Abstandregelung auf einem Schild. (Foto: Sebastian Knöbber/SR)

Niedrige Infektionszahlen trotz vieler Lockerungen

Thomas Braun / Interview: Frank Hofmann   06.06.2020 | 11:16 Uhr

Trotz der zahlreichen Lockerungen sind die Infektionszahlen mit dem Coronavirus im Saarland weiter niedrig. Für den Virologen Dr. Jürgen Rissland ist das nicht überraschend. Bei der nun anstehenden weiteren Kita-Öffnung empfiehlt er, nicht nur auf die Kinder, sondern vor allem auf die Erwachsenen im familiären Umfeld zu schauen.

In den vergangenen Wochen sind die Coronamaßnahmen im Saarland immer weiter gelockert worden: Geschäfte und Restaurants sind wieder geöffnet, in begrenztem Umfang darf man sich wieder mit Familie und Freunden treffen - dennoch bleiben die Infektionszahlen auf einem niedrigen Niveau.

In den vergangenen sieben Tagen gab es saarlandweit gerade einmal 17 neue bestätigte Fälle. Als aktuell erkrankt gelten 44 Personen. Zum Vergleich: In der Hochphase der ersten Infektionswelle Anfang April waren es wöchentlich mehr als 600 Neuinfektionen, rund 1400 Personen waren zeitgleich erkrankt.

Die Menschen halten sich an die Regeln

Jürgen Rissland über die aktuelle Corona-Situation.
Audio [SR 3, (c) SR, 06.06.2020, Länge: 05:08 Min.]
Jürgen Rissland über die aktuelle Corona-Situation.

Für den Virologen Dr. Jürgen Rissland von der Homburger Uniklinik ist diese Entwicklung allerdings nicht überraschend. "Zuerst muss man noch einmal einen Blick zurückwerfen. Wir haben durch die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens massiv Kontakte reduziert. Wir haben dem Virus die Luft zum Atmen genommen", sagte Rissland am Samstag im SR 3-Interview.

Die danach erfolgten Lockerungen seien nicht unkontrolliert erfolgt, sondern stets durch entsprechende Hygienekonzepte begleitet worden. "Und die Menschen halten sich daran - weitestgehend zumindest. Das trägt dazu bei, dass die Infektionszahlen derzeit immer noch niedrig sind", sagte Rissland.

Corona-Ausbrüche weiter möglich

Zu sehr in Sicherheit wähnen dürfe man sich allerdings auch nicht, wie man an der Entwicklung in anderen Bundesländern sehen könne. "Wenn die Regeln nicht konsequent durchgehalten werden, kann es auch immer wieder Ausbrüche geben", so Rissland.

In Göttingen etwa hatten sich mehr als 120 Menschen offenbar nach privaten Feiern infiziert - darunter auch zahlreiche Kinder. Daher wurden in der Stadt zeitweise wieder die Schulen geschlossen. Im niedersächsischen Landkreis Leer hatten sich Gäste bei einer Restaurant-Wiedereröffnung angesteckt - bei mehreren Dutzend wurde kurz darauf eine Virusinfektion festgestellt, knapp 300 Menschen mussten in Quarantäne.

Maskentragen eine "hilfreiche Komponente"

Um die Infektionszahlen weiter niedrig zu halten, ist aus Risslands Sicht vor allem wichtig, sich weiter an das Abstandsgebot zu halten. Aber auch das Maskentragen sei eine "hilfreiche Komponente". "Es ist nicht die einzelne Maßnahme, die jetzt den durchschlagenden Erfolg bringt", sagte der Virologe. "Aber wenn man Sachen miteinander kombiniert, tragen sie zusammen dazu bei, dass es besser wird."

Kita-Öffnung: Vor allem auf die Eltern schauen

Unklar ist, was nach Montag passiert, wenn wieder deutlich mehr Kinder in die Kitas gehen. Auch wenn die Gruppen untereinander getrennt sind - innerhalb der Gruppen wird das Abstandhalten kaum möglich sein. "Es gibt noch Unklarheit darüber, welche Rolle Kinder bei dem ganzen Infektionsgeschehen spielen", sagte Rissland.

Es gebe Daten, die darauf hinwiesen, dass Kinder praktisch keine so große Rolle spielten. Umgekehrt gebe es aber auch Studien, nach denen von Kindern doch eine Infektionsgefahr ausgehe. "Vielleicht weniger in dem Sinne, dass Kinder krank werden, aber dass Kinder diese Infektion auch in ihr familiäres Umfeld eintragen können", sagte Rissland.

Das bedeutet, dass vor allem die Eltern Krankheitssymptome entwickeln könnten. Deshalb müsse man in den nächsten Wochen darauf achten: "Was passiert denn vor allen Dingen im Erwachsenenbereich - weniger im Kinderbereich."

Über dieses Thema berichtete SR 3 Saarlandwelle am 06.06.2020 in der Sendung Guten Morgen.

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