Feldbetten in einer zum Corona-Notfallzentrum umfunktionierten Sporthalle (Foto: picture alliance/Thomas Frey/dpa)

Kliniken und Hallen werden zu Corona-Zentren

mit Informationen von Carolin Dylla und Nelly Theobald   26.03.2020 | 18:19 Uhr

Das Saarland bereitet seine medizinische Infrastruktur auf einen Anstieg an Corona-Patienten vor. Drei Krankenhäuser werden zu Corona-Zentren ausgebaut, weitere zu Corona-Kliniken. Außerdem sollen saarlandweit Hallen zu Corona-Notfallzentren umfunktioniert werden.

Sollten Krankenhäuser und Reha-Kliniken im Saarland bei der Versorgung von Corona-Patienten an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, dann sollen bald auch Hallen zur Verfügung stehen, um diese Engpässe abzufangen. Das seien ausdrücklich keine "Lazarette" heißt es sowohl aus dem Innen- als auch dem Gesundheitsministerium, sondern "Betreuungsstellen" oder "Versorgungseinrichtungen". In denen sollen aber durchaus Patienten mit leichten Krankheitsverläufen behandelt werden oder Menschen, die normalerweise zur Behandlung ins Krankenhaus verwiesen werden, dort aber keinen Platz mehr bekommen würden.

Die Hallen werden nach Größe, Lage und Verkehrsanbindung ausgewählt und sollen nach Möglichkeit flächendeckend über die Landkreise verteilt werden. Eine abschließende Auswahl soll laut Gesundheitsministerium am Freitag getroffen werden. Wie viele Hallen für die Behandlung von Patienten hergerichtet werden, ist allerdings noch unklar. Die tatsächliche Herrichtung der Hallen laufe dann in Absprache mit den Kommunen. Frühere Angaben, dass 18 Hallen umfunktioniert werden sollen, hat das Ministerium wieder zurückgenommen.

Video [aktueller bericht, 26.03.2020, Länge: 3:07 Min.]
Landesregierung plant Kategorisierung von Krankenhäusern

UKS, Winterberg und SHG Völklingen werden Corona-Zentren

Außerdem sollen im Kampf gegen das neuartige Virus das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg, die Saarbrücker Winterberg-Kliniken und die SHG-Klinik in Völklingen als sogenannte Corona-Zentren fungieren, in denen schwerste Fälle behandelt werden. Als Corona-Kliniken sollen fünf bis sechs Krankenhäuser im Saarland definiert werden, die sich um infizierte Personen und Patienten mit mittelschwerem Krankheitsverlauf kümmern sollen. Welche das sein werden, steht noch nicht fest. Als möglicher Standort gilt die Marienhausklinik in Ottweiler, was die bereits angekündigte Verlegung des regulären Krankenhausbetriebes nach St. Wendel noch beschleunigen dürfte.

In den Krankenhäusern werden Betten zur Intensivbehandlung und Beatmungsplätze aufgestockt, so das Gesundheitsministerium. In Homburg beispielsweise stehen 200 Beatmungsplätze zur Verfügung. Zudem sei in den letzten Tagen eine große Zahl interner und externer Quarantäneplätze für Behindertenpflegeeinrichtungen geschaffen worden. Auf dem Saarbrücker Winterberg wurde eine zusätzliche Intensivstation eingerichtet.

Auch habe die Landesregierung den Einrichtungen finanzielle Mittel in Millionenhöhe zur Verfügung gestellt, um weitere Schutzausrüstung zur sicheren Versorgung der saarländischen Krankenhäuser vorzuhalten. „Diese wird in enger Abstimmung mit den betroffenen Einrichtungen zielgenau und am Bedarf ausgerichtet verteilt“, sagte Staatssekretär Stephan Kolling (CDU).

Erstes Zentrum entsteht in Marpingen

Ein erstes Corona-Zentrum entsteht für den Kreis St. Wendel in Marpingen. Insgesamt können dort 400 Menschen in der Schulturnhalle der Gemeinschaftsschule, zwei weiteren Hallen und zur Not auch der Schul-Aula behandelt werden. „Der Stab hat uns informiert, dass dieser Standort der beste wäre von den drei ausgesuchten“, erklärt Bürgermeister Volker Weber. „Deshalb wurde das hier ausgewählt, und ich habe auch gesagt: Solidarität muss hier auch gelten.“

Zwischen den Feldbetten sollen noch Sichtwände aufgestellt werden. In Lehrgängen hat man den Umgang mit solchen Szenarien schon geübt – jetzt wird es ernst. „Es ist im Moment noch irgendwas Unbestimmtes“, sagt Dirk Schäfer vom operativ-taktischen Stab des Landkreises St. Wendel. „Man bereitet sich auf etwas vor, aber letzten Endes muss man abwarten, wie sich die Situation entwickelt.“

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 26.03.2020 berichtet.

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