings darauf, dass aufgrund von teilweise unvollständigen Daten zum Impfstatus der Covid-Fälle sowie einem unterschiedlichen Testverhalten von Geimpften und Ungeimpften die Effektivität etwas überschätzt werden könnte.

Drosten: Impfquote reicht absolut nicht aus

Im Saarland sind derzeit 67,1 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, bundesweit liegt die Quote bei 61 Prozent. Aus Sicht des Virologen Dr. Christian Drosten ist das viel zu wenig. "Mit dieser Impfquote können wir nicht in den Herbst gehen. Das reicht absolut nicht aus", sagte Drosten diese Woche in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Schon im Mai hatte der Virologe in dem NDR-Podcast "Coronavirus Update" betont, dass jeder, der sich nicht impfen lässt, sich irgendwann mit Corona infizieren wird.

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