Symboldbild mit Coronavirus und Saarlandkarte (Foto: SR/Jens Gerlach)

Wo sich Corona aktuell im Saarland ausbreitet

  16.10.2020 | 07:44 Uhr

Ein großer Teil der Corona-Neuinfektionen im Saarland geht auf Ausbruchsherde in nur wenigen Kommunen zurück. Ein Hotspot liegt dabei im nordöstlichen Saarland.

Die vier Nachbargemeinden Marpingen, St. Wendel, Illingen und Ottweiler sind aktuell saarlandweit mit am stärksten von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen. Mehr als ein Drittel der rund 470 Fälle aus den vergangenen sieben Tagen wurden aus diesen vier Kommunen gemeldet. Auch im daran angrenzenden Heusweiler sind binnen sieben Tagen 30 neue Fälle aufgetreten - dort zum Großteil in mehreren Familienclustern.

Zwei weitere räumliche Cluster

Weitere vergleichsweise hohe Zahlen gibt es in der Landeshauptstadt Saarbrücken und dem benachbarten St. Ingbert, sowie in den beiden Nachbarkommunen Mettlach und Merzig. Alleine die Fälle aus diesen neun Städten und Gemeinden machen knapp 70 Prozent aller Neuinfektionen seit dem 7. Oktober aus.

Was sind Cluster?

Cluster stammt aus dem englischen und kann mit Bündel, Haufen oder Gruppe übersetzt werden. Gemeint sind damit verschiedene Einzelelemente, die als Einheit betrachtet werden können, weil sie beispielsweise in einem räumlichen oder kausalen Zusammenhang stehen.

Zusätzlich meldet der Kreis Saarlouis derzeit für Saarlouis, Dillingen und Lebach eine erhöhte Zahl an aktiven Fällen, die teilweise wieder auf Cluster zurückgeführt werden können. Wie etwa den Ausbruch an einer Lebacher Grundschule. Zwar gibt es auch in fast allen anderem Städten und Gemeinden aktuell wieder Neuinfektionen - ganz oft sind es aber nur ein, zwei oder auch mal vier Fälle.

Diffuses Geschehen - oder doch Cluster als Treiber?

Etliche der Fälle können zurückgeführt werden auf Zusammenkünfte im Privaten, Ausbrüche innerhalb eines Haushaltes oder vereinzelt auch mal einen größeren Ausbruch an einer Schule. Bei anderen Fällen bleibt die Ansteckungsquelle aber unklar - den Ämtern bietet sich zusehends der Eindruck eines diffusen Infektionsgeschehens.

In der aktuellen Folge des NDR-Podcasts "Coronavirus Update" betont der Virologe Christian Drosten aber noch einmal, dass dieser diffuse Eindruck vermutlich nicht der realen Virusverbreitung entspricht. Vielmehr sieht er weiter Cluster als Treiber des Infektionsgeschehens - nur könnten sich viele Menschen eben nicht mehr an Gefährdungssituationen erinnern, in denen sie sich vor sieben oder zehn Tagen befunden hätten.

Kontakttagebuch als Gedankenstütze

Deshalb plädiert Drosten dafür, dass die Menschen ein Kontakttagebuch führen - einfach auf einem Notizblock oder im Smartphone. Dass sie sich also Situationen notieren, in denen man tagsüber mit vielen Menschen zusammen war. Das könne später bei der Kontaktnachverfolgung und bei der Ermittlung der Quellcluster helfen.


Hinweis: Aus dem Kreis Saarlouis liegen derzeit keine Informationen über die Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen vor, sondern nur eine Übersicht über die derzeit aktiven Fälle. Da die Infektion aber auch schon länger als sieben Tage zurückliegen kann, sind die Zahlen nicht direkt vergleichbar.

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