Tobias Hans spricht bei der Pressekonferenz (Foto: SR)

Ausgangsbeschränkung in Kraft

Janek Böffel / Daniel Weiland   21.03.2020 | 08:30 Uhr

Seit Mitternacht gilt im Saarland eine Ausgangsbeschränkung. Restaurants und Friseure müssen schließen, viele Geschäfte bleiben allerdings zunächst weiterhin geöffnet, erläuterte Ministerpräsident Hans. Die Regelung ist vorerst auf zwei Wochen befristet.



Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte den ersten Schritt gemacht, binnen kurzer Zeit zieht nun das Saarland nach: Es gibt eine sogenannte Ausgangsbeschränkung - und damit nicht das schwerste Geschütz, also eine Ausgangssperre nach französischem Vorbild. Das bedeutet, neben Arzt, Arbeit und Lebensmitteleinkäufen werden Spaziergänge weiterhin möglich sein, aber nur im kleinen Kreis, etwa der Familie.

Video [aktueller bericht, 20.03.2020, Länge: 7:45 Min.]
Interview mit Tobias Hans zur Ausgangsbeschränkung

Außerdem wird das Freizeit-Angebot weiter deutlich eingeschränkt. Friseure und Kosmetiker, für die es zuletzt noch Sonderregelungen und Ausnahmen gegeben hatte, müssen schließen. Das gilt auch für Restaurants. Zugelassen sind nur noch Angebote zum Mitnehmen oder Lieferservice.

Weiterhin erlaubt:

Bei vorliegen triftiger Gründe dürfen Saarländer weiter das eigene Haus und den eigenen Garten verlassen. Dazu gehören:

  • Ausübung beruflicher Tätigkeit
  • Inanspruchnahme von Notbetreuung
  • Ablegen von Prüfungen
  • Medizinische Notfälle, auch für Tiere
  • Arztbesuche und Behandlungen
  • Blutspenden
  • Besuche bei Angehörigen, denen man helfen möchte
  • Versorgungsgänge, etwa Lebensmittel-Einkauf
  • Briefversand
  • Sport, wenn man Abstand hält
  • Spaziergänge, wenn man Abstand hält
  • Versorgungsgänge, etwa Lebensmittel, Tierbedarf
  • Bankgeschäfte am Geldautomat oder in der Filiale
  • Einkäufe im Heimwerker- und Gartenmarkt
  • Besuche bei Lebenspartnern
  • Besuche und Betreuung von Kindern, die beim anderen Lebenspartner leben
  • Begleitung von Minderjährigen
  • Begleitung von Sterbenden
  • Beerdigungen im engen Familienkreis
  • Spaziergänge mit dem Hund
  • Versorgung von Tieren (Pferde, Schafe, Hühner etc.)

Weiter geöffnet haben auch:

Ausgangsbeschränkungen - eine Zusammenfassung
Audio [SR 3, Carolin Dylla, 20.03.2020, Länge: 00:57 Min.]
Ausgangsbeschränkungen - eine Zusammenfassung

  • Hörgeräteakustiker und Optiker
  • Banken
  • Werkstätten
  • Waschsalons
  • Geschäfte für Tierbedarf
  • Bau- und Gartenmärkte, unter strengen Auflagen
  • Kirchen, Moscheen, Synagogen, wenn die Abstandsregeln eingehalten werden

Leichtfertiger Umgang

Ministerpräsident Hans begründete die verschärften Maßnahmen am Freitagabend mit den steigenden Infektionszahlen. "Wir nähern uns mit einer sehr hohen Geschwindigkeit dem Zustand, an dem unser Gesundheitssystem überlastet werden kann", sagte Hans. Wenn das Infektionstempo nicht gebremst werde, sei das nur eine Frage der Zeit.

Hans lobte erneut die Unterstützung der saarländischen Bevölkerung. "Ich bin wirklich stolz darauf, was die Saarländerinnen und Saarländer zu leisten vermögen." Viele gingen aber immer noch zu leichtfertig mit der Krankheit um. Mehrere Male habe die Polizei ausrücken müssen, um Versammlungen aufzulösen. Vor allem junge Menschen fühlten sich oft zu sicher.

Mit der Ausgangsbeschränkung solle die Bevölkerung geschützt werden. "Wir können nicht länger zusehen, wie manche fahrlässig die Sicherheit anderer gefährden." "Wir sperren niemanden ein", sagte Tobias Hans. So dürften Familien mit Kindern weiterhin zusammen vor die Tür. Außerdem dürfen Handwerker weiter arbeiten. Bundesweite Beschränkungen gibt es noch nicht. Hans sagte: "Wir halten das für fahrlässig." Die Probezeit sei vorüber.

Der Ministerrat hat der Ausgangsbeschränkung zugestimmt. Sie gilt ab Samstag, zunächst für zwei Wochen. Ministerpräsident Hans kündigte "empfindliche Strafen" an, sollten sich einige Menschen nicht an diese Vorgaben halten. Kontrollieren soll die Polizei.

Rehlinger: Abstand halten!

Vize-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) sprach von ihrer schwersten Entscheidung bislang. "Dennoch halte ich es für notwendig, dass wir das so zum Wohle der Saarländerinnen und Saarländer auf den Weg bringen." Weniger einschneidende Maßnahmen führten nicht zum Erfolg. "Wir haben versucht, mit weniger einschneidenden Maßnahmen die Ausbreitung der Infektionen dennoch im Griff zu halten, aber es haben Menschenansammlungen und Corona-Partys stattgefunden und wir dürfen das nicht dulden."

Rehlinger appellierte auch an die Bürger, an diejenigen zu denken, die weiterhin im Dienst sind. Sie bat darum, etwa zu Kassiererinnen und Kassierern den nötigen Abstand zu halten, um sie nicht zu gefährden: "Die oberste Regel lautet: Halten Sie Abstand!"

Für Dienstag kündigte Rehlinger ein Sofortpaket zur Unterstützung der saarländischen Wirtschaft an.

Corona-Hotline

Für Fragen rund um das Thema Corona-Virus hat die saarländische Landesregierung eine Hotline eingerichtet.

Die Hotline ist werktags von 6.00 Uhr bis 24.00 Uhr erreichbar. Samstag und Sonntag ist die Hotline von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr erreichbar.

Die Nummer ist 0681 501-4422 .

Fragen zum Coronavirus können auch per Mail an die Adresse corona@saarland.de gestellt werden,

Infos gibt es zudem auf der Internetseite www.corona.saarland.de.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 20.03.2020.

Artikel mit anderen teilen


Ihre Meinung

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja