Ein Mitarbeiter eines Labors hält einen Ständer mit diversen Rachenabstrichröhrchen in den Händen.  (Foto: dpa/Felix Kästle)

Mehr Kontrolle durch repräsentative Tests?

  07.04.2020 | 07:31 Uhr

Wie viele Menschen sind tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert? Sind die Anti-Corona-Maßnahmen wirkungsvoll? Wie und wann können sie wieder aufgehoben werden? Antworten auf diese Fragen sollen repräsentative Tests bringen. Auch im Saarland wird die Möglichkeit geprüft.

Repräsentative Auswertungen funktionieren bei Bundestagswahlen, und sie würden auch in der Corona-Krise funktionieren, sagt Professor Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel. Gegenüber den Zahlen des Robert Koch-Instituts, das die von den Gesundheitsämtern bestätigten Infektionen sammelt, hätten repräsentative Corona-Tests einen entscheidenden Vorteil: Sie würden bereits frühzeitig Aufschlüsse über einen Trend geben.

"Breitentests nach statistischen Methoden wären daher eine wichtige Ergänzung und vor allem für die Planung weiterer Maßnahmen, zur Pandemieeindämmung, aber vor allem auch für eine Rückkehr zur Normalität, extrem wichtig", so Felbermayr. Mit der statistischen Methode könnte man seiner Überzeugung nach relativ genau feststellen, wie viele Menschen in Deutschland infiziert sind und vor allem, wie wirkungsvoll die beschlossenen Maßnahmen sind.

Behördliche Tests haben Vorrang

Bundesweit wären dafür nach Schätzungen des Instituts regelmäßige Test bei einer Gruppe von rund 10.000 Personen nötig. Die recht hohe Zahl erklärt sich daraus, dass in Deutschland noch relativ wenige Menschen infiziert sind. Die Gruppe würde so ausgewählt, dass sie im Blick auf entscheidende Merkmale wie Alter, Geschlecht, Einkommen, Wohnsituation genauso zusammengesetzt ist wie die Bevölkerung der Bundesrepublik als Ganzes.

Felbermayr betont: Die Tests müssten weniger aufwendig sein als die aktuell durchgeführten behördlichen Tests. Die hätten bei knappen Laborkapazitäten Vorrang. Um einen Pandemieverlauf skizzieren zu können, würden laut Felbermayr einfache Antikörpertests reichen. "Es müssen nicht die aufwendigen Tests der Gesundheitsämter sein. Laborkapazitäten würden also im Vergleich weit weniger strapaziert und die Kosten wären geringer."

Keine Klarheit im Saarland

Dass repräsentative Tests auch im Saarland nötig sind, davon ist Jochen Flackus, Parlamentarischer Geschäftsführer der Linken im Land, überzeugt. "Wir wissen gar nicht, wie die Faktenlage wirklich ist", sagte er am Montag vor Journalisten. Verkürzte Meldungen mit der Zahl von Infizierten und Toten seien falsch, da niemand wisse, wie viele Menschen im Saarland tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert seien, wie viele inzwischen geheilt und wie viele wirklich an dem Virus gestorben seien. Die Linken schlagen vor, 2000 repräsentativ ausgesuchte Personen jetzt und in zehn Tagen noch einmal zu testen.

Bereits am Freitag hatte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Magnus Jung (SPD), gegenüber dem SR gesagt, Vertreter des Gesundheitsministeriums hätten dem Ausschuss zugesichert, zu prüfen, wie solche Tests organisiert werden könnten. Auf dieser Grundlage könne dann statistisch hochgerechnet werden, wie viele Menschen das Virus in sich tragen und wie viele von ihnen Symptome entwickeln und andere anstecken. Zuvor hatte Jung Zweifel an der Aussagekraft der aktuellen Datenbasis angemeldet.

CDU-Fraktionschef Alexander Funk sagte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur allerdings, repräsentative Corona-Untersuchungen, wie sie etwa in Bayern durchgeführt werden, seien im Saarland derzeit nicht geplant.

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