Eine Frau mit Schal und Decke hält eine Teetasse in Händen (Foto: dpa/Ole Spata)

Weniger herkömmliche Infektionskrankheiten

Thomas Braun   04.11.2020 | 16:49 Uhr

Während sich das Coronavirus aktuell wieder rasant ausbreitet, gibt es in dieser Herbst- und Wintersaison erwartungsgemäß noch kaum Grippefälle. Generell wurden das gesamte Jahr über bislang deutlich weniger Infektionskrankheiten beim RKI erfasst als im Jahr zuvor.

Die strengen Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Virusverbreitung wirken sich offenbar auch auf andere Infektionskrankheiten aus. Das zeigen unter anderem Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI), das seit mehreren Jahren regelmäßig Daten zu meldepflichtigen Infektionskrankheiten in den Bundesländern veröffentlicht.

Danach liegt die Zahl der gemeldeten Fälle bei häufigen auftretenden Infektionen zum Beispiel mit dem Rota- oder dem Norovirus deutlich unter den Werten des Vorjahres.

Zwar gab es im Saarland bei vereinzelten Krankheiten, etwa einer Hepatitis-Infektion oder Tuberkulose, auch etwas mehr Fälle als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Allerdings waren die Fallzahlen dort insgesamt vergleichsweise niedrig. Bundesweit betrachtet - also bei insgesamt höheren Fallzahlen - war auch bei diesen Krankheiten ein Rückgang zu beobachten.

Grippewelle noch nicht in Sicht

Die Grippe bzw. Influenza spielt in diesem Herbst erwartungsgemäß noch keine Rolle. Der Höhepunkt der saisonalen Grippewelle tritt meistens im Frühjahr auf, wie auch der Vorsitzende des Saarländischen Hausärzteverbandes, Dr. Michael Kulas, erklärt. "Für eine Influenza an sich ist es noch viel zu früh. Die erwarten wir erst in zwei bis zweieinhalb Monaten." Zwar werden auch jetzt schon regelmäßig Proben auf Influenza-Viren untersucht - beim Bioscentia-Labor in St. Ingbert wurden in den beiden vergangenen beiden Wochen zum Beispiel jeweils 150 Proben ausgewertet. Aber nur in den seltensten Fällen gab es einen positiven Befund.

Ähnliches Bild am Uniklinikum in Homburg: Dort werden seit vier Jahren bei Patienten, die stationär aufgenommen werden sollen und Erkältungssymptome zeigen, Labortests gemacht und in einem Virusbarometer erfasst. Dabei werden die Proben mittels "Multiplex-Methode" auf alle gängigen Erkältungsviren untersucht. Überwiegend wurden dort in den vergangenen Wochen Sars-Cov-2- und Rhinoviren nachgewiesen, wie aus dem Virusbarometer der Homburger Virologie hervorgeht. Rhinoviren sind die beim Menschen am meisten verbreiteten Viren und am häufigsten für eine Erkältung verantwortlich. Influenza-Nachweise gab es an der Uniklinik in den vergangenen Wochen noch nicht.

Mehr Arztbesuche, aber weniger schwere Erkrankungen

Generell beobachten die Hausärzte, dass insbesondere in den beiden vergangenen Wochen vermehrt Patienten mit Erkältungssymptomen in die Praxen kommen, wie der Verbandsvorsitzende Dr. Kulas erklärt. Viele seien verunsichert und wollten abklären lassen: Könnte ich Corona haben? Bei eindeutigen Symptomen werde ein Abstrich gemacht, oft handele es sich aber auch um eine harmlose Erkältung, die zudem deutlich schneller abklinge, als in früheren Jahren zu beobachten war.

Das spricht dafür, dass die Patienten jetzt auch schon mit leichten Atemwegsinfekten aus Verunsicherung einen Arzt aufsuchen - Infekte, die sie in früheren Jahren womöglich alleine zuhause auskuriert hätten. Kulas hält diese Erklärung für durchaus plausibel, kann es aber nicht mit Sicherheit bestätigen. Die Beobachtung des Hausarztes deckt sich aber mit den Daten zu Grippe- und Atemwegserkrankungen beim RKI. Die an einer regelmäßigen Influenza-Überwachung teilnehmenden Praxen meldeten zuletzt eine steigende Patientenzahl. Gleichzeitig zeigen die RKI-Daten, dass es aktuell weniger akute Atemwegsinfekte gibt als in früheren Jahren.

Weniger Krankschreibungen wegen Atemwegsinfekten

Daten der Krankenkassen zeigen, dass es noch Anfang Oktober deutlich weniger Krankschreibungen wegen Atemwegserkrankungen gab als im Vorjahr. Nach Angaben der Barmer lag die Zahl im Saarland - bezogen auf ihre Versicherten - rund ein Drittel niedriger als im Vorjahreszeitraum. Dies lasse sich nicht nur durch die unterschiedlichen Witterungsbedingungen erklären, sondern sei auf die Einhaltung der AHA-Regeln zurückzuführen, sagte Barmer-Landesgeschäftsführerin Dunja Kleis.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 04.11.2020 berichtet.

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