Corona-Patientin auf einer Intenstivstation (Foto: picture alliance/dpa | Friso Gentsch)

Rissland wagt keine Prognose für den Herbst

  27.08.2022 | 12:15 Uhr

Die Omikron-Welle ebbt bundesweit ab. Das hat das Robert-Koch-Institut am Donnerstag bekannt gegeben. Der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland ist mit Blick auf das Saarland vorsichtig. Die Lage in den Kliniken sei weiter angespannt. Und er rät dazu, sich weiterhin impfen zu lassen.

„Übereinstimmend zeigen diese Daten, dass auch bei verlaufenden Erkrankungen der Höhepunkt der aktuellen Welle überschritten ist“, heißt es im Wochenbericht zur Corona-Pandemie, den das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstag veröffentlicht hat. Auch wenn das RKI das nicht als Entwarnung verstanden wissen will – die Omikron-Welle flacht sich ab.

Rissland wagt keine Prognose für den Herbst
Audio [SR 3, Simin Sadeghi / Jürgen Rissland, 27.08.2022, Länge: 05:40 Min.]
Rissland wagt keine Prognose für den Herbst

Personalmangel, Urlaub und Erkrankungen

Das registriert auch der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland im Saarland. Grund zur Entwarnung sieht er aber nicht und verweist auf die Lage in den Krankenhäusern, besonders auf den Intensivstationen. „Wir merken, dass bei uns die Personalsituation nach wie vor angespannt ist.“

Der seit Langem bestehende und hinlänglich bekannte Pflegekräftemangel werde noch verstärkt durch die Urlaubssituation und Erkrankungen beim Personal, so Rissland. „Ja, die Welle ebbt etwas ab. Aber es ist nach wie vor noch eine nennenswerte Belastung des Systems vorhanden.“

Nicht auf neuen Impfstoff warten

Bei den Infektionen vorherrschend sei aktuell die Omikron-Subvariante BA.5. Im Vergleich zu ihren Vorläufern BA.1 und BA.2 sei sie deutlich leichter übertragbar und führe auch zu mehr Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Man könne sich auch innerhalb der Varianten reinfizieren, so Rissland, weshalb die Omikron-Welle auch länger andauere.

Pharmahersteller Biontech will Ende September einen angepassten Impfstoff für die Omikron-Variante liefern. Bei der sieht Rissland allerdings keinen großen Vorteil gegenüber dem bisherigen Impfstoff. „Auch wenn man sich jetzt noch mit dem Standardimpfstoff impfen lässt, hat das durchaus Vorteile. Das heißt, es ist tatsächlich immer noch besser, als in irgendeiner Weise ungeschützt zu sein.“

Eine Impfung, so Rissland, auch eine vierte, schütze gegen schwere Verläufe. „Reinfektionen bedeuten auch immer wieder ein erhöhtes Risiko für Langzeitschäden.“

Keine Prognose für den Herbst möglich

Eine Prognose für den Herbst hält Rissland für schwierig. Er ist dazu im engen Austausch mit Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes, der regelmäßig Prognosen für die Entwicklung der Fallzahlen erstellt.

Die BA.5-Welle, so Rissland, könnte mit Urlaubsrückkehrern und dem Ende der Schulferien noch einmal angeheizt werden. Hinzu kommt das mutmaßlich schlechtere Wetter im Herbst, das zu mehr Aufenthalten in Innenräumen führt. Eine große Unwägbarkeit gibt es auch noch – eine mögliche neue Virusvariante. „Das kann momentan keiner so richtig vorhersehen.“ In jedem Fall sollten sich die Saarländerinnen und Saarländer vorsichtshalber auf eine neue Corona-Welle vorbereiten.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Mittag vom 27.08.2022 berichtet.

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