Tobias Hans mit Patrick Weiten in Metz im Rahmen eines Treffens zur Deutsch-französischen Freundschaf (Foto: Staatskanzlei Saarland / LvH)

Hans und Weiten beschwören deutsch-französische Freundschaft

Bettina Rau   26.06.2020 | 19:25 Uhr

Die Grenzmaßnahmen in der Corona-Krise haben die deutsch-französische Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans hat sich darum am Freitag auf den Weg gemacht, um bei seinem Kollegen vom Département Moselle, Patrick Weiten, möglichst viel zerschlagenes Porzellan zu kitten.

Fünf Minuten zu früh ist der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) am Vormittag zum Fototermin beim Département Moselle in Metz dran. Typisch deutsch für die Franzosen, aber damit wird gleich klar, wie wichtig dieses Treffen für den Saarländer ist. Der Präsident des Départements, Patrick Weiten, empfängt die Deutschen betont herzlich. Eine Krise kann die Freundschaft nicht zerstören - das ist das Motto dieses Treffens.

Tobias Hans zu Besuch in Metz
Video [SR Fernsehen, aktueller bericht, 26.06.2020, Länge: 03:01 Min.]
Tobias Hans zu Besuch in Metz

In beiden Ländern gab es lange Wochen mit harten Einschränkungen. Hans und Weiten tauschten sich in dieser Zeit regelmäßig per Videokonferenz aus. Ein persönliches Treffen war überfällig, es sollte nun Einigkeit betonen. Hans entschuldigt sich in aller Form dafür, dass sich französische Mitbürger ausgegrenzt gefühlt hätten. "Nationale Mechanismen" hätten plötzlich wieder gegriffen, so der Saarländer. Angesichts explodierender Infektionszahlen seien die Grenzschließungen aber ein nachvollziehbarer Akt gewesen, zumal Frankreich im März Testkapazitäten fehlten.

"Nicht zur Strategie in Deutschland gepasst"

"Das war zum damaligen Zeitpunkt sicherlich ein Akt der Hilflosigkeit, aber es war notwendig, die Mobilität einzuschränken", erklärt Hans. "Es gab eine völlig unterschiedliche Herangehensweise in Frankreich, wo man auch sehr früh Restaurants und Schulen geschlossen hat, weil man aufgehört hatte, Nachverfolgung zu betreiben, und weniger getestet hat. Das hat nicht zur Strategie in Deutschland gepasst."

Dass die saarländische Landesregierung voll hinter den Grenzschließungen stand, blendet der Präsident des Départements diplomatisch aus. Die Grenzschließungen seien das Werk von Berlin, so Weiten. Die Saarländer hätten für Erleichterungen gekämpft. "Das war eine einseitige Entscheidung aus Berlin, die Konsequenzen wurden dort nicht abgeschätzt. Wir waren zutiefst schockiert, wir kennen die Grenzen nicht mehr, sie sind verschwunden. Wir haben Barrieren, den Zoll und Polizisten entfernt, und wir leben und bewegen uns frei. Dass die Grenzen wiederkamen, damit kamen leider auch schlechte Erinnerungen hoch: Teils bewaffnete Polizisten haben einen angehalten, die verboten haben auf die andre Seite der Brücke zu gehen. Das waren harte, dramatische, dunkle Stunden."

Symbolik und freundschaftliche Gesten

Den Franzosen hilft, dass Bundespolizei, nicht saarländische Beamte teils hart an den Grenzen kontrolliert haben. Bei dem Besuch von Hans wird an Symbolik nicht gespart und auch nicht an freundschaftlichen Gesten. Die Tatsache, dass das Saarland französische Patienten aufgenommen hat und beim Testen Hilfe anbot, wird von den Gastgebern gewürdigt.

Eines beschwören Deutsche und Franzosen: Die Zusammenarbeit soll intensiviert und die Grenzen nicht mehr so einfach geschlossen werden. Die Krise habe die deutsch-französische Freundschaft sogar noch gestärkt, so das Fazit des Besuchs. Eine Interpretation der problematischen Vorgänge, die jetzt nur noch unters Volk gebracht werden muss.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht im SR Fernsehen am 26.06.2020 berichtet.

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