Saarlandkarte mit den Landkreis-Grenzen vor einer Joggerin in Saarbrücken Innenstadt (Foto: Sebastian Knöbber/SR)

Obergrenze für Neuinfektionen

Axel Wagner   07.05.2020 | 11:21 Uhr

50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner über einen Zeitraum von sieben Tagen – das ist die Grenze, ab der Regionen die Corona-Schutzmaßnahmen wieder hochfahren müssen. „Das ist nicht viel“, meint der Saarlouiser Landrat Patrick Lauer. „So ein Zustand kann relativ schnell eintreten.“ Virologe Dr. Jürgen Rissland von der Uniklinik Homburg hält die Zahl für einen guten Richtwert.

„Momentan sind wir ja in einer Phase, wo wir wirklich sehr wenige Neuinfektionen haben“, sagte Rissland im SR-Interview. Wenn aber die Zahlen wieder steigen sollten, könne man auch schnell in eine Dynamik geraten, die nur noch begrenzt zu kontrollieren sei. „Deswegen ist die 50 ein Maß, dass man schon sehr sorgsam im Auge haben muss.“ Die Entscheidung, die Bemessungsgröße auf die Regionen zu verlagern, hält Rissland für einen guten Kompromiss. Es gebe regional durchaus deutliche Unterschiede.

Regional deutliche Unterschiede

Vorsitzender Landkreistag: "So ein Zustand kann relativ schnell eintreten"
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel, 07.05.2020, Länge: 03:59 Min.]
Vorsitzender Landkreistag: "So ein Zustand kann relativ schnell eintreten"

Der Saarlouiser Landrat Patrick Lauer sagte dem SR, bei steigenden Infektionszahlen müsse der Landkreis von Fall zu Fall entscheiden. „Ist es ein Geschehen, dass sich jetzt auf eine Gemeinde begrenzt, möglicherweise sogar auf eine Einrichtung, ein Industrieunternehmen, auf ein Krankenhaus oder eine Schule? Dann würde man da isolieren. Oder ist es ein Geschehen, dass sich über den ganzen Landkreis erstreckt? Dann müsste man natürlich weitergehende Maßnahmen ergreifen. Das ist etwas, was wir auf keinen Fall wollen. Deshalb ist auch jetzt ein gehöriges Maß an Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger gefragt.“

„Wir kriegen jetzt wieder Freiheiten, die wir uns lange ersehnt haben. Es liegt an uns, wie verantwortungsvoll wir mit diesen neu gewonnenen Freiheiten umgehen.“

Für die Landkreise sieht Lauer in den Beschlüssen eine gewaltige Herausforderung. Im 195.000 Einwohner starken Kreis Saarlouis liegt die Obergrenze nach den neuen Vorgaben bei 100 Fällen pro Woche – für Lauer nicht viel. Anfang April habe man in einer Woche 250 Fälle gehabt. 100 Fälle, das seien 14 am Tag, „und die haben wir ganz schnell zusammen“. „Deshalb kann ich hier nur an die Bürgerinnen und Bürger appellieren, sich jetzt nicht in einer trügerischen Sicherheit zu wiegen, sondern sehr diszipliniert zu bleiben. Wir kriegen jetzt wieder Freiheiten, die wir uns lange ersehnt haben. Es liegt an uns, wie verantwortungsvoll wir mit diesen neu gewonnenen Freiheiten umgehen.“

Stigmatisierung vermeiden

Lauer sagte, er wolle nicht, dass sein Landkreis als erster wegen steigender Infektionszahlen wie Heinsberg stigmatisiert werde, „weil er nochmal alles hochfahren musste“. Auch keiner seiner Landratskollegen wolle das.

Dass die Landkreise stärker in die Verantwortung genommen werden, ist für Lauer, der auch Vorsitzender des Landkreistages ist, ein vernünftiger Kompromiss. Auch die Landesgesundheitsbehörden seien mit im Boot und müssten erforderliche Maßnahmen gemeinsam abstimmen. Es sei eine Gemeinschaft von Land, Landkreis und Gemeinde.

Neuinfektionen zuletzt deutlich unter Grenzwert

Derzeit liegen die Zahlen der Neuinfektionen der letzten sieben Tage in allen saarländischen Landkreisen deutlich unter dem kritischen Wert von 50 (siehe Grafik). Im Regionalverband Saarbrücken verzeichnete man zuletzt am 14. April mehr als 50 Neuinfektionen innerhalb der letzten sieben Tage. Seitdem ist die Zahl deutlich zurückgegangen. Ähnlich sieht es auch im Saarpfalz-Kreis, dem Landkreis Saarlouis und Merzig-Wadern aus. In den Landkreisen Neunkirchen und St. Wendel wurde der Wert von 50 noch nie erreicht.

Über dieses Thema hat auch SR3 Guten Morgen vom 07.05.2020 berichtet.

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